Und was schauen Sie, Herr Brinkmann?

Acht Fragen an Nils Brinkmann, hauptamtlicher Prüfer bei der Freiwilligen Selbstkontrollle Fernsehen (FSF), Gutachter bei der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Dienstanbieter (FSM) und freier Mitarbeiter im Bereich Programmaufsicht der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb).

fotolia © bramgino

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Sie haben beruflich tagtäglich mit Fernsehen zu tun – wie oft schalten Sie da noch privat Ihren Fernseher an?

Wenn ich in Berlin bin, schaue ich fast täglich fern, zumeist Nachrichten oder ganz bestimmte Programme, die ich gezielt aufsuche. Auf Reisen bleibt der Fernsehe dann in der Regel ganz aus. Mir fehlt dann aber auch nichts. Dann sind Bücher an der Reihe oder die letzten zwei, drei „Freitage“ oder die monatlich erscheinende „MD“.

Wann und in welchen Situationen schalten Sie den Fernseher an und was schauen Sie regelmäßig?

Erst durch diesen Fragebogen habe ich mich nach meinen Gewohnheiten gefragt und bin schon erstaunt, wie „oldschool“, mein Fernsehverhalten ist: Fußball-Bundesliga und der ARD-Presseclub und Satire- und Comedy-Formate wie heute show oder Ditsche, da ich schon viel durch die FSF sehe, bleibt ja kaum mehr was übrig ;-).
Wenn ich nicht das Glück habe, die großen TV-Produktionen der Privaten in der FSF zu prüfen, schalte ich auch hier gezielt den Fernseher ein. An Silvester ist natürlich Dinner for One absolut Pflicht.

Wird der „On-Knopf“ gedrückt, weil Sie ein bestimmtes Programm sehen wollen oder zappen Sie sich durch die Kanäle, bis Sie etwas Passendes finden? Und wann betätigen Sie den „Off-Schalter“?

In der Regel schalte ich den Fernseher ganz gezielt ein, wenn bestimmte Programme laufen. Wenn ich mal durchzappe, bleibe ich oft bei Auslandsreportagen oder Reiseberichten hängen. Hier haben mittlerweile nicht nur die öffentlich-rechtlichen Anbieter ganz gute Angebote.

Wie verbringen Sie Ihre Zeit vor dem Fernseher? Sind Sie ein aufmerksamer Zuschauer oder erledigen Sie beim Fernsehen Dinge nebenbei?

In der Regel schaue ich schon aufmerksam, bin nicht so der Multitasking-Typ. Ganz fürchterlich finde ich es, wenn in Familien während des Essens oder einfach den ganzen Tag über der Fernseher läuft. Auch findet in vielen Restaurants und Pizzerien eine TV-Dauerberieselung statt, die ich ablehne. Diese Lokale meide ich konsequent. Kürzlich erzählte mir ein Prüfkollege, dass in einem Döner-Imbiss tagsüber eine Holocaust-Dokumentation lief. Das finde ich schon gedankenlos.

Sind Sie durch Ihre Arbeit auf bestimmte Programme aufmerksam geworden, die Sie nun auch in Ihrer Freizeit interessieren – und die Sie sich gar auf DVD besorgen?

Es gibt sicher viele gute Serien, die mich interessieren könnten. Ich überlasse es gerne dem Zufall, ob’s zeitlich passt. Ganze Staffeln auf DVD habe ich bis jetzt nicht gekauft – es fehlt einfach die Zeit. Auch bin ich zum Glück vor längeren Erkältungen, die mich ans Bett fesseln, verschont geblieben – dann kann es schon reizvoll sein, in ganze Serien einzutauchen und die Entwicklung der Figuren (wie z.B. bei Breaking Bad) zu verfolgen. Es macht bei der Bewertung schon einen Riesenunterschied, den Serienkontext zu kennen. Daher kann ich den Hype um neue Staffeln beliebter Serien gut nachvollziehen.

Gibt es Formate oder Programme die sich Ihrer Meinung nach im Fernsehprogramm zu wenig oder gar nicht wiederfinden? Wie kompensieren Sie diese „Lücken“?

Deutschland hat wohl die vielfältigste Fernsehlandschaft der Welt, das vergessen viele, die sich über das Fernsehprogramm beschweren. Ich bin eigentlich sehr zufrieden mit dem, was die öffentlich-rechtlichen aber auch die privaten Sender produzieren. Aber Fernsehen ist nicht die einzige Informations- und Unterhaltungsquelle. Ich habe zwei Tageszeitungen und eine Wochenzeitung im Abonnement und versuche zumindest, regelmäßig ins Kino oder zu anderen kulturellen Veranstaltungen zu gehen. Viel Zeit, „Lücken“ beim Fernsehprogramm zu beklagen, bleibt da eigentlich nicht.

Bei welchem Format, welchem Film hatten Sie das letzte Mal das Gefühl wirklich gut unterhalten zu werden? Was war Ihr letztes gutes Fernseherlebnis?

Manchmal stoße ich schon auf eine gute Serie, die ich dann auch verfolge. Zuletzt lief auf Arte die schwedische Miniserie Blutsbande bereits in der zweiten Staffel in Doppelfolgen. Eher minimalistisch inszeniert, aber sehr tiefgründige Charakterzeichnungen. Gefreut habe ich mich auch immer auf die neuen Staffeln von Girls.

Wann schalten Sie den Fernseher ab?

Wenn bei politischen Talkshows der Primetime nur noch krawallig diskutiert wird ohne weiteren Informationsgehalt oder mich ein Tatort über die Maßen langweilt (kam zuletzt leider häufiger vor), ist der Zeigefinger relativ schnell auf der roten Taste.

 

Vielen Dank für Ihre Zeit und die Beantwortung unserer Fragen!

Über Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen

Die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) ist ein gemeinnütziger Verein privater Fernsehanbieter in Deutschland. Ziel der FSF ist es, einerseits durch eine Programmbegutachtung den Jugendschutzbelangen im Fernsehen gerecht zu werden und andererseits durch Publikationen, Veranstaltungen und medienpädagogische Aktivitäten den bewussteren Umgang mit dem Medium Fernsehen zu fördern. Seit April 1994 lassen die Vereinsmitglieder ihre Programme bei der FSF prüfen, seit August 2003 arbeitet die FSF als anerkannte Selbstkontrolle im Rahmen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV).

09. März 2017 von Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen
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