Ostern – time for Smartphones? 

Worauf Sie beim Schenken achten und wie die ersten Schritte aussehen können

Neulich im Supermarkt beobachte ich an der Kasse eine Frau, die sich nach dem Starterpaket für Smartphones, mit neuer SIM-Karte, Guthaben und allem drum und dran, erkundigt. Ja, auch schnelles Internet solle bitte dabei sein. „Mein kleinster Sohn bekommt jetzt nämlich auch ein eigenes Smartphone zu Ostern“, erklärt sie und wirkt dabei nicht so richtig entschlossen. Das Geschäft mit Smartphones boomt. Kunden sind auch die ganz Kleinen bzw. deren Eltern, die die teuren Geräte bereitwillig zu Weihnachten, Ostern oder Geburtstag verschenken. Ob sich die Mutter über die Tragweite dieses Geschenks im Klaren ist? Drum prüfe, wer sich bzw. sein Kind so früh an ein Smartphone binde, sage ich und empfehle daher, sich (idealerweise) vor dem Schenken ein paar Gedanken zu machen:

Motive und Beweggründe klären – die eigenen und die des Kindes

Wenn das Thema Smartphone auf dem Tisch bzw. auf dem Wunschzettel landet, dann fragen Sie sich zuerst kritisch vor dem Kauf: Was sind meine/unsere Motive, ein Smartphone zu verschenken? Will ich als Erwachsener mein Kind eigentlich „nur“ erreichen können, im Kontakt sein, oder geht es mir um mehr? (Wofür) Braucht mein Kind ausgerechnet ein multimediales, internetfähiges Gerät? Würde nicht fürs Erste ein klassisches Handy reichen, mit dem man SMS schreiben und Anrufe tätigen kann? Das kann völlig ausreichend sein und jede wichtige Funktion erfüllen. Wer will das Gerät also wirklich – mein Kind oder gar ich, stellvertretend für mein Kind? Beuge ich mich womöglich einem gesellschaftlichen Druck, weil „alle anderen Kinder auch schon eins haben“, wie die Kleinen gerne argumentieren (das stimmt übrigens in den meisten Fällen nicht, funktioniert aber wie ein Dominoeffekt: spätestens da knicken die Eltern ein). Seien wir ehrlich: Kinder „brauchen“ kein Smartphone, es geht sehr lange ohne. Viel öfter geht es um Prestige und „Mithalten müssen“, was man zwar irgendwie verstehen, aber auch kritisch diskutieren und Frage stellen kann.

Geräteauswahl und Vertragsmodalitäten

Zeig‘ mir dein Smartphone und ich sage wie cool Du bist, lautet auch bei den Kleinen die Devise. Eigentlich verrückt, denn die Geräte liegen ohne SIM-Lock im hohen dreistelligen Bereich, mit zweijährigen Verträgen ist es nicht anders. Daher frage ich: muss es ein so teures Geschenk sein? Wenn es denn sein muss, genau, welches Finanzierungsmodell wählen – Vertrag oder mit Prepaidkarte? Beim Vertrag sind die Kosten auf Jahre vorprogrammiert, müssen von Ihnen (wohl eher weniger von Ihrem Kind) monatlich geleistet werden. Bei Prepaid-Varianten kann man immerhin die Internetfähigkeit unterwegs, Flats und Datenvolumen flexibler variieren, das Gerät auch mal pausieren lassen und die Möglichkeiten nach und nach steigern. Warum nicht kleine Schritte gehen? Es wäre denkbar, dass man ein Smartphone schenkt, dieses aber nicht mit Internetflat im Tarif bestückt, sondern nur im heimischen WLAN surfen lässt. Das Datenvolumen wird dann nicht genutzt, darf aber auch nicht versehentlich aktiviert werden, damit keine böse Überraschung auf der Rechnung folgt. Mit der Einschränkung lernen die Kleinen von Anfang an, sich ihre Zeit mit dem Gerät ein Stück weit einzuteilen. Sie könnten parallel die Verfügbarkeit des WLANs am Rooter regulieren, z.B. nachts ausschalten. Die Nacht ist nämlich für die jungen WhatsApper eine besonders beliebte Zeit zum tratschen und austauschen – müde Gesichter am nächsten Morgen sind dann vorprogrammiert.

Voreinstellungen und Vorbereitung des Gerätes

Machen Sie sich vor dem Schenken mit dem Gerät vertraut: laden Sie es auf, testen Sie erste Funktionen, präparieren Sie den App-Store und nutzen Sie so einen gewissen Wissensvorsprung. Den werden Sie zwar auf lange Sicht verlieren, aber es schadet nicht, das Gerät und die wichtigsten Funktionen auch zu kennen. Alternativ richten Sie es gemeinsam ein und definieren, welche Funktionen genutzt werden und welche tabu sind. Zum Beispiel kann es sinnvoll sein, das Herunterladen von Apps mit einem Passwortschutz zu versehen. Dann können nur Sie mithilfe des Passwortes neue Apps herunterladen und werfen bei der Gelegenheit einen kurzen Blick auf die Neuanschaffungen. Mit der Zeit kann man das auch lockerer handhaben. Auch bei der Einrichtung eines Messengers – beliebt ist nach wie WhatsApp – machen Sie sich vorher schlau: Was muss ich beachten? WhatsApp ist übrigens, folgt man den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, noch gar nicht für Ihr Kind geeignet, sondern erst ab 16 Jahren. Das wird zwar nicht kontrolliert, gibt es aber dennoch zu bedenken. Alternativ versuchen sie als Familie doch einen datenfreundlicheren Messenger wie z.B. Threema oder Signal.

Regeln und Rituale klären

Last, but not least: das neue Gerät bringt erhebliche Verantwortung mit sich, auf die Sie Ihr Kind vorbereiten müssen. Es gibt einige ausgewählte, aber grundlegende Regeln für den Umgang zuhause, in der Schule, in der Freizeit und den Austausch miteinander:

  • In der Nacht und zu geselligen Gelegenheiten bleibt das Gerät aus. Am besten richten Sie eine „Smartphone-Garage“ ein, in der die Geräte, auch die der Eltern, nachts geparkt werden. Das gilt ebenso für die Hausaufgabenzeit und die Mahlzeiten. Gerade beim Essen sollten Sie sich Ihrer eigenen Vorbildfunktion bewusst sein. Auch für Sie gilt: „noch eben kurz die Mails checken“ ist nicht drin, wenn Ihr Kind es genauso achtsam handhaben soll wie Sie.
  • In vielen Schulen gilt Handy- und Smartphoneverbot. Erkundigen Sie sich im Vorfeld!
  • Fotografieren und Videos von anderen nur mit deren Erlaubnis aufnehmen – Stichwort Recht am eigenen Bild! Auch das Weiterleiten und Teilen von Bildern und Inhalten erfordert die Zustimmung anderer. Sprechen Sie darüber, wie man sich im Konfliktfall verhält und was man tut, wenn es digital Ärger gibt.
  • Tauschen Sie sich von Anfang an regelmäßig und interessiert aus, was gerade mit dem Smartphone gemacht wird und welche Apps Ihr Kind mag. Grundsätzlich gehört das Gerät nun Ihrem Kind und Sie haben die Privatsphäre des Sprösslings zu respektieren. Es geht also nicht, dass Sie ungefragt WhatsApp-Dialoge lesen – das kann übel enden. Besser ist es, sich gemeinsam die relevanten Inhalte auszuschauen und von Anfang an eine vertrauensvolle Beziehung, eben auch in medialer Hinsicht, anzustreben.
  • Wie gehen wir mit kleineren Geschwistern um, die mitmachen und zuschauen wollen? Wie beim Fernsehen und bei den Computerspielen gilt, dass nicht alles für Kinderaugen gleichermaßen gemacht ist. Die größeren Geschwister können bei etwaigen Regeln und Ritualen übrigens eingebunden werden – es gibt ihnen ein gutes Gefühl in diesem Fall mal die Älteren zu sein.

Beherzt man diese Dinge, macht das Geschenk Kind und Eltern langfristig Freude.

Über Eva Borries

Eva Borries ist Diplom-Medienpädagogin und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung (zepf) an der Universität Landau. Außerdem arbeitet sie deutschlandweit als Referentin für Medienkompetenz. Sie entwickelt individuelle medienpädagogische Fortbildungen, Vorträge und Workshops.

30. März 2016 von Eva Borries
Kategorien: Digitale Welt, Medienpädagogik | Schlagwörter: , , | Schreiben Sie einen Kommentar

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