Frauen im Film ‒ die 1980er-Jahre: Mehr als nur Sidekicks

BLOCKBUSTER. Der Begriff ‒ obwohl nicht erst seit den 1980er-Jahren präsent ‒ suggeriert förmlich erfolgreiche Kinoproduktionen dieser Dekade. Unweigerlich erscheinen vor unserem inneren Auge die Filmhelden jener Zeit; nicht immer aus Fleisch und Blut und meistens zunächst nicht ganz uneigennützig. Ferris Bueller zum Beispiel, ein amerikanischer Durchschnittsschüler mit schlecht sitzender Fönfrisur, der sich eigentlich nur einen Tag Auszeit von der Schule nimmt ‒ und so für eine ganze Generation schulgeplagter Teenager zum Helden wurde. Oder Marty McFly, der bis auf jede Menge Verwarnungen von Schuldirektor Strickland eigentlich ein recht gewöhnliches Dasein fristete. Abgesehen von seinem väterlichen Freund, der eine Zeitmaschine besaß, natürlich. Mit deren Hilfe rettete er die Menschheit immerhin vor einer äußerst unerfreulichen Zukunft.

Oder Dr. Henry „Indiana“ Jones Jr., der ‒ auf der Suche nach Ruhm und Anerkennung ‒ eigentlich nur archäologischen Mythen hinterherjagte, um am Ende dann nebenbei doch die Welt zu retten. Selbst Sylvester Stallones Film Alter Ego Rocky Balboa aus den Slums von Philadelphia lässt sich in seinem Streben nach Erfolg im Ring eine positive Botschaft unterstellen. Und so leistet auch er jenen Beitrag zur Filmgeschichte der 1980er-Jahre, der ihn zum unfreiwilligen Helden, quasi in zweiter Instanz, machte. Nicht mal dem Terminator konnten wir so richtig böse sein ‒ damals, in der guten alten Zeit der nicht ganz perfekten, da noch kaum postproduzierten filmischen Meisterwerke.

Was das alles mit Frauen im Film zu tun hat? Eine ganze Menge, denn als „Sidekick“ bildeten sie eben jene Zutat, die den männlichen Protagonisten überhaupt erst in die Heldenposition katapultierte. Haben Sie sich schon mal gefragt, wie viele männliche Sidekicks in den 1980er-Jahren auf eine Actionheldin kommen? Nein? Sie müssten womöglich auch lange überlegen. Denn während in den 1970er-Jahren die zarte Pflanze der Emanzipation auch bis ins amerikanische Filmgeschäft vorgedrungen war, rückte sie in den 1980er-Jahren zunächst scheinbar wieder in den Hintergrund. Und so waren Schauspielerinnen wie Kelly McGillis oder Demi Moore im Wesentlichen dafür zuständig, dass die männlichen Protagonisten dann doch auch persönlich etwas von der Weltrettung hatten. Bond-Girls etwa. In unzähligen James-Bond-Filmen (seit 1962; fünf Teile in den 1980er-Jahren) hatte das jeweils gekürte Bond-Girl zumeist die Aufgabe, den Agenten in geheimer Mission zu verführen und anschließend seinen Feinden auszuliefern. Und der Agent fiel immer wieder darauf rein.

In der Rocky-Reihe (1976/ 1979/ 1982/ 1985/ 1990/ 2006) stand Adriane zwar symbolisch für die verletzliche Seite des Protagonisten, gab dem Boxer aber immer wieder auch die Kraft, um im Ring wieder aufzustehen. Und dass die Terminator-Filme (1984/ 1991/ 2003/ 2009) ohne den Auftrag, Sarah Connor wahlweise zu töten oder zu retten, nicht funktionieren würden, ist unstrittig. In der (ursprünglichen) Star-Wars-Trilogie (1977/ 1978/ 1983) hätte zwar sicherlich auch ein männlicher Protagonist die Rebellion anführen können. Doch waren es wohl die Geschichte um das Geschwisterpaar Luke und Leia und die Zuneigung zwischen der Prinzessin und dem Weltenbummler Han Solo, die aus „noch einem Science-Fiction-Film“ eine der erfolgreichsten Filmreihen des vergangenen Jahrhunderts machten.

Jene Zerrissenheit zwischen Sehnsucht und Profession verkörperte auch Charlotte Blackwood, Tom Cruise‘ Ausbilderin-Schrägstrich-Geliebte in Top Gun. Selbst Susanna ‒ ebenfalls Tom Cruise‘ Geliebte, aber diesmal in Rain Man ‒ wäre zwar möglicherweise für die grundsätzliche Story verzichtbar; dennoch unterstrich die Rolle die stetig wachsende Bindung zwischen dem ungleichen Bruderpaar Bannett.

Doch die Film-Frauen der 1980er-Jahre nur auf Nebenrollen zu reduzieren, würde zu kurz greifen. Denn schließlich waren Frauen nicht nur Protagonistinnen, sondern auch zahlende Zuschauerinnen. Und so kann es kaum verwundern, dass Hollywood schließlich doch verstärkt auch auf das weibliche Publikum setzte ‒ in Filmen, die eigens für sie produziert wurden. In Flashdance (1983), Dirty Dancing (1987) oder Magnolien aus Stahl (1989) etwa spielten Frauen nun die Hauptrolle. Filmcharaktere wie Alexandra Owens oder Frances „Baby“ Houseman strebten nach beruflichem Erfolg, aber träumten ebenso sehnsüchtig von der großen Liebe. Beides schloss sich nun nicht mehr aus. Als „Chick Flicks“ belächelt, waren diese Filme enorm erfolgreich an den „Box Offices“ und katapultierten Darstellerinnen wie Jennifer Grey, Jennifer Beals oder Julia Roberts (zumindest vorläufig) in Hollywoods A-Liga.

In Deutschland setzte man bereits seit den 1970er-Jahren auf „Frauenfilme“. Inspiriert von der zweiten Welle der Frauenbewegung produzierten Regisseurinnen ‒ allen voran Margarethe von Trotta und Helma Sanders-Brahms ‒ Inhalte, die auf das weibliche Publikum zugeschnitten waren; Liebe, Familie, aber auch politische Themen lockten Frauen zwar vermehrt ins Kino, zielten aber keineswegs primär auf den kommerziellen Erfolg ab. Dennoch wurden Schauspielerinnen wie Hannah Schygulla (z.B. Heller Wahn, 1983) oder Angela Winkler (z.B. Ediths Tagebuch, 1984) zu Ikonen ihrer Zeit.

Für weibliche Filmschaffende ‒ und Schauspielerinnen insbesondere ‒ waren die 1980er-Jahre somit ein entscheidendes Jahrzehnt, das sie endgültig zu mündigen Protagonistinnen der Filmindustrie machte; in Hollywood, aber auch anderswo. Ob Hauptrolle oder Sidekick, Lovestory, Highschool-Komödie oder Krimi: Frauen bestimmten Inhalte maßgeblich mit und verliehen Filmen ihre eigene Note.

Über Cornelia Klein

Dr. Cornelia Klein studierte Diplom-Pädagogik mit dem Schwerpunkt Medienpädagogik und promovierte über die mediale Vorbildkompetenz. Sie arbeitet als Lektorin und Redakteurin bei einem pädagogischen Fachverlag.

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