Meine Läuterung

Die jugendliche Emanzipation gegenüber familiären Strukturen hatte sich beim Autor des heutigen Beitrags u.a. in der Abkehr von jeglichen weihnachtlichen Ritualen manifestiert. Die Versammlung unterm Tannenbaum, das Singen, Geschenkeüberreichen und am nächsten Tag der üppige Gänsebraten, all das kam ihm seinerzeit höchst suspekt vor. Das änderte sich schlagartig. Durch welches Erlebnis? – die Auflösung gibt es im sechsten Fenster unseres Adventskalenders nachzulesen. Weiterlesen

06. Dezember 2014 von Klaus-Dieter Felsmann
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Mährischer Wein, Malimo-Dessous und die Kompetenzen eines FSF-Prüfers

Die Gelegenheit des Alleinseins nutzte ich, um nach der Hinwendung zu den Schwergewichten europäischer Kulturgeschichte nebenher ein Pornokino kennenzulernen. Der bleibende sinnliche Eindruck dieses Besuchs ging danach allein von der Architektur des umfunktionierten vormaligen Lichtspieltheaters aus. Im Hauptfilm waren zwei Damen zu erleben, die es als Gefängnisaufseherinnen ihren angeketteten schweren Jungs besorgten bzw. es sich besorgen ließen. Hier wurde meine Neugier schnell von Langeweile abgelöst. Als unerträglich blieb der Gestank in Erinnerung, der – ausgehend von unzähligen Publikumsergüssen – in den Stofftapeten des einstigen Tempels cineastischer Vergnügung hängen geblieben war.
Hatte ich etwa gedacht, ich würde an diesem Ort etwas von der ausufernden und schließlich zerstörerischen Leidenschaft, von der unbändigen Lust und der ästhetischen Zuspitzung erleben, die ich wenige Jahre zuvor in Bernardo Bertoluccis Der letzte Tango in Paris wahrnehmen konnte? Weiterlesen

04. September 2014 von Klaus-Dieter Felsmann
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Die Abkehr von der Leidenschaft

Inzwischen haben wir uns daran gewöhnt, dass eine alle Lebensbereiche erfassende Erlebnisindustrie sich um unsere Emotionen kümmert. Das hat aber selten etwas mit der Innerlichkeit von authentischen Gefühlen zu tun, es richtet sich allein auf die Oberfläche und dabei im Speziellen auf unsere Körper. Idealisierte Vorbilder werden geschaffen und für die zelebrierte Künstlichkeit fürstlich bezahlt. Gisele Bündchen oder Daria Werbowy als Models oder Jennifer Lopez und Lady Gaga im Showgeschäft geben in einem vordergründig sexualisierten Kontext den Maßstab vor. In allen möglichen medialen Formaten werden diese Leitfiguren auf jeglicher Niveaustufe imitiert. Der Hessische Rundfunk ließ erst seine Tatort-Kommissarin Nina Kunzendorf mit Strassgürtel, Cowboystiefeln und tiefem Dekolleté im pinkfarbenen engen T-Shirt als Verschnitt der Comicfigur Lara Croft vor das geneigte Publikum treten. Aus Kunstfiguren werden Leitbilder und alle Welt sucht ihnen nachzueifern. Weiterlesen

23. Juli 2014 von Klaus-Dieter Felsmann
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Warum arbeitest Du für den Jugendschutz?

In diesem Jahr feiert die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen e.V. ihr 20-jähriges Bestehen. Dies nahmen wir zum Anlass, Prüfer, die die FSF schon viele Jahre begleiten, um einen Jubiläumsbeitrag zu bitten. Klaus-Dieter Felsmann und Susanne Bergmann kamen der Bitte für den Blog nach. Weitere Stimmen zu 20 Jahre FSF folgen in der kommenden tv diskurs!

Selbst der schüchternste Prüfer des Medien-Jugendschutzes muss sich auf Partys, Tagungen oder Zugfahrten nicht vor dem Gefühl der Einsamkeit fürchten. Auch dann, wenn er niemanden der Anwesenden kennt, braucht er nur anzudeuten, dass er gerade über die Freigabe eines Films, eines Spiels oder einer Fernsehsendung befunden hat, schon ist ihm alle Aufmerksamkeit sicher. Allerdings, das muss in Kauf genommen werden, selten wird er nach seinen Kriterien oder Beweggründen für die jeweilige Entscheidung gefragt. Weiterlesen

23. Juni 2014 von Klaus-Dieter Felsmann
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Max und Moritz und wir bösen Jungs

Ich war noch ein ganz kleiner Junge, da saß ich im Kindergarten vor einem Milchtopf, dessen Inhalt immer dicker und gelber wurde und dabei zunehmend furchtbar roch. Die Aufsicht führende „Tante“ bestand in aus ihrer Sicht guter Absicht darauf, dass ich meine Milchration austrank, bevor ich – wie die anderen Kinder – im Garten spielen durfte. Lange habe ich mich verweigert, was nebenbei die Konsistenz des Getränks nur noch unerträglicher machte, dann habe ich kapituliert. Doch so schnell der Inhalt der Tasse in meinem Magen war, so schnell kam er zurück. Nun war das Geschrei erst recht groß und ich, der Übeltäter, wurde als böser Junge zur Abschreckung gegenüber jeglicher Renitenz in die Ecke gestellt. Seither habe ich nie wieder Milch getrunken, was meine Mutter lange Zeit aufgeregt hat und mir auch ihrerseits immer wieder den Titel eines „bösen Jungen“ einbrachte. Weiterlesen

20. Mai 2014 von Klaus-Dieter Felsmann
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Jan-Peter und das Schulbankdrücken

„Gallus meus mortuus est! Er kann nicht mehr kräh’n, kokodi, kokoda.“ An einem grauen Novembermorgen habe ich durch einen in dieser Hinsicht abgehärteten Landsmann meinen Hahn Jan-Peter schlachten lassen. Der Gockel war ein prächtiges Exemplar mit bunt schillernden Federn, beeindruckendem Schnabel, stolzem Kamm und Respekt einflößendem Doppelsporn. Er war ausgesprochen kräftig und darüber hinaus geradezu omnipotent. So schnell konnten bei den Hühnern die Federn gar nicht nachwachsen, wie er sie ihnen bei seinen Kopulationsaktivitäten ausrupfte. Auch ansonsten kümmerte er sich geradezu aufopferungsvoll um seine Damen. Niemand durfte seinem Völkchen zu nahe kommen. Selbst ich sollte zwar regelmäßig Körner streuen, doch unmittelbar danach ging er zum Angriff über und jagte mich mit stürmischen Attacken aus dem Gehege. Das wurde ihm nun zum Verhängnis. Ich war mit einer vielleicht alternativ möglichen Erziehung überfordert – und eine Hühnerschule, die das stellvertretend hätte erledigen können, gibt es leider nicht. Weiterlesen

31. März 2014 von Klaus-Dieter Felsmann
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Zukunftshoffnung bedingt Vertrauen

Gemeinhin kommen Bücher auf zwei Wegen in die Hausbibliothek. Entweder geht man gezielt in einen Buchladen und kauft sie sich, oder sie sind Geschenke. Im ersteren Fall ist mit dem Bucherwerb ein bestimmter Zweck verbunden, was zur Folge hat, dass das entsprechende Werk auch unmittelbar gelesen wird. Im zweiten Fall erreicht das Buch zwar in guter Absicht, aber doch eher zufällig den Adressaten.

Solche Geschenke sammeln sich bei mir oft neben dem Bett und sie bleiben dort gern etwas länger liegen. Die Welt von Gestern, Schöne alte Welt, Das einfache Leben
diese Büchersammlung ist statistisch gesehen sicher nicht repräsentativ. Dennoch habe ich den Eindruck, in den Titeln drückt sich ein recht weit verbreitetes Zeitgefühl aus. Hat der mit der Zeitschrift Landlust verbundene Lifestyletrend nicht auch etwas mit solcherlei Abgrenzungen zur Gegenwart zu tun? Worauf begründet sich der Erfolg von Filmen wie The Artist, oder Grand Budapest Hotel? Alles sind Reminiszenzen an eine als überschaubar empfundene analoge Vergangenheit, von der man hofft, vielleicht etwas über das Verfallsdatum hinaus sichern zu können.
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13. März 2014 von Klaus-Dieter Felsmann
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