Scream Queens zum Schreien komisch?

Ryan Murphy, der Macher von Glee und American Horror Story, kreierte zusammen mit Brad Falchuk und Ian Brennan die neue Serie Scream Queens und damit ein bisher relativ selten anzutreffendes Genre, den Comedy-Horror. Dieser Mix ist das Resultat einer Parodie von Slasher-Filmen, voll mit Klischees und blutigen Schockeffekten.

Zwei der weiblichen Hauptdarsteller sind dem Titel entsprechend echte Schrei-Königinnen. Emma Roberts und Jamie Lee Curtis kennt man bereits von ihren „Schrei-Auftritten“ in Horrorfilmen wie Scream 4 und Halloween und stehen dem auch in Scream Queens in nichts nach.

Viele weitere bereits bekannte Gesichter wie Ariana Grande (Pop-Sängerin) und Lea Michele (Glee) sind in der Serie zu sehen. Die einen haben einen längeren Auftritt, andere einen kürzeren, denn die Sterberate des Seriencasts ist hoch – im Horrorgenre üblich, für eine Komödie allerdings eher untypisch. In jeder Folge stirbt mindestens eine Person. Zusätzlich enden die Episoden meist offen, sodass die Rückkehr des Killers ungewiss bleibt. Das erzeugt Spannung und mit dem Rätsel um die Identität des Killers – er zeigt sich im Teufel-Maskottchen-Kostüm – steigt die Spannung. Außerdem wird versucht, den Zuschauer durch verschiedene Hinweise, die mehreren Charakteren zuzuschreiben sind, in die Irre zu führen.

Schauplatz der ersten Staffel der Anthologie-Serie ist der Universitätscampus der Wallace University. Im Zentrum der Handlung steht die Studentenkorporation Kappa Kappa Tau und Emma Roberts schlüpft in die Rolle des Verbindungsoberhaupts Chanel Oberlin. Chanel erfüllt voll und ganz das Klischee der arroganten High-School-Diva. Sie ist reich, trägt extravagante Designerklamotten und behandelt alle Menschen um sich herum schlecht. Mit dem Verbot der Dekanin Cathy Munch, gespielt von Jamie Lee Curtis, ausschließlich wohlhabende Studentinnen in die Verbindung aufzunehmen, zieht sie den Zorn Chanel Oberlins auf sich. Gemeinsam mit ihren Anhängerinnen Chanel #2, Chanel #3 und Chanel #5 versucht Anführerin Chanel nun den neuen „Schwestern“ das Leben zur Hölle zu machen, bis es auf dem Campus zu einer Mordserie kommt, in die die Verbindungsmitgliederinnen verwickelt sind. Dieses Geheimnis schweißt die Gruppe gezwungenermaßen und auf eine kuriose Art und Weise zusammen.

Neben den oberflächlichen Chanels wird auch die kluge und bodenständige Grace Gardner in die Handlung eingeführt. Schon ihre bereits verstorbene Mutter war Mitglied der Kappa Kappa Tau’s – Grace fühlt sich durch den Beitritt zu dieser Vereinigung ihrer Mutter näher. Die Hinterhältigkeit und Arroganz der Chanels hat so gar nichts mit dem Bild von ihrer Mutter gemein, welches Grace in sich trägt. Die selbstgefällige Art der Verbindungsschwestern wecken allerdings Graces Neugier. So versucht sie, den aktuellen und längst vergangenen Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Das kostet sie nicht nur eine Menge Mut, sondern auch starke Nerven, denn sowohl die Vergangenheit als auch die Gegenwart der Studentinnennverbindung ist äußerst dunkel.

### Spoilerwarnung ###

Die Serie bedient nicht nur jegliche Klischees aus Highschool- und Horrofilmen, sie verspottet außerdem die gesamte heutige Jugendgeneration, die durch ihre Medienaffinität auch bekannt ist als „Head-Down-Generation“. Ein Beispiel dafür ist die Mordszene, in der Ariana Grande als Chanel #2 über ihr Handy eine Aufforderung von einer unbekannten Nummer erhält, die Tür zu öffnen. Es  erscheint das Teufel-Maskottchen. Obwohl sich beide gegenüberstehen, kommunizieren sie weiter über das Handy. Nach dem ersten Mordversuch des maskierten Täters an ihr läuft Chanel #2 nicht weg, sondern versucht über ihren Laptop einen Hilferuf via Twitter abzusenden. Bevor sie den Tweet veröffentlichen kann, wird sie erstochen, erwacht kurz darauf aber noch einmal zum Leben, um den Beitrag zu veröffentlichen und kann erst dann „in Frieden“ sterben.

Scream Queens ist ein interessantes Format und sehr unterhaltsam, wenn man den schwarzen Humor und die für Slasher übliche Menge Blut verkraften kann.

Der Sender sixx strahlt die erste Staffel mit 13 Episoden ab heute, immer donnerstags, 21.10 Uhr, in Doppelfolgen aus. 

FSF: freigegeben ab 12 Jahren | Hauptabendprogramm © FSF

FSF-ProgrammInfo: freigegeben ab …

Die jugendaffine, starbesetzte Mysteryserie ist eine parodistische Inszenierung auf die US-amerikanische Upperclass-Oberflächlichkeit und gesellschaftliche Etikette.
Gespickt voller Anspielungen auf aktuelle popkulturelle Phänomene und Moden ist die Serie durchgängig total überzogen inszeniert und wird ihrem Titel gerecht – es wird viel geschrien. Entlastend wirken die über weite Strecken dominierenden Dialoge sowie der konsequent alltagsferne, hochfiktionale und parodistische Komödiencharakter. Die teils brutalen und kurz eingeblendeten splatterhaften Gewaltspitzen sind so deutlich übertrieben und überhöht in Szene gesetzt, dass sie vielleicht einen kurzen Schrecken hervorrufen, jedoch keine nachhaltigen Beeinträchtigungen für ein Publikum ab 12 Jahren vermuten lassen. Für jüngere Kinder sind diese Bilder allerdings zu drastisch und stark verängstigend. Die Serie kann im Hauptabendprogramm ausgestrahlt werden.

Zur dieser und weiteren ProgrammInfos auf der FSF-Website geht es hier.

Bitte beachten Sie: Bei den Altersfreigaben handelt es sich nicht um pädagogische Empfehlungen, sondern um die Angabe der Altersstufe, für die ein Programm nach Einschätzung der Prüferinnen und Prüfer keine entwicklungsbeeinträchtigenden Wirkungsrisiken mehr bedeutet.

Mehr Informationen zur Programmprüfung erhalten Sie auf unserer Website. Dort veröffentlichen wir jede Woche neue ProgrammInfos zum aktuellen Fernsehpramm. Auch diese Auswahl stellt keine Empfehlung dar, sondern zeigt einen Querschnitt der Programme, die den Prüfausschüssen der FSF von den Mitgliedssendern vorgelegt werden.

Über Marie Grobien

Marie Grobien studiert an der Martin-Luther-Universität Medien- und Kommunikationswissenschaften und Soziologie im Bachelor. In den vergangenen Jahren absolvierte sie Praktika in PR- und Werbeagenturen, aus denen sich ein ausgeprägtes Interesse an der kommerziellen Kommunikation entwickelte. Während ihres Praktikums in der FSF im Frühjahr 2017 erhielt sie einen Einblick in den Bereich des Jugendmedienschutzes.

30. März 2017 von Marie Grobien
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