Das Ende der Sommerpause

Das Ende der Sommerpause – FSF-Blog © sh/fsf

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Der Sommer 2016 kommt ein wenig launisch daher, hin und wieder unterstellen wir ihm sogar die gänzliche Abwesenheit. Trotz fehlender Hitze haben wir Mediennutzer dennoch erkannt, dass er gekommen war, denn plötzlich gab es sie, die Sommerpause. Vertraute Formate verschwinden unter Ankündigung für bis zu drei Monate und lassen sich von Wiederholungen ersetzen. Der Grund scheint einleuchtend, immerhin ist Ferien- und Urlaubszeit und da beschäftigen sich die Leute gerne mit etwas anderem.

Auch die Politik nimmt sich regelmäßig eine Auszeit und nennt es parlamentarische Sommerpause. Dann ruht die Gesetzgebung und die großen Namen lassen sich entspannt im Sommerinterview vor prächtiger Ferienkulisse zu den wichtigen Themen unserer Zeit befragen. Mit der Sonne im Gesicht, dem Wind im Haar und dem satten Grün im Hintergrund sind die Probleme plötzlich auch nicht mehr ganz so groß.

In Berlin hinterlässt ihre Abwesenheit hingegen eine gewisse Leere in den Nachrichtenspalten, die wiederum anderweitig aufgefüllt werden. Wir kennen das auch als Sommerloch. Eine Zeit, in der arme Tiere zu einer zweifelhaften Berühmtheit gelangen. Man erinnere sich nur an das Drama um Bruno, den Biologe Edmund Stoiber der Art der Problembären zugeordnet hatte. Oder die Kuh Yvonne, deren Geschichte mit der gelungenen Flucht vor dem Schlachter jedoch ein Happy End genommen hatte.

Verzicht mit Konserve

So schmeckt eben der Sommer! Die großen Krisen sind wie weggewischt, stattdessen erfreuen wir uns am Leben. Genießen laue Sommernächte, naschen ein paar Eis zu viel und liegen uns am Baggersee wund. Darauf stellen sich Fernsehen und Co eben ein und lassen uns größtenteils zufrieden. Wer dann eben doch unbedingt hinsehen will, der bekommt etwas aus der Konserve. Denn die Zugpferde sind in der Sommerpause.

Wir verzichten auf Böhmermann, Will, Plasberg, Illner, Pilcher, Maischberger, Tatort, heute SHOW und sogar der Lanz nimmt sich frei. Günther Jauch pausiert bei RTL mit Wer wird Millionär, nur um sich selbst mit der Quiz Arena zu vertreten. Sommerpause paradox!

Wenn alle entspannt den Sommer genießen, dann ist ja alles gut. Denkste. Frauke Gerlach, Direktorin des Grimme-Instituts, beschwerte sich im Juni, dass die Öffentlich-Rechtlichen ihren Auftrag während der Sommermonate einfach einstellen würden. Die Welt hält nämlich nicht inne, die Krisen bleiben bestehen oder verschärfen sich. Eine ordentliche Auseinandersetzung mit den Themen täte gut und ist ja vor allem der Anspruch der sonst so präsenten Politiktalkshows.

Keine Zeit für Experimente

Den Dauertalkern sei der Urlaub gegönnt, die Kritik geht ans System. Immerhin fließen dort jährlich Milliarden hinein. Da ließe sich doch auch während der Sommermonate ein ordentliches und informatives Programm auf die Beine stellen oder einmal was Neues ausprobieren. Machen sie aber nicht. Das große Glück hieß in diesem Jahr Fußball EM und Olympia, ohne die beiden Superveranstaltungen wären die Lücken im Programm noch sichtbarer.

Aber nun ist sie ja vorbei, die Sommerpause. Alle kehren zurück an ihre Plätze und richten sich ein auf einen heißen Herbst. Und seien wir doch einmal ehrlich, die Pause hat ja auch ihr Gutes, sonst hätten sich die Bosbachs, Petrys und Roths nur wochenlang über das Burkaverbot gestritten.

Auch wir beenden unsere Sommerpause im Blog. Ab Montag gibt es wieder regelmäßig mehrmals in der Woche Beiträge über den Jugendmedienschutz, Medienpolitik, Veranstaltungshinweise, Neuigkeiten aus der Programmprüfung und vieles mehr.

Über Sebastian Calließ

Nach abgeschlossenem Studium der Germanistik und Politikwissenschaft, Projekte der politischen Bildung in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt. Es folgte Medienbeobachtung in Berlin, aktuell ist Sebastian Calließ im Online-Marketing-Bereich aktiv und schreibt für das Web-Radio BLN.FM. Er ist ein begeisterter Geschichtenerzähler, Film- und Serienfreund, verliebt in House und Disco und „verliert“ sein Geld in Plattenläden.

01. September 2016 von Sebastian Calließ
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