Archiv der Kategorie Aus dem PrüfErleben

Alles, was nötig ist? Folter, Selbstjustiz und die Frage der Genrekompetenz

Zur Prüferfortbildung der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) am 20. April 2015 in Berlin.

Thema der Prüferfortbildung waren Prüfentscheidungen zu Darstellungen von Selbstjustiz und Folter sowie die dabei unterstellte Genrekompetenz von Kindern und Jugendlichen, die es ihnen ermöglichen soll, problematische Szenen und Aussagetendenzen kritisch zu reflektieren bzw. als Fiction distanziert zu betrachten. Der sozialethisch desorientierende Gehalt entsprechender befürwortender oder verharmlosender Szenen und Plots wird darin gesehen, dass sie dem Rechtsstaatsprinzip – gemeint ist die Gesetzesbindung staatlichen Handelns um die Freiheit des Einzelnen zu sichern – widersprechen und damit im krassen Gegensatz zum Wertekonsens des Grundgesetzes stehen. Weiterlesen

22. April 2015 von Christina Heinen
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Thrill im Tagesprogramm

Fachtagung für Prüfende und Geprüfte der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) am 10. Oktober 2014 in Berlin.
Im Kreis der üblichen Verdächtigen ging es im Schwerpunkt um Fernsehbilder, die Kinder unter 12 Jahren übermäßig ängstigen können und deshalb aus dem Tagesprogramm (06.00 bis 20.00 Uhr) verbannt werden müssen. Das klingt zwar einfach, ist es im konkreten Fall aber eher nicht.
Als Input stellte Sabrina Unterstell eine noch unveröffentlichte Studie des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) vor, in der es um Erinnerungen an ängstigende Filmerlebnisse geht und die am 10. Dezember 2014 veröffentlicht wird. Die Studienergebnisse belegen die Dünnhäutigkeit von Kindern im Vorschulalter: Figuren, die böse aussehen, wirken schon bedrohlich, bevor sie sich überhaupt rühren. Auch die moralische Haltung einer bösen Figur kann Angst auslösen, ebenso die Filmgeschichte selbst, sofern sie reale Gefahren aufgreift oder an kindliche Sorgen anknüpft. Weiterlesen

14. Oktober 2014 von Susanne Bergmann
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Mährischer Wein, Malimo-Dessous und die Kompetenzen eines FSF-Prüfers

Die Gelegenheit des Alleinseins nutzte ich, um nach der Hinwendung zu den Schwergewichten europäischer Kulturgeschichte nebenher ein Pornokino kennenzulernen. Der bleibende sinnliche Eindruck dieses Besuchs ging danach allein von der Architektur des umfunktionierten vormaligen Lichtspieltheaters aus. Im Hauptfilm waren zwei Damen zu erleben, die es als Gefängnisaufseherinnen ihren angeketteten schweren Jungs besorgten bzw. es sich besorgen ließen. Hier wurde meine Neugier schnell von Langeweile abgelöst. Als unerträglich blieb der Gestank in Erinnerung, der – ausgehend von unzähligen Publikumsergüssen – in den Stofftapeten des einstigen Tempels cineastischer Vergnügung hängen geblieben war.
Hatte ich etwa gedacht, ich würde an diesem Ort etwas von der ausufernden und schließlich zerstörerischen Leidenschaft, von der unbändigen Lust und der ästhetischen Zuspitzung erleben, die ich wenige Jahre zuvor in Bernardo Bertoluccis Der letzte Tango in Paris wahrnehmen konnte? Weiterlesen

04. September 2014 von Klaus-Dieter Felsmann
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„Die Zeit ist ein Fluss ohne Ufer“ (Chagall)

Wir kennen uns jetzt 19 Jahre, die FSF und ich. Eine Beziehung mit unterschiedlichen Höhen, aber ohne dramatische Tiefen, obwohl wir uns beide verändert haben im Laufe der Zeit – wie es sich gehört für alles, was lebt.

1995 war für mich ein Jahr des persönlichen Umbruchs. An einem schönen Sommerabend traf ich im Café am Neuen See zufällig auf Hajo, Joachim von Gottberg, den Geschäftsführer der FSF. Er hatte dort eine Besprechung mit einem Freund von mir, die etwas länger dauerte als geplant. Ich setzte mich dazu. Kurz darauf kam die Kellnerin und schüttete Hajo ein Glas Rotwein über sein helles Outfit. Sie blieb die einzige, die das schlimm fand – er blieb ganz gelassen. Weiterlesen

24. Juni 2014 von Susanne Bergmann
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Warum arbeitest Du für den Jugendschutz?

In diesem Jahr feiert die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen e.V. ihr 20-jähriges Bestehen. Dies nahmen wir zum Anlass, Prüfer, die die FSF schon viele Jahre begleiten, um einen Jubiläumsbeitrag zu bitten. Klaus-Dieter Felsmann und Susanne Bergmann kamen der Bitte für den Blog nach. Weitere Stimmen zu 20 Jahre FSF folgen in der kommenden tv diskurs!

Selbst der schüchternste Prüfer des Medien-Jugendschutzes muss sich auf Partys, Tagungen oder Zugfahrten nicht vor dem Gefühl der Einsamkeit fürchten. Auch dann, wenn er niemanden der Anwesenden kennt, braucht er nur anzudeuten, dass er gerade über die Freigabe eines Films, eines Spiels oder einer Fernsehsendung befunden hat, schon ist ihm alle Aufmerksamkeit sicher. Allerdings, das muss in Kauf genommen werden, selten wird er nach seinen Kriterien oder Beweggründen für die jeweilige Entscheidung gefragt. Weiterlesen

23. Juni 2014 von Klaus-Dieter Felsmann
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„Das erste Mal“

Am 6. April 1994 tagte der erste Prüfausschuss der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF).
Heute vor 20 Jahren kam in der damaligen Geschäftsstelle der FSF am Berliner Tiergarten der erste Prüfausschuss zusammen. Es gab vorläufige Prüfgrundsätze, provisorische Büromöbel und ein Mobiltelefon in Backsteingröße. Es gab Kartons mit Videokassetten und ganzen Serienstaffeln, die auf die Begutachtung warteten: Miami Vice, Swamp Thing – das Ding aus dem Sumpf, Das Gesetz der Straße oder Walker Texas Ranger. An diesem ersten Prüftag waren es, ganz paritätisch, zwei Herren und eine Dame, die bei der FSK für die Filmwirtschaft, für die öffentliche Hand und als Jugendschutzsachverständige zum Einsatz kamen. Das Programm bestand aus drei Folgen … Weiterlesen

06. April 2014 von Claudia Mikat
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Rollenbilder und Geschlechterstereotypen in Musikclips und TV-Shows

Zur FSF-Prüferfortbildung am 21. März 2014 in Berlin.

Ausgerechnet jugendaffine Programme vermitteln extrem sexistische Zuschreibungen in Bezug auf das, was Weiblichkeit bzw. Männlichkeit ausmacht. Das belegte die Auswahl an Musikclips, mit der das Thema eröffnet wurde.

Die Kulturwissenschaftlerin Sonja Eismann bezog sich in ihrem anschließenden Vortrag auf diese Bilder und bewertete die „übersexualisierte Darstellung von weiblichen Stars“ als hinderlich für die „Selbstermächtigung“ von Mädchen und jungen Frauen. Eismann benannte „gängige Verfahren der Geschlechtermarkierung“, wie z. B. Techniken der Kameraführung, und verwies in ihrer inhaltlichen Analyse auch auf interessante ironische Brechungen. Weiterlesen

26. März 2014 von Susanne Bergmann
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