Ethik macht klick: Das neue Handbuch von klicksafe

Eine Rezension

Auf einer Fortbildung zum Thema „Medien und Ethik“ (organisiert vom Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz in Kooperation mit klicksafe) hatte ich die Gelegenheit, das neue Material Ethik macht klick der EU-Initiative klicksafe kennenzulernen. Diese neue Arbeitshilfe richtet sich an Schulen und außerschulische Bildungseinrichten gleichermaßen. Klicksafe veröffentlicht seit Jahren hochwertige Module zu medienpädagogisch relevanten Themen wie Datenschutz, Cybermobbing oder Internetpornografie, die in Schulen und außerschulischen pädagogischen Kontexten zum Einsatz kommen und richtungsweisend sind für die medienpädagogische Arbeit. Das neue Modul Ethik macht klick ist allerdings etwas anders als die bisherigen Module von klicksafe, daher lohnt sich einen genauerer Blick darauf.

Über Ethik zu reden (und zu schreiben) ist nicht einfach

Zu Anfang tasten wir uns, in der Fortbildung ebenso wie im Modul, an grundlegende Begriffe wie Ethik, Moral, Werte und Ethos heran. Schnell wird klar: Dieses Modul ist komplexer, wissenschaftlicher und abstrakter als alle vorherigen. „Ganz schön theorie- und textlastig“, finden einige Fortbildungsteilnehmer, und das denkt möglicherweise auf den ersten Blick auch der erfahrene klicksafe-Leser. Woran liegt das? Zum einen liegt es in der Natur der Sache, das Thema „Medienethik“ hat es in sich – nicht umsonst sind die originären Disziplinen Ethik und Philosophie eigene Wissenschaften mit Tradition, die bis zu Sokrates und Aristoteles zurückgehen.

Dass das Modul „theoretischer“ ist als gewohnt, liegt aber nicht nur am Thema. Erfahrene Verstärkung hat sich das Team von klicksafe bei Prof. Dr. Petra Grimm von der Hochschule der Medien in Stuttgart (HdM) und ihrem Team geholt. Sie bringen ihre wissenschaftliche Vorgehensweise und Expertise ein – das spürt man deutlich. Diese Einflüsse sind für den Leser der bisherigen Unterrichtsmodule von klicksafe neu und etwas unerwartet. Der Schreibstil ist zwar wie gewohnt locker, aber kommt eben nicht mehr so leicht daher. Nicht nur der bewährte Theorieteil ist abstrakter als bisher, auch die praktischen Übungen sind komplexer aufgebaut. Aber „(Medien-)Ethik“ ist eben auch keine leichte Kost, das merkt man auch in der Fortbildung.

Aufbau in drei Bausteinen – mit Theorie und Praxis

Das Modul Ethik macht klick ist in drei Bausteine unterteilt, die sich ausgewählten, medienethisch-relevanten Themen widmen: (1) Privatsphäre und Big Data, (2) Verletzendes Online-Verhalten und (3) Mediale Frauen- und Männerbilder.

Die Betonung liegt auf Auswahl, denn es gibt etliche weitere medienethische Fragestellungen in der Netzwelt, die in diesem Modul Daseinsberechtigung verdienen würden. Es muss eine besondere Herausforderung für das Autorenteam gewesen sein, sich auf diese drei Themen zu einigen bzw. zu beschränken. Das bestätigt auch Birgit Kimmel, eine der federführenden Autorinnen, in ihrem Vortrag. Wie gewohnt ist jeder Baustein mit einem theoretischen Input und einem praktischen Teil in Form von Arbeitsblättern und Übungen ausgestattet. Es empfiehlt sich, bei den klicksafe-Materialien und bei Ethik macht klick im Besonderen, zunächst den theoretischen Teil zu jedem Baustein zu lesen, um dann die praktischen Arbeitsmaterialien angemessen anwenden zu können. Denn hier erhält man einen sehr guten Überblick über das Thema, im Sinne einer Sachanalyse. Die Arbeitsblätter und Übungen lassen sich im Prinzip auch losgelöst voneinander, beispielsweise in einzelnen Unterrichtstunden, einsetzen. Bearbeitet man allerdings einen ganzen Baustein, und das empfiehlt sich, dann ergibt sich ein komplexerer Zusammenhang.

Die „medienethische Roadmap“ als Instrument und Wegweiser

Denn das „Neue“ und zunächst etwas Komplizierte am Modul Ethik macht klick ist die „medienethische Roadmap“, die in allen drei Bausteinen zum Einsatz kommt. Es handelt sich hierbei um den sprichwörtlichen roten Faden. Folgt man der Roadmap bzw. den darin enthaltenen sieben Lernschritten, dann sollen bei den Adressaten Denkprozesse zum medienethischen Urteilen und Handeln schrittweise und systematisch angestoßen werden. Das Ziel ist die Entstehung einer eigenen Haltung – eines Ethos. Dieser Lernprozess wird als offener Kreislauf betrachtet, durch den stets auch neue Fragestellungen generiert werden. Folglich bedarf es zur Erreichung eines eigenen Ethos mehrerer Schritte, die aufeinander aufbauen.

Screenshot "Ethik macht klick", Roadmap

Jeder der drei Bausteine in Ethik macht klick ist nach dem Sieben-Stufen-Prinzip der Roadmap aufgebaut und bietet exemplarisch Methoden und Übungen an – exemplarisch, weil es den Umfang gesprengt hätte, für alle Schritte der Roadmap Übungen anzubieten, so Birgit Kimmel. Auf www.klicksafe.de findet man zu allen Bausteinen auch noch weiterführende Materialien.

Fazit 1: Digitale Wertevermittlung ist komplex und geht nicht zwischen Tür und Angel

Um das Modul Ethik macht klick richtig anwenden zu können, sollte man zunächst grundlegende Begriffe zum Thema „(Medien-)Ethik“ kennen und sich auch mit eigenen Werten und Ansichten auseinandersetzen. Das nimmt mehr Zeit in Anspruch, als man erwarten würde. Die Einführung des Moduls ist dafür eine gute Hilfestellung. Es ist wichtig, die Adressaten auf diese theoretische Notwendigkeit hinzuweisen, damit kein Frust aufkommt – wie in der Fortbildung an einigen Stellen zu beobachten war.

Für die praktische Arbeit mit dem Handbuch ist es unentbehrlich, das Prinzip der Roadmap zu kennen und zu verstehen. Außerdem ist die vollständige Bearbeitung der Bausteine sinnvoll, weil die Entstehung einer eigenen Haltung sich in mehreren Schritten der Auseinandersetzung mit sich selbst und dem Thema vollzieht, und nicht in einer schnellen Vertretungsstunde zwischen Tür und Angel funktioniert.

Fazit 2: Digitale Wertevermittlung braucht Zeit und Raum

Will man mit Ethik macht klick arbeiten und die gesetzten Ziele erreichen, ist also Zeit ein wichtiger Faktor. Denn die Erarbeitung einer Haltung und Internalisierung von Werten braucht Zeit und erfordert eine stetige und vertiefende Auseinandersetzung. An dieser Stelle stößt das Modul an Grenzen, die den Strukturen in unserem Bildungssystem geschuldet sind. So differenziert und reichhaltig Ethik macht klick gestaltet ist, es erfüllt seinen Zweck erst, wenn wir (Pädagogen, Lehrkräfte, Schulen, Eltern) die entsprechende Zeit, entsprechende Expertise, Ressourcen und Priorität für das Thema bzw. die Bearbeitung der Roadmap einräumen, und auch die Medienerziehung zu Hause im Blick behalten. Besonders den Aspekt der Aus- und Weiterbildung zu diesem Thema müssen wir in den Blick nehmen: Für eine Auseinandersetzung mit dem Thema „Medienethik“ müssen neue Fortbildungskonzepte und die frühe Verankerung dieser Themen im Lehramtsstudium gefordert werden. Davon sind wir leider immer noch weit entfernt.

Mit dem Material Ethik macht klick wurde ein anspruchsvolles und fundiertes Modul entwickelt, das den Nerv der Zeit trifft. Zugleich wurde ein Modul konzipiert, das sich seinen Weg in die Schule wohl noch geduldiger suchen muss als die bisherigen Materialien. Dabei geht es beim Thema Medienethik eigentlich um „alte“ Fragen in neuem Gewand bzw. an neuen Orten, in der digitalen Welt also, back to the roots sozusagen, aber das ist einfacher gesagt als getan.

Über Eva Borries

Eva Borries ist Diplom-Medienpädagogin und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung (zepf) an der Universität Landau. Außerdem arbeitet sie deutschlandweit als Referentin für Medienkompetenz. Sie entwickelt individuelle medienpädagogische Fortbildungen, Vorträge und Workshops.

07. Mai 2015 von Eva Borries
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