„Wirklichkeit und Schein: Wie wahr ist das, was das Fernsehen zeigt?“ FSF-Workshop im Rahmen des Kinderfilmfestival Goldener Spatz

Seit einigen Jahren gibt es Fernsehformate, die Reales und Fiktionales so gekonnt miteinander vermischen, dass eine Unterscheidung mitunter schwerfällt. Erzählen hier „echte“ Menschen ihre wahre Geschichte oder sind es Schauspieler, die eine Rolle einstudiert haben? Ist die Story gescripted oder ist sie wirklich passiert? Wird beim Fernsehen – selbst in dokumentarischen Formaten – mehr inszeniert, als man denkt? Was ist Schein und was Sein? Diesen Fragen gingen wir, die Medienpädagogen Leopold Grün und Jens Baumgarten, zusammen mit elf Kindern der 3. und 4. Klasse der Zwötzener Grundschule (Gera) im Rahmen eines Workshops während des Kinderfilmfestivals Goldener Spatz nach.

Anhand von Medienbeispielen arbeiteten wir zusammen mit den Kindern Merkmale heraus, um zwischen realen und fiktionalen Formaten unterscheiden zu können. Besonders interessant wurde es, als wir mit Familien im Brennpunkt eine fiktionale Sendung untersuchten, die über ihre Gestaltungmittel suggeriert, dokumentarisch zu sein.

Workshop FSF, Leopold Grün und Jens Baumgarten zum Thema: „WIRKLICHKEIT UND SCHEIN: WIE WAHR IST DAS, WAS DAS FERNSEHEN ZEIGT?“

Es zeigte sich, dass die Verunsicherung gegenüber solchen Formaten bei Kindern besonders groß ist: Mehr als die Hälfte von ihnen hatte geglaubt, die erzählten Geschichten hätten sich tatsächlich auf die gezeigte Weise zugetragen. Gleichzeitig lässt sich aber auch positiv festhalten: immerhin die Hälfte der Kinder erkannte den Inszenierungscharakter. In diesem Zusammenhang konnten wir schon einmal erfolgreich auf erste Ausschnitte unserer interaktiven DVD-ROM Faszination Medien (FaMe) zurückgreifen.

Einblick in die DVD-ROM FAME

Mit Spannung erwarteten die jungen Teilnehmer den praktischen Teil des Workshops: den eigenen Kurzfilm. Die Aufgabe: ein Portrait der eigenen Schule. Die Herausforderung: Eine Gruppe der Kinder sollte die Schule in einem besonders positiven, die andere Gruppe in einem negativen Licht darstellen. Nach einer Kameraeinführung und der Erstellung eines Drehplans ging’s los.

Workshop im Rahmen des Kinderfimfestivals "Goldener Spatz", Leopold Grün beim Erstellen des Drehplans

 

Jens Baumgarten mit Kindern der Zwötzener Grundschule in Gera bei der Kameraeinweisung

Die Kinder waren mit großem Eifer dabei und die Ergebnisse können sich sehen lassen: Gab die erste Gruppe der Schule den Anstrich eines Horts von Hochbegabten und Kindern, die am liebsten für immer hier die Schulbank drücken würden, sah sich die zweite Gruppe von quietschenden Türen, defekten Wasserhähnen und Spinnen umgeben. Beide Gruppen arbeiteten mit dokumentarischen Mitteln der Reportage, jedoch entsprach keiner der Beiträge den tatsächlichen Verhältnissen an der Schule. Obwohl gerade noch Zeit blieb, gemeinsam die Rohfassungen anzuschauen, war das eine Erkenntnis, die sie bei allem Spaß an der praktischen Dreharbeit mit nach Hause nahmen.

Das Festival Goldener Spatz
Noch bis zum 01. Juni bietet das Festivalprogramm in Gera und Erfurt Filmvorführungen, medienpädagogische Workshops, zahlreiche Fachgespräche, Fachveranstaltungen sowie einen Überblick über deutschsprachige Filme, Fernsehproduktionen und Onlineangebote für Kinder.
www.goldenerspatz.de

Über Medienpädagogen FSF

Schwerpunkt der Aktivitäten sind die Konzeption und Produktion von Materialien und die Durchführung von Projekten zur Vermittlung von Medienkompetenz, die Kindern und Jugendlichen ermöglichen, das Mediensystem und Medieninhalte kritisch zu hinterfragen sowie die modernen Medien kreativ und sozial verantwortlich zu nutzen.

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