Blinder Fleck und schwarze Tinte – Blindspot

Ab 08. September 2016 jagt die tätowierte Jaimie Alexander nicht nur Verbrecher, sondern auch ihre Erinnerungen. Verfolgen können wir dies in Blindspot bei Sat.1 um 20.15 Uhr.

Der ursprüngliche Blogbeitrag bezieht sich auf den Ausstrahlungsbeginn der Serie Blindspot beim Sender Sat.1 Emotion am 19. Juli 2016.

Crime/Drama © sh/fsf

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Das Rätsel in Blindspot beginnt mit einer silbernen Tasche mitten auf dem New Yorker Times Square liegend und an das FBI adressiert. In ihr: eine nackte, nur von Tattoos umhüllte Frau (Jaimie Alexander), quicklebendig, doch ohne die Spur einer Erinnerung. Das Mysterium gipfelt darin, dass die Gefundene den Namen des FBI-Agenten Kurt Weller (Sullivan Stapleton) auf dem Rücken trägt. Das FBI steht überfordert da. So hilflos die schöne Frau zunächst wirkt, so überraschend zeigen sich nach und nach ihre ungeahnten Fähigkeiten – bspw. die Beherrschung der chinesischen Sprache oder Nahkampferfahrungen – und es wird deutlich, dass eine Kampfausbildung das Mindeste ist, was sie abgelegt haben muss, um an solche Talente zu gelangen.

Die Untersuchung ihrer Tattoos durch die gescheite Forensikerin Patterson (Ashley Johnson) liefert eine Adresse, dessen Bewohner ein Attentat anstrebt. Dadurch hat das FBI Blut geleckt und es wird klar, dass der Körper der Schönen mit Hinweisen auf bevorstehende Verbrechen versehen ist, hinter denen womöglich ein noch größeres Rätsel steht. So wird die Identitätssuche der Frau zur Sache des FBI, denn nur durch sie ist die Lösung dieses scheinbaren Verbrechensclusters möglich.

Doch einer aus den Reihen der Agenten ist nicht nur an der Wahrung der inneren Sicherheit interessiert. Der tapfere und sonst doch so professionell agierende Kurt Weller verspürt eine Verbundenheit zu der Erinnerungslosen, die sich nicht allein durch das Tattoo erklären lässt.

Blindspot ist eine von Martin Gero und Greg Berlanti produzierte Agententhriller-Serie, wie man sie in dem Genre entsprechend erwartet: Hoch technisierte FBI-Agenten, ein leicht verhärmter und dennoch softer männlicher Held, sowie eine bildschöne, hilflose und zugleich starke weibliche Hauptfigur, puzzleartige Rätsel, die die Rettung Unschuldiger bergen, eine ‚authentische’ Wackelkamera, die dennoch genug Hochglanz verspricht und viel Action, sowie gut choreographierte Nahkämpfe.

Die NBC Serie macht innerhalb des Genres nichts verkehrt, aber zeigt leider auch nichts gewagt Neues – außer, dass à la Memento hier die Tattoos Rätsel aufgeben. Im Vergleich zu anderen Agentenserien stellt sich die Frage, ob Blindspot nicht ‚das Besondere’ fehlt: So fehlt es, anders als in Homeland24 oder The Black List an ambivalenten Hauptcharakteren, es ist keine subtile Ironie wie in Agent X zu finden, keine Splatterfaktoren wie in Banshee und das Ensemble ist zwar bemerkenswert politisch korrekt repräsentiert, jedoch weniger komödiantisch wie in Navy CIS oder Hawaii-Five-0. Dennoch funktioniert Blindspot einwandfrei, hat einen starken und episch ausgespielten Anfang, einen dem Genre vertrauten Schauspieler Sullivan Stapleton (Strike Back) vorzuweisen und lässt sich als resolut bezeichnen. Mit ca. 11 Millionen Zuschauern in den USA zum Auftakt der Serie wurde eine Verlängerung sofort in Auftrag gegeben, einen Plan haben die Macher allerdings von Beginn an für drei Staffeln präsentiert (TV Spielfilm XXL Digital).

Der Sender Sat.1 Emotions startet heute um 20.15 Uhr mit der Ausstrahlung des Piloten. Der FSF lagen die ersten vier Episoden zur Prüfung vor, sie wurden für die Ausstrahlung im Hauptabendprogramm freigegeben, weil der konstruierte Inhalt Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren eine Vielzahl von Distanzierungsmöglichkeiten bietet. Außerdem wurden senderseitig kritische Gewaltspitzen wie lange Kampfszenen gegenüber der Originalfassung geschnitten und entschärft (*kein Muss bei Ausstrahlung auf einem Pay-TV-Sender), um die gewaltbezogenen Wirkungen zu reduzieren. Die noch verbliebene punktuelle Gewaltpräsenz wie etwa durch Schießereien, Drohnenattentate oder Kindesentführungen wird für ab 12-Jährige nicht als nachhaltig ängstigend eingeschätzt.

FSF ab 12 Jahren, Ausstrahlung im Hauptabendprogramm (20.00 Uhr bis 6.00 Uhr)
Zur dieser und weiteren ProgrammInfos auf der FSF-Website geht es hier.

*Der Sender Sat.1 Emotions darf alle Episoden der Serie auch schon vor 20.00 Uhr ausstrahlen, weil er als Pay-TV-Anbieter eine Jugendschutzsperre aktivieren kann, die von den Zuschauern mit der Eingabe einer Jugendschutz-PIN freigeschaltet werden muss. Somit gelten die üblichen Sendezeitbeschränkungen und Schnittauflagen nicht. Weitere Informationen zu Vorschriften und Anforderungen an digitale Vorsperren als Alternative zur Vergabe von Sendezeitbeschränkungen sind im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (§ 5 Abs. 3 Nr. 1; § 9 Abs. 2 JMStV) sowie in der Jugendschutzsatzung der Landesmedienanstalten (§ 2 bis § 5 JSS) zu finden.”

Bitte beachten Sie: Bei den Altersfreigaben handelt es sich nicht um pädagogische Empfehlungen, sondern um die Angabe der Altersstufe, für die ein Programm nach Einschätzung der Prüferinnen und Prüfer keine entwicklungsbeeinträchtigenden Wirkungsrisiken mehr bedeutet.

Mehr Informationen zur Programmprüfung erhalten Sie auf unserer Website. Dort veröffentlichen wir jede Woche neue ProgrammInfos zum aktuellen Fernsehpramm. Auch diese Auswahl stellt keine Empfehlung dar, sondern zeigt einen Querschnitt der Programme, die den Prüfausschüssen der FSF von den Mitgliedssendern vorgelegt werden.

Über Henrike Rau

Henrike Rau studierte Architektur an der Universität Kassel. Danach begann sie ein Studium der Digitalen Medienkultur an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF und arbeitet aktuell an ihrem Master in Medienwissenschaften. Neben Uniprojekten wie Sehsüchte, der Kinderfilmuni oder Kooperationen mit dem Filmmuseum Potsdam haben Praktika beim UFALab und bei der FSF ihre Ausbildung mit Praxis belebt.

19. Juli 2016 von Henrike Rau
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