„Der Ballkönig“

Little Children (2006) erzählt die Geschichte mehrerer unglücklicher Menschen im Kleinstadt-Vorort East Wyndam, deren Lebenswege sich kreuzen und ungeahnte Wendungen einschlagen.
TELE 5 zeigt das Drama heute, 20. August 2014, um 20.15 Uhr.

FSF ab 12 Jahren

FSF ab 12 Jahren

Sarahs Alltag spielt sich neben drei weiteren Hausfrauen und Müttern auf dem Spielplatz ab. Tagein, tagaus wird ihr bewusst, wie wenig geeignet sie für diese Hausfrauen- und Mutterrolle ist und stets lässt sie den Schwall gut gemeinter Ratschläge über sich ergehen. In ihrer Beziehung zur Tochter Lucy wirkt Sarah genervt bis kühl, was beim Zuschauer ein leicht befremdliches Gefühl hinterlassen kann. Auch in ihrer Ehe mit Buchhalter Richard langweilt sich Sarah, studierte Literaturwissenschaftlerin, zu Tode.
Ein wenig Spannung in die Filmhandlung und in Sarahs Leben bringt der attraktive Kindsvater Brad, der neuerdings ebenfalls zur gleichen Zeit wie sie mit seinem Sohn den Spielplatz betritt und von den anderen Hausfrauen nur anhimmelnd als „der Ballkönig“ bezeichnet wird. Brad fühlt sich von seiner Frau beherrscht. Denn sie bringt das Geld nach Hause, während er die Kindserziehung übernimmt und eigentlich abends für seine Anwaltsprüfung zu lernen hat – was er jedoch nicht tut, sondern lieber seinen Träumen nachhängt.
Ziemlich schnell versuchen Sarah und Brad aus ihrem tristen Alltag auszubrechen und gehen eine Affäre miteinander ein.
Ein weiterer Erzählstrang bettet die Belagerung und Diffamierung des sich wieder in Freiheit befindlichen verurteilten Exhibitionisten Ronnie ein, dem durch Larry Hedges, ein unzufriedener Ex-Polizist, fortan das Leben zur Hölle gemacht wird.
Alle drei Erzählstränge werden ineinander verwoben und die Akteure miteinander in Beziehung gesetzt, dies ergibt ein ruhig erzähltes, aber spannungsreiches Drama.

Beim Sehen des Films Little Children breitete sich in mir ein unbehagliches Spannungsgefühl aus, mehr aufregend denn anregend. Wenig Abhilfe der düsteren Stimmung verschafft der auktoriale Erzähler. Kate Winslet (Titanic, 1997) setzt mit ihrer schauspielerischen Leistung der Sarah einmal mehr die Akzente im Film, unterstützt wird diese Bestleistung durch Jackie Earle Haleys (Ronnie) Schauspielkunst. Das Drama ist fesselnd inszeniert, so dass man den Ausgang der Geschichte nicht verpassen möchte.

Das von Todd Field geschaffene Melodram basiert auf den gleichnamigen Roman von Tom Perrotta. Die im Jahre 2007 für drei Oscars nominierte Romanverfilmung ging aufgrund der starken Konkurrenz leider leer aus. Nominiert waren Kate Winslet als beste Darstellerin, Jackie Earle Haley als bester Nebendarsteller und die Drehbuchautoren Todd Field und Tom Perrotta für das beste Drehbuch.

FSF-Freigabe
Der ursprünglich von der FSK ab 16 Jahren freigegebene Film wurde im FSF-Prüfausschuss im Zuge des Antrags zur Ausstrahlung im Hauptabendprogramm (20.00 – 22.00 Uhr, ab 12 Jahren) intensiv diskutiert. Da die Filmhandlung nicht gerade jugendaffin inszeniert ist, die Protagonisten wenig Identifikationsmöglichkeiten für die Altersgruppe der ab 12-Jährigen bereithalten, das Drama durch eine Erzählstimme aus dem Off kommentiert wird und die abgebildete Lebenswelt wenig gemein hat mit dem realen Alltag hiesiger Jugendlicher, bietet die Geschichte mit den vielen abstrakt dargestellten Problemen genügend Distanzierungsmomente für ab 12-Jährige. Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren verfügen über die nötige Medienkompetenz, um den in einer geschnittenen Fassung vorgelegten Film angstfrei und ohne Beeinträchtigungen verarbeiten zu können. Zur ausführlichen ProgrammInfo des Dramas Little Children auf der FSF-Website geht es hier.

Bitte beachten Sie: Bei den Altersfreigaben handelt es sich nicht um pädagogische Empfehlungen, sondern um die Angabe der Altersstufe, für die ein Programm nach Einschätzung der Prüferinnen und Prüfer keine entwicklungsbeeinträchtigenden Wirkungsrisiken mehr bedeutet.

Mehr Informationen zur Programmprüfung erhalten Sie auf unserer Website. Dort veröffentlichen wir jede Woche neue ProgrammInfos zum aktuellen Fernsehprogramm. Auch diese Auswahl stellt keine Empfehlung dar, sondern zeigt einen Querschnitt der Programme, die den Prüfausschüssen der FSF von den Mitgliedssendern vorgelegt werden.

Über Sandra Marquardt

Sandra Marquardt hat 2010 ihr Magisterstudium in Filmwissenschaft und Publizistisk- und Kommunikationswissenschaft an der FU Berlin abgeschlossen. Seit 2011 arbeitet sie als Onlineredakteurin bei der FSF.

20. August 2014 von Sandra Marquardt
Kategorien: Neues aus der Programmprüfung | Schlagwörter: , , , | Schreiben Sie einen Kommentar

Schreiben Sie einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert


− sechs = 2