„ … and I’ll write you a tragedy“

Basierend auf Francis Scott Fitzgeralds Worte „Show me a hero and I’ll write you a tragedy“ wählte HBO den Titel der heute – 21.00 Uhr – auf Sky Atlantic HD startenden Serie Show Me A Hero nicht ganz zufällig. Denn wer Held sein will, wird dies oftmals erst durch seinen eigenen Untergang.

Es ist 1987. Yonkers, eine Vorstadt New Yorks, wählt mit Nick Wasicsko den jüngsten Bürgermeister ganz Amerikas ins Amt. Mit seinen 28 Jahren ist er voller Ambitionen bereit, seine Stadt zum Besseren zu verändern. Noch ahnt er nicht, welches Thema seine Amtszeit in einem absurden politischen Zirkus verwandeln wird: 200 Sozialbauten sollen zum ersten Mal in einer Gegend errichtet werden, in der sich vornehmlich die weiße Mittelschicht eingenistet hat. Der Bundesrichter hat den Bau bereits beschlossen, dass diese Häuser errichtet werden, ist somit gesetzt. Einige besorgte Anwohner sehen das jedoch anders, sie wollen keine schwarzen Nachbarn haben: „These people live like animals.“

Nach und nach mobilisiert sich ein Mob an „Wutbürgern“, die Wasicsko unter Druck setzen. Sie demonstrieren, belagern das Rathaus, schreiben Drohbriefe, tun einfach alles gegen den Beschluss der Bauten – obwohl dieser bereits von höchster Ebene aus abgesegnet wurde.

Umso ratloser findet sich der junge Bürgermeister wieder. Vor allem, da ihm nun auch andere Politker den Rücken zudrehen und gegen das Vorhaben stimmen. Selbst wenn sie wissen, dass ihr Verhalten das Vorhaben nicht stoppen wird, so hoffen sie dadurch doch auf das Wohlwollen der empörten Bürger während der nächsten Wahlperiode.

Hier verschafft Show Me A Hero nüchterne Einblicke in die Politszene. Als Wasicsko nicht wiedergewählt wird, beginnt für ihn ein Taumel durch sämtliche Ebenen des Rathauses in der Hoffnung, erneut für eine Position aufgestellt zu werden. Dabei ist er weder Gutmensch noch Tyrann. Er ist einfach ein Mann, der Anerkennung für sein Tun und seine Taten will und am Ende daran zu Grunde geht. Oscar Isaac (der spätestens seit dem neuen Star Wars-Teil den meisten bekannt sein wird) spielt dabei sämtliche Nuancen seines Charakters schlichtweg brillant und erhielt zu Recht einen Golden Globe für seine überzeugende Darbietung als bester Hauptdarsteller dieser Drama-Serie.

David Simon schrieb diese Miniserie nach wahren Begebenheiten. Wie schon in The Wire (2002 – 2008, auch HBO) stellt er außergewöhnlich detailliert und zugleich nüchtern soziale Strukturen dar. Auch die einzelnen Erzählstränge, die von den schwierigen Schicksalen der schwarzen Einwohner Yonkers handeln, bleiben stets fern vom Sozialkitsch. Stattdessen wird auch ihre Skepsis eindrucksvoll dargestellt: Wollen sie wirklich in einer Gegend leben, in der sie gehasst werden?
Dass Menschen Angst vor dem Fremden haben, scheint verständlich. Traurig und erschreckend ist vielmehr, was und wen sie als fremd definieren: Ihre Mitmenschen.

Show Me A Hero spielt 1987 und Ausstattung, Musik und Kostüm kreieren vollkommen glaubhaft das Bild der vergangenen Jahre. Doch wenn wir heute die Nachrichten lesen, dann wissen wir, dass die Serie eben auch noch heute spielt. Und wenn wir nichts ändern auch morgen und übermorgen.
Es bleibt die Hoffnung, dass Hass nicht auf immer trennt und Zusammenkunft Angst auflösen kann. Denn oftmals gibt es keine Helden. Nur ganz normale Menschen. Und das ist es, was uns alle eint.

Über Sophia Bierend

Sophia Bierend – seit Jahren anerkannt filmsüchtig – freut sich, nun ein offizielles Studium gefunden zu haben, das sie bei ihrer Sucht unterstützt. Seit 2014 studiert sie an der Filmuniversität Konrad Wolf das Fach Drehbuch und Dramaturgie. Mehrere ihrer Kurzfilme liefen bereits verteilt über den Globus auf Filmfestivals und sie hofft auf wundervolle Ideen in der Zukunft, um so ihrer Sucht weiter ein Ventil geben zu können.

18. Januar 2016 von Sophia Bierend
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