Quantico – Vom Leben und Denken junger FBI-Agenten

Vor elf Jahren begleitete man die jungen Ärzte in Grey’s Anatomy bei ihren ersten Schritten im Krankenhaus und es lag in jeder Folge ein neuer überspitzter Fall auf dem Operationstisch. Unzählige Krankenhausserien zeugen heute davon, wie gerne das Serienpublikum in die Welt der weißen Kittel eintaucht. Bei Grey’s Anatomy lag gewiss der Reiz darin, junge Menschen bei ihrem ersten richtigen Job zu beobachten und dabei zuzusehen, wie daraus eine Berufung wird.

Doch welche Berufsgruppen sind in Serien noch beliebt? Welche Themen sind heute so relevant, dass sie genug Stoff für mehrere Staffeln bieten? Amerikas Kampf gegen den Terror bricht weder in der Realität noch in der Fiktion ab, sodass es wohl an der Zeit war, einen Blick hinter die Kulissen der FBI-Arbeit zu werfen. Die Dramaserie Quantico erzählt vom Leben und der Ausbildung junger FBI-Rekruten.

Bild FSF: Genre Politthriller © sh/fsf

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Alex Parrish (Bollywood-Star Priyanka Chopra) hat es geschafft und sämtliche Tests und Background-Checks bestanden. Doch die eigentliche Bewährungsprobe folgt erst noch. Nun gehört sie zu den Zöglingen des FBI und wird in der Akademie Quantico eine Ausbildung zur Agentin durchlaufen. In Virginia lernt sie ihre Mitstreiter kennen, die unterschiedlicher nicht sein könnten – vom blonden Covermodel bis hin zum Mormonen ist alles dabei. Fortan stellen sie sich gemeinsam harten Trainingseinheiten und müssen auch ihre geistigen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Denn nur wer gut kombinieren kann, hat die Chance, bis zur feierlichen Übergabe der Dienstmarke zu gelangen.

Die Handlung um Hauptfigur Alex und die anderen Rekruten wird auf zwei Ebenen erzählt, denn neben den Aufgaben und Lektionen in der Akademie wird der Zuschauer Zeuge eines neun Monate später stattfindenden Anschlags auf New York City. Nur eine Spur scheint gewiss: der Schuldige gehört zum FBI und befand sich zur selben Zeit wie Alex in Quantico in der Ausbildung. Nun stellt sich die Frage, wer aus ihrem Jahrgang den Terroranschlag verübt hat, denn die USA haben seit 9/11 nichts Vergleichbares erlebt. Um sich selbst zu entlasten, muss Alex ihre Zeit in Quantico unter neuen Gesichtspunkten betrachten und alle Vorkommnisse chronologisch analysieren.

Es wird ein Blick hinter die Motivation und Herkunft der einzelnen Charaktere geworfen, die recht schnell mit ihrer Vielschichtigkeit das Interesse wecken. Denn es zeigt sich, dass jeder – egal ob Rekrut oder Ausbilder – Geheimnisse hat und manche davon durchaus auf Verstrickungen in terroristischen Organisationen hindeuten. Zwar spart die Serie hierbei nicht mit Klischees und Stereotypen, doch das Rätsel darum, wer hinter dem Terroranschlag steckt, fesselt von der ersten Folge an. Auch die Spannung nimmt im Serienverlauf immer weiter zu, denn die Ereignisse überschlagen sich. Dabei spielt die Serie gekonnt mit der präsenten Angst der Amerikaner vor weiteren Anschlägen, zeigt menschliche Unzulänglichkeiten und Fehler – besonders die des FBI – und inszeniert neben den Medien auch den Kampf gegen den Terror als beständigen Begleiter im 21. Jahrhundert. Bevor die Serie also wieder Aufschwung nimmt und das Land gerettet werden kann, muss erst einmal einiges schiefgehen.

Gleichzeitig übt der Blick in das real existierende Quantico eine ebenso große Faszination aus, denn wer wollte noch nie wissen, wie Agenten ausgebildet werden? Trotz der eher ernsten Hauptproblematik kommen in der Serie die zwischenmenschlichen Beziehungen der Rekruten nicht zu kurz – erinnert fast ein bisschen an Grey’s Anatomy.

Mein Ohrwurm nach der Pilotfolge war übrigens All This Could Be Yours von den Cold War Kids! Quantico läuft ab heute jeden Mittwoch ab 20.15 Uhr auf ProSieben. Die 22-teilige erste Staffel wird in Doppelfolgen ausgestrahlt.

FSF ab 12 Jahren HauptabendprogrammFSF ab 12 Jahren Tagesprogramm

     FSF: Freigegeben ab …

Die überwiegend über Dialoge geprägte, alltagsgsferne und meist ruhig erzählte Serie richtet sich insgesamt nicht an ein kindliches Publikum, denn die Figuren bieten wenig Identifikationspotential für unter 12-Jährige. Auch wenn es manchmal kaum durchschaubar ist, auf welcher Seite die handelnden Figuren stehen, bildet die Hauptfigur immer wieder einen positiv konnotierten und zuverlässigen Fixpunkt für den Zuschauer. Mehrere Handlungsebenen und -momente sowie eine unübersichtliche Montage bieten ausreichend Distanzierung, das für ab 12-Jährige klar erkennbare Krimi- und Highschool-Genre unterstützt die distanzierende Wirkung. Während einige Episoden mit Kürzungen bei gewalthaltigen Szenen für das Tagesprogramm freigegeben werden konnten, gingen andere Episoden über das verkraftbare Maß für Kinder hinaus, weshalb sie erst im Hauptabendprogramm ausgestrahlt werden können. Eine Folterszene muss sogar für die Ausstrahlung im Hauptabendprogramm gekürzt werden.

Zur dieser und weiteren ProgrammInfos auf der FSF-Website geht es hier.

Bitte beachten Sie: Bei den Altersfreigaben handelt es sich nicht um pädagogische Empfehlungen, sondern um die Angabe der Altersstufe, für die ein Programm nach Einschätzung der Prüferinnen und Prüfer keine entwicklungsbeeinträchtigenden Wirkungsrisiken mehr bedeutet.

Mehr Informationen zur Programmprüfung erhalten Sie auf unserer Website. Dort veröffentlichen wir jede Woche neue ProgrammInfos zum aktuellen Fernsehpramm. Auch diese Auswahl stellt keine Empfehlung dar, sondern zeigt einen Querschnitt der Programme, die den Prüfausschüssen der FSF von den Mitgliedssendern vorgelegt werden.

Über Laura Carius

Laura Carius studiert Kommunikations- und Medienwissenschaften im Master an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Sie sammelte Erfahrungen in der PR- und Online-Kommunikation und war Werkstudentin bei der Leipziger Buchmesse. Bücher, Serien und Filme haben es ihr angetan, deshalb schreibt sie gern und oft als Medienmädchen in ihrem Blog darüber. Während ihres Praktikums bei der FSF gewann sie Einblicke in den Jugendmedienschutz.

27. Juli 2016 von Laura Carius
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