Gute Fernsehvorsätze?

„Ab dem 2. Januar gehe ich ins Fitnessstudio; dreimal in der Woche! Und ich höre mit dem Rauchen auf und esse nie wieder Schokolade!“

Sie gehören zum Januar wie Eiskratzen und Skispringen: die guten Vorsätze. Und manchmal halten wir sie sogar für drei Wochen durch. Geraucht habe ich sowieso noch nie. Und leider ist auch in diesem Jahr das Fitnessstudio nicht nebenan eingezogen und das Reformhaus liegt am anderen Ende der Stadt. Da bietet es sich an, sich an Vorsätze zu halten, für die man nicht vor die Tür gehen muss. Wie beim Fernsehen. Ich habe mir also vorgenommen, dieses Jahr mal mein Fernsehverhalten zu reflektieren. Immerhin beginnt mein Jahr traditionell mit dem Neujahrsspringen in Oberstdorf und endet mit der Liveübertragung der Silvesterfeier am Brandenburger Tor.

Welcher Fernsehtyp bin ich?

Dafür muss ich erst mal analysieren, welcher Fernsehtyp ich überhaupt bin. Und da fängtʼs schon an. Selbst hält man sich ja irgendwie immer für eher unauffällig. Die meisten Studien besagen aber, dass ein Erwachsener im Durchschnitt zwischen drei und vier Stunden täglich fernsieht. Das halte ich für übertrieben. Vermutlich bin ich also weder Binge-Viewer, der nur rausgeht, wenn die Chips leer sind, noch begrenze ich meinen Fernsehkonsum auf zweimal im Jahr „Urbi et Orbi“ und die Nachrichten. Ich habe nicht mal einen favorisierten Sender. Pro 7, RTL, Sat 1, ja, sogar ZDF und ARTE ‒ ich mag sie alle. Es scheint mir trotzdem einigermaßen gesichert, dass die Welt sich auch noch drehen würde, wenn ich morgen meinen Fernseher zum Sperrmüll stelle. Aber will man das? Immerhin würde man sich selbst einen sozialen Maulkorb verpassen. Ob beim Smalltalk im Kindergartenflur, im Wartezimmer beim Arzt oder beim Barbeque mit der Familie ‒ wenn der Themenkatalog zur Neige geht, funktionieren Fernsehthemen immer. (Wobei es schwerer wird, seit „Wetten, dass..?“ abgesetzt wurde.)

Totale Fernsehabstinenz oder Binge-Viewing?

Die totale Fernsehabstinenz ist also keine Lösung. Und es gibt ja noch mehr Gründe, warum die Flimmerkiste trotz massiver Übernahmeangriffe durch digitale Medien noch immer der Deutschen liebstes Medium ist. Manchmal will man einfach nur mal unterhalten werden, um sich nach einem langen Tag zu entspannen. Das ist im Zweifelsfall günstiger als eine Massage oder der Psychotherapeut. Wenn ich dabei noch was lerne, macht mir das nichts aus. Und ja: Ich hänge mich ganz weit aus dem Fenster und behaupte, dass ich im Fernsehen auch schon mal was gelernt habe ‒ sogar bei „Punkt 12“! Trotzdem möchte ich das Rezept, dass ich bei Fernsehkoch XY gesehen habe, auch selbst mal nachkochen oder das Buch lesen, das mir das „Literarische Quartett“ empfohlen hat. Wenn ich genauer drüber nachdenke, gehöre ich im Hinblick auf meinen Fernsehkonsum doch eher zur gemäßigten Spezies. Mist, jetzt muss ich doch wieder ins Fitnessstudio …

Über Cornelia Klein

Dr. Cornelia Klein studierte Diplom-Pädagogik mit dem Schwerpunkt Medienpädagogik und promovierte über die mediale Vorbildkompetenz. Sie arbeitet als Lektorin und Redakteurin bei einem pädagogischen Fachverlag.

04. Januar 2017 von Cornelia Klein
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