Das neue Genre der Langeweile

Gerade Streaming-Plattformen haben mit ihrer Veröffentlichungspraxis sowohl die Produktionsweisen von Serien als auch unsere Sehgewohnheiten stark verändert. Wenn über diese Entwicklungen gesprochen wird, so wird häufig gesagt, dass es sich bei der Veröffentlichung einer kompletten Serienstaffel am Stück nicht mehr um eine Serie handelt, sondern um einen 13-stündigen Film. Doch was bedeutet es genau, einen solchen Film zu drehen? Es bedeutet, dass die gesamte dramaturgische Struktur der Erzählung auf 13 Stunden ausgelegt ist. Es bedeutet: ca. 3 Stunden Exposition, etwa 6 Stunden Mittelteil, ungefähr 4 Stunden Finale. Es bedeutet, dass der erzählerische Bogen einzelner Folgen völlig außer Acht gelassen wird. Und es bedeutet, dass ich mich in letzter Zeit viel gelangweilt habe. Weiterlesen ...

„All in the game yo, all in the game“ – Soziologische Kriminalunterhaltung in The Wire

Bei The Wire kamen der Vergleich zwischen Serien und Gesellschaftsromanen und die Behauptung auf, Serien böten das bessere, das innovativere Erzählen. Kolumnist Joe Klein äußerte sogar die seither viel zitierte Einschätzung, The Wire habe einen Literaturnobelpreis verdient. Tatsächlich funktioniert diese Serie wie ein Gesellschaftsroman. Zum Ende der 5. Staffel The Wire auf Sky Atlantic HD widmet Sonja Hartl ihrer Lieblingsserie diesen Beitrag. Weiterlesen ...

Das schöne Scheitern

Nachdem Walter White das Zeitliche gesegnet und mit ihm Breaking Bad einen ganz besonderen Platz auf dem Serienfriedhof gefunden hat, gibt es in Better Call Saul ein Wiedersehen mit einigen Charakteren des BB-Universums, allen voran Saul Goodman. Dabei ist den Serienschöpfern Vince Gilligan und Peter Gould gelungen, was viele gehofft, aber nicht alle erwartet hatten: Better Call Saul ist nicht nur ein tolles Spin-Off, sondern überzeugt vor allem als eigenständige Serie. Worum geht es in Staffel eins? Weiterlesen ...

Ende der Spielzeit. Teil 1 – Psychologisches, Brillantes und Hochkarätiges

Den Beginn des Sommers sieht der Serienfan mit einem lachenden und einem weinenden Auge kommen. Denn in dieser Zeit wird es um die Serien immer etwas ruhiger. Im Moment geben sich noch einige Schwergewichte den Staffelstab in die Hand – Game of Thrones hat gerade seine vierte Staffel beendet, dafür geht True Blood in die mit Spannung erwartete letzte Runde. Und ein paar interessante Neueinsteiger sind ins Rennen gegangen – die Goth-Miniserie Penny Dreadful und Halt and Catch Fire, von dem noch nicht so recht klar ist, was es genau ist. Doch generell ist derzeit nicht besonders viel los, bis es dann mit etwas meteorologischer Verspätung im Herbst wieder heiß hergehen wird. Das gibt einem jedoch Gelegenheit, auf die letzte Herbst/Winter-, die eigentlich eine Herbst/Winter/Frühling-Saison ist, zurückzublicken. Und die hatte wahrlich so einiges zu bieten. Weiterlesen ...