Kommunikationskulturen in digitalen Welten

32. GMK-Forum vom 20. bis 22. November 2015

Klickvergrößernd: Plenum des 32. Forums Kommunikationskultur der GMK 2015: "Kommunikationskulturen in digitalen Welten. Konzepte und Strategien der Medienpädagogik und Medienbildung" in Köln, 20. bis 22.11.2015 im KOMED © GMK/Kristin Grunert

32. Forum Kommunikationskultur der GMK 2015 Plenum © GMK/Kristin Grunert

Wir alle leben in digitalisierten (Lebens-)Welten, ob wir es wollen oder nicht; die Frage ist, ob wir es jeweils bewusst wahrnehmen (wollen) und beeinflussen können. Skepsis ist angesichts von Big Data angesagt, Aufklärung notwendig. Junge Menschen wachsen selbstverständlich in digitale Welten hinein und müssen die Selbstbestimmung erst lernen. Aber Pessimismus gegen und Schutz vor digitalen Medien ist kein sinnvoller Weg, um Heranwachsenden eine sozial verantwortliche und mitgestaltende Perspektive auf digitale Welten zu öffnen. Wie in jeder „Kultur“ geht es auch in digitalen Kommunikationskulturen um zentrale pädagogische Fragen: Welche Kommunikationsangebote, aber vor allem auch Kommunikationsformen sind sozial förderlich, welche sind riskant? Wie können wir möglichst allen eine gleichberechtigte Teilhabe an der digitalisierten Gesellschaft ermöglichen? Können wir gegenüber der großen Datensammlung über uns noch so etwas wie frei und menschlich bleiben? Solche Fragen wurden auf dem 32. GMK-Forum Kommunikationskultur in Köln mit einem guten Methoden-Mix von Vorträgen über Workshops bis hin zu Barcamp-Sessions und Medienpräsentationen bearbeitet.

Klickvergrößernd: Plenum des 32. Forums Kommunikationskultur der GMK 2015: "Kommunikationskulturen in digitalen Welten. Konzepte und Strategien der Medienpädagogik und Medienbildung" in Köln, 20. bis 22.11.2015 im KOMED © GMK/Kristin Grunert

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Zwei Vorträge eröffneten am Freitag das Forum: Friedrich Krotz (Universität Bremen) beschrieb den Wandel jugendspezifischer Kommunikationskulturen im Prozess der Mediatisierung, einen abstrakten Begriff, den Krotz in den letzten Jahren entscheidend mitgeprägt hat. Alle Vergemeinschaftungsformen sind oder werden mediatisiert und damit auch kommerzialisiert; das gilt besonders für jugendkulturelle Lebenswelten, die ohne Berücksichtigung der Medien nicht mehr verstanden werden können.
Daniel Süss (FH Zürich) verdeutlichte angesichts empirischer Studien anschließend, dass Medien Lebensmittel sind und als solche Genuss-, aber auch Suchtmittel werden können. Sein ironisches Zitat „Offline ist das neue Bio“ mit Bezug auf den aktuellen Buchtitel Analog ist das neue Bio wurde zu einem mehrfach wiederholten Spruch auf dem Forum.

Klickvergrößernd: Workshop 32. Forum Kommunikationskultur der GMK 2015: "Kommunikationskulturen in digitalen Welten. Konzepte und Strategien der Medienpädagogik und Medienbildung" in Köln, 20. bis 22.11.2015 im KOMED © GMK/Kristin Grunert

Workshop © GMK/Kristin Grunert

Am Samstag forderte Friederike Siller (TH Köln) unter dem Leitwort „YouCitizen“ möglichst viele Freiheiten und Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder im Netz. Aber Kinder brauchen dabei auch Begleitung, auch durch verlässlich geförderte Angebote und Vernetzungsmöglichkeiten im Internet selbst. Den Impuls zum Nachmittag setzte Benjamin Jörissen mit einem abstrakten Blick auf die „Next Media Education“. Bildhaft verglich er das digitale Netz mit einem Myzel, dem feinen unsichtbaren Geflecht eines Pilzes im Boden.

Klickvergrößernd: Pausengespräch während des 32. Forums Kommunikationskultur der GMK 2015: "Kommunikationskulturen in digitalen Welten. Konzepte und Strategien der Medienpädagogik und Medienbildung" in Köln, 20. bis 22.11.2015 im KOMED © GMK/Kristin Grunert

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Bei den zehn Workshops, die durch einige Barcamp-Sessions ergänzt wurden, ging es immer wieder um das Bildmedium Youtube zwischen neuen Formaten und Beteiligungsmöglichkeiten, aber auch einem Trend zur oft nicht durchschaubaren Kommerzialisierung. Und spannend war ein genderorientierter Blick auf die (Online-)Gaming-Szene und andererseits die Frage, wie einer latenten Homophobie in Lets Play-Videos zu begegnen ist. Zum Workshop der FSF Medienkulturen und Kommerz war ein interessanter Gast geladen: Felix Wesseler von der Produktionsfirma Filmpool aus Köln, die u.a. Berlin – Tag & Nacht produziert. Er verdeutlichte Intentionen und Zwänge der Macher und den Erfolg des Formats über die Facebook-Seite, musste sich aber auch mit der pädagogischen Skepsis auseinandersetzen, dass hier Stereotype bedient und verstärkt werden und Heranwachsende die Konstruiertheit des „Scripted Entertainment“ nicht immer durchschauen (können). Für die pädagogische Praxis an und mit solchen Formaten gab es „Futter“, indem Leopold Grün (FSF) Teile der DVD-ROM Faszination Medien vorstellte.

Das GMK-Forum lockte über 300 Fachleute in das KOMED im Mediapark in Köln; das große Spektrum der Sponsoren dieses Kongresses zeigt die hohe Anerkennung, die die GMK und ihr großes Jahresforum seit vielen Jahren genießt. Den Höhepunkt bildete die alljährliche Dieter Baacke Preisverleihung am Samstagabend, bei der aus 220 eingereichten Bewerbungen neun herausragende Medienprojekte auszeichnet wurden. Der gut gewählte Veranstaltungsort im KOMED ließ viel Raum für Begegnung und Kommunikation der Besucher untereinander.

Klickvergrößernd: Preisträger Dieter Baacke Preis während des 32. Forums Kommunikationskultur der GMK 2015 © GMK/Kristin Grunert

Preisträger Dieter Baacke Preis © GMK/Kristin Grunert

Eine gelungenes Forum 2015 öffnet den Blick nach vorn: Im November 2016 wird die GMK unter ihrer neu gewählten Doppelspitze mit Dorothee Meister (Uni Paderborn) und Sabine Eder (Blickwechsel) zum 33. Forum einladen, Wunschort Berlin; das Motto „Feeling digital?“ wird den Einfluss von Soft- und Mobileware auf unser Leben in den Blick nehmen.

Klickvergrößernd: Wahl neuer GMK-Vorstand während des 32. Forums Kommunikationskultur der GMK 2015: (v.l.n.r.) Angela Tillmann, Marion Brüggemann, Dorothee Meister, Sabine Eder, Kristin Narr, Rüdiger Fries, Claudia Mikat, Martina Schuegraf, Thomas Knaus © GMK/Kristin Grunert

Neuer GMK-Vorstand: (v.l.n.r.) Angela Tillmann, Marion Brüggemann, Dorothee Meister, Sabine Eder, Kristin Narr, Rüdiger Fries, Claudia Mikat, Martina Schuegraf, Thomas Knaus © GMK/Kristin Grunert

Eine ausführliche Fotostrecke – mit Auftritt der FSF-Band Bad Censorship am 20.11.2015 in der  Bildungswerkstatt der TH Köln – gibt es auf der Seite des GMKBlog.de.

Über Bernward Hoffmann

Prof. Dr. Bernward Hoffmann studierte Erziehungswissenschaften und Theologie. Seit 1988 ist er Professor für Medienpädagogik in der Ausbildung von Sozialarbeitern und Sozialpädagogen und seit 1999 am Fachbereich Sozialwesen an der Fachhochschule Münster tätig. Bernward Hoffmann ist Prüfer bei der FSF.

26. November 2015 von Bernward Hoffmann
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