Ein Hauch von Hollywood weht durch Berlin ‒ Meryl Streep adelt die Berlinale

Jedes Jahr im Februar, wenn der erste Schnee längst gefallen ist und sich die meisten Touristen in wärmere Gefilde zurückgezogen haben, trifft sich in Berlin das „Who is who“ der europäischen Filmszene. Meistens ist auch der ein oder andere Hollywoodstar mit von der Partie. Und manchmal weilt sogar ein echter Hochkaräter darunter. Wie in diesem Jahr, wenn die Berlinale ihr 66. Jubiläum feiert.

35 Jahre sind vergangen, seit sich Meryl Streep eine Scheidungs-Schlammschlacht erster Güte mit Dustin Hofmann in Kramer gegen Kramer (1979) lieferte; Mitte der Achtziger Jahre nahm sie uns und Robert Redford mit auf eine romantisch-epische Reise nach Afrika ‒ in Jenseits von Afrika. 1992 grüßte sie uns dann mit computerverdrehtem Kopf ‒ damals ein echtes Visual Effects-Highlight! ‒ in Der Tod steht ihr gut von den Kinoplakaten und 2012 verkörperte sie Die eiserne Lady zwar überzeugend; Magret Thatcher schaute sich den Film trotzdem nicht an.

Velvet Creative Office © Internationale Filmfestspiele Berlin
Velvet Creative Office © Internationale Filmfestspiele Berlin

Doch jetzt erst recht: Im gleichen Jahr erhielt sie den Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk mit gefühlt tausenden Blockbustern. In einem Alter, in dem viele Menschen in Rente gehen, legte die Frau aus New Jersey erst richtig los.

Anders als viele Quereinsteiger hat Mary Louise Streep ihr Handwerk von der Pieke auf gelernt. Sie studierte Schauspiel am Vassar College und machte den Master of Fine Arts an der Yale Drama School. 1977 drehte sie mit Julia ihren ersten Kinofilm ‒ an der Seite von Jane Fonda; schon damals machte sie keine halben Sachen.

Es scheint, als wäre das Prädikat „hat mit Meryl Streep gedreht“ eine Voraussetzung für den Status „Weltstar“. Und sie hatte sämtliche Superstars der 1970er- bis 1990er-Jahre als Co-Stars: Robert de Niro, Dustin Hoffman, Robert Redford ‒ wir haben nur begrenzten Platz. Und so ziemlich jeder Film wurde ein Blockbuster: davon zeugen 19 Oscar- und 21 Golden Globe-Nominierungen.

Dabei ist Meryl Streep eigentlich so etwas wie die personifizierte Antithese zum Star System: nicht mehr ganz jung, eher durchschnittlich attraktiv, mit einem erfüllten Leben außerhalb von Tinseltown. Mit vier Kindern und Ehemann Don Gummer (seit 1978!) lebt sie auf einer abgelegenen Farm in Conneticut. Das wäre in etwa so, als lebte Til Schweiger in einem Dorf im Odenwald. Ähnlich konträr wie ihr Privat- und Berufsleben sind auch Streeps Filmrollen: mal ausgefallen, mal natürlich, dann wieder schillernd. Gemeinsam ist den verkörperten Frauen jedoch ihre Stärke.

Nach drei Academy Awards ‒ die übrigens zumeist exakt eine Woche nach den Goldenen Bären verliehen werden ‒ und acht Golden Globes wechselt Meryl Streep nun die Seiten: War sie bisher immer diejenige, deren Arbeit bewertet wurde, ist die US-Amerikanerin nun selbst am Zug. Als Jury-Präsidentin 2016 hat sie maßgeblichen Einfluss auf die Vergabe der Goldenen und Silbernen Bären in Berlin.

Viel ist inhaltlich noch nicht bekannt. Es ist aber anzunehmen, dass Meryl Streep ihre Vielseitigkeit, die Empathie für Menschen und ihre Bodenständigkeit in die Bewertung einfließen lassen wird. Wir dürfen gespannt sein. Welcome to Berlin, Mrs. President!

Die 66. Internationalen Filmfestspiele Berlin finden in der Zeit vom 11. bis 21. Februar 2016 statt.

Über Cornelia Klein

Dr. Cornelia Klein studierte Diplom-Pädagogik mit dem Schwerpunkt Medienpädagogik und promovierte über die mediale Vorbildkompetenz. Sie arbeitet als Lektorin und Redakteurin bei einem pädagogischen Fachverlag.

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