Wie der Grinch Weihnachten gestohlen hat ‒ und was das mit uns zu tun hat. Teil 2

Heute nun endlich der zweite Teil der Geschichte von Cornelia Klein Wie der Grinch Weihnachten gestohlen hat und was das mit uns zu tun hat.
Wer den Auftakt verpasst hat kann sich hier den Einstieg in unserer Adventskalendergeschichte durchlesen.

Hierzulande sieht man den Kurzfilm vom Grinch allenfalls gelegentlich, zumeist tief in der Nacht, auf einem Spartensender. Die Spielfilmvariante hingegen zur Primetime.

Die kleine Cindy Lou Who (Taylor Momsen) hat richtig viel Spaß mit dem Grinch (Jim Carrey)
Die kleine Cindy Lou Who (Taylor Momsen) hat richtig viel Spaß mit dem Grinch (Jim Carrey) © RTL II

Zwar gibt es seit dem Beginn des neuen Millenniums eine sehr passable Übersetzung des Originals, doch ist Dr. Suess hier eben nur ein Kinderbuchautor unter vielen Klassikern ‒ von Astrid Lindgren und Otfried Preußler über Christiane Nöstlinger bis hin zu Peter Härtling. Und der fast schon antike Kurzfilm vom Grinch ist eben nur einer unter vielen Kinderbuchverfilmungen ‒ von Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter über Peter Pan bis hin zu Alice im Wunderland. Zugegeben: neben den Pippi Langstrumpfs, kleinen Gespenstern, mindestens genauso kleinen Hexen und Hirbels dieser Welt wirkt der Grinch nicht gerade sympathisch. Da könnte vielleicht allenfalls noch Nöstlingers Gurkenkönig mithalten. Doch egal, ob grellgrünes, schlechtgelauntes Zotteltier oder ein freundlicher, wohlwollender Protagonist: letztendlich geht es wohl um jenes Gefühl, dass auch wir in Europa aus unserer Kindheit kennen – diese Mischung aus froher Erwartung und Neugierde etwa, wenn wir uns im Fernsehen Die Peanuts bei Wir warten aufs Christkind ansahen, während die Eltern den Christbaum schmückten. Wann würde wohl endlich das Glöckchen aus dem Wohnzimmer, das man seit Tagen nur durchs Schlüsselloch hatte begutachten können, ertönen? Oder wenn Bing Crosby im Radio von White Christmas träumte, während wir die Schneeflocken vor dem Fenster zählten oder den (zumindest selbst gekauften) Christbaum mit bunten Kugeln und Lametta verzierten. Oder die leise Wehmut, wenn wir mit Aschenbrödel weinten, weil die böse Stiefmutter in Drei Haselnüsse für Aschenbrödel versuchte, ihr den (zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftigen) Prinzen streitig zu machen. Und wenn wir dann wieder weinten, weil wir feststellten, dass die böse Stiefmutter am Ende doch nicht erfolgreich war. Selbst die gefühlt 92. und völlig unpassende Wiederholung von Conan ‒ der Barbar (oder einem beliebigen anderen Action-Blockbuster aus den frühen 1980er-Jahren), während die Eltern den Heiligen Abend in der Christmette beschlossen, gehörte für viele irgendwie dazu. Die (Leerlauf-) Zeit bis zum neuen Jahr ließ sich wunderbar mit Silas, Anna, Patrik Pacard, oder welche Weihnachtsserie das ZDF gerade über den Äther schickte, überbrücken. Wir litten mit, wenn Tim Thaler sein verkauftes Lächeln wiederfinden wollte. Und wenn der englische Waisenjunge Jack Holborn vermeintlich vergebens von einem Dasein als Schiffsjunge träumte. Wir waren dabei, als das Jahr langsam zu Ende ging, während Nonni und Manni durch die erstaunlich grüne Vulkanlandschaft Islands ritten. Wir waren dabei.

Nächste Woche folgt der letzte Teil unserer dreiteiligen Weihnachtsgeschichte von Cornelia Klein – am letzten Samstag vor Weihnachten.

Und am 20. Dezember können sich jene die die Geschichte vom Grinch noch nicht kennen, selbst ein Bild machen – RTL II zeigt am Freitagabend um 20.15 Uhr die Realverfilmung mit Jim Carry in der Hauptrolle.

Über Cornelia Klein

Dr. Cornelia Klein studierte Diplom-Pädagogik mit dem Schwerpunkt Medienpädagogik und promovierte über die mediale Vorbildkompetenz. Sie arbeitet als Lektorin und Redakteurin bei einem pädagogischen Fachverlag.

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