Jung & Naiv – Initiator Tilo Jung

„Den Leuten Dinge an die Hand bringen“ und nicht den typischen Aktivsten spielen – das ist das Ziel des 29-jährigen Berliners. Mit seinem Format Jung & Naiv – Politik für Desinteressierte will Tilo Jung seinen Zuschauern politische Logiken näherbringen.

Tilo Jung im FSF-YouTube-Video © FSF

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Jeans, T-Shirt und Sneakers – Tilo Jung bevorzugt eher den entspannten Look bei seinen Interviews und Terminen im Bundestag. Der Macher von Jung & Naiv hatte ursprünglich zehn Folgen seiner politischen Interview-Sendung geplant. Daraus wurde aber nichts. Sein Format kam so gut an, dass er bis dato weitermacht.

Tatsächlich filmte er seine ersten Episoden lediglich mit einem iPhone. Es wurde zunächst nicht viel Wert auf professionelle Kameraführung, Musikunterlegung oder Filmschnitt gelegt und sieh an, damit kam dennoch der Erfolg. Obwohl das Format immer mehr Fans dazugewinnen konnte, wurde das zu Beginn einfach gehaltene Produktionsniveau mehr oder weniger beibehalten. Das Interview wird immer in voller Länge ohne Schnitte gezeigt, während des Gesprächs dürfen keine Fachwörter benutzt werden – wenn doch, müssen diese auf der Stelle möglichst einfach erklärt werden – und es wird geduzt. Tilo Jung zumindest duzt seine Interviewpartner von vornherein und rückt Ihnen dabei ziemlich auf die Pelle. Wenngleich die Interviewten zu Beginn überrumpelt wirken und vergeblich versuchen, die Höflichkeitsform mit der damit verbundenen Respektbarriere zu halten, übernehmen sie doch spätestens nach ca. 15 Minuten auch die lockere Umgangsform. All das ist Teil des Konzepts und verleiht dem Format laut Jung „den Charme der Sendung“.

Der Wahlberliner befragt Politiker, Abgeordnete oder Experten zu aktuellen politischen Themen. Das macht er allerdings auf eine recht direkte Art und Weise. Einfache Fragen und simple Antworten spielen dabei eine große Rolle. Vieles wirkt bei ihm spontan und unvorbereitet. Im Übrigen kann seine Art durchaus extrem frech rüberkommen, wenn man sich nicht richtig drauf einlässt. Persönliche Fragen und penetrantes Nachhaken stehen bei Herrn Jung auch ganz hoch im Kurs. „Habt ihr auch mal was miteinander gehabt?“, hat er beispielsweise SPD-Politiker und Ex-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück gefragt, als es um seine Zusammenarbeit als Finanzminister mit Angela Merkel ging. Da wird weder ein Blatt vor den Mund genommen noch an schamlosen Bemerkungen und Kommentaren gespart.

Trotz dieser Umgangsformen fokussiert Jung aber immer sein Ziel: Er möchte die Menschen und vor allem die jungen Leute dazu befähigen, sich eine Meinung über Politik zu bilden, sie anzutreiben, eigenständig über politische Diskurse nachzudenken und ihnen politische Logiken näherbringen. Und als nächsten Schritt die Zeitung anders zu lesen oder Nachrichten anders zu konsumieren, so stellt sich Jung das vor. Auf keinen Fall möchte er aber dazu aufrufen!

Der Journalist macht außerdem deutlich, dass nicht er sich selbst als Marke sieht, sondern seine Show zu einer Marke werden soll. Jung & Naiv – Politik für Desinteressierte ist ganz klar nicht nur eine gute Alternative zu den meist üblich steifen und trockenen Interviews und Sendungen aus Internet und Fernsehen. Man kann in der Tat einiges mitnehmen, wie auch profitieren und für eine amüsante sowie abwechslungsreiche Unterhaltung ist auch gesorgt!

Jung bezeichnet sich selbst als „Angler von Medien“. Er sieht in Blogs und dem sozialen Netzwerk Twitter viel Potenzial. Es „sei ein guter Weg, alternative Meinungen und Standpunkte festzulegen“, erklärt er in einem Interview auf der DVD-ROM Faszination Medien – Ein multimediales Lernangebot für Schule und Jugendarbeit (FaMe). Die interaktive DVD mit dualem Lernmodell beinhaltet eine Veranschaulichung der Medienwelt von heute, bei der Medienkompetenz besonders gefragt ist.
Faszination Medien ist eine gemeinsame Produktion der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) in Zusammenarbeit mit der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF (HFF) und im Shop der Bundeszentrale für politische Bildung erhältlich.

Weiterführende Informationen rund um die DVD-ROM Faszination Medien finden sich auf www.faszination-medien.de und im FSF-Blog unter dem Schlagwort FaMe. Wenn Sie sich für eine unserer Fortbildungen interessieren, gelangen Sie über diesen Direktlink zu weiteren Infos.

Über Phillipka von Kleist

Phillipka von Kleist schloss im Juni 2015 ihre Ausbildung zur Fremdsprachenassistentin in Bonn ab und wird ab Anfang Oktober das Studium Internationales Kommunikationsmanagement an einer Berliner Hochschule antreten. Ihre Zukunft sieht sie irgendwo im Kommunikations- und/oder Medienbereich – erste Erfahrungen und Qualifikationen in dieser Richtung konnte sie als Praktikantin bei der FSF sammeln.

25. September 2015 von Phillipka von Kleist
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