Jannis Niewöhner: Eine Metamorphose vom Mädchenschwarm zum Schauspielstar

Wer im (West-)Deutschland der 1980er-Jahre aufgewachsen ist, kam an einigen Dingen nicht vorbei: Modern Talking etwa, oder Ed von Schleck, aber auch Ein Fall für TKKG, jene Hörspiel- bzw. Buchreihe um vier jugendliche Hobbydetektive mit Hang zu latenter Gewalt. Die Adaption fürs Kino (1992, 2006) war ‒ nach der gleichnamigen Fernsehserie ‒ keine Überraschung. Im zweiten Teil der Kinoversion leiht Jannis Niewöhner Anführer Tim Carsten (formerly known as Tarzan) sein Gesicht.

Jannis Niewöhner auf der Deutschlandpremiere des Films "Saphirblau" im Cinedom Köln am 11. August 2014. Foto von Michael Schilling. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AJannis_Niew%C3%B6hner-2014-B.jpg
Jannis Niewöhner © Michael Schilling/Wikimedia

Damals war der dunkelblonde Krefelder gerade mal 14 und hatte bereits einen beachtlichen Start in eine Schauspielkarriere hingelegt. Denn während die meisten seiner Altersgenossen längst im Bett lagen, tauchte er bereits 2002 als Zehnjähriger im Münsteraner Tatort: Fakten, Fakten  … auf. Dem jungen Jannis schien zu gefallen, sich nicht auf schulische Theateraufführungen beschränken zu müssen. „Die Drehs waren immer eine große, luxuriöse Klassenfahrt“, erinnert er sich augenzwinkernd. Beim Tatort sahen ihn immerhin schon mal 9,45 Millionen Zuschauer. Darauf lässt sich aufbauen. Bald folgten Soko Köln und sein erster Kinofilm Der Schatz der weißen Falken.

Ein Abo auf Jugendfilm-Rollen

TKKG ‒ Das Geheimnis um die rätselhafte Mind-Machine brachte ihm einige Bekanntheit, aber auch ein Abo auf Jugendfilme. Ob Die wilden Hühner und die Liebe (2007), Sommer (2008), Gangs (2009) oder Freche Mädchen 2 (2010) ‒ Jannis Niewöhner schien auf den jugendlichen Rebellen gebucht, gerne mal in der Kombination mit (Exfreundin) Emilia Schüle und einem oder gleich beiden der Ochsenknecht-Brüder Jimi Blue und Wilson Gonzalez. Hinzu kommt, dass der 24-Jährige ein bisschen so aussieht, als sei er nur ganz knapp in der Endrunde beim Casting für eine Boygroup ausgeschieden.

Dabei kann Niewöhner so viel mehr, als nur ein Teenieschwarm zu sein. In der Edelstein-Trilogie Liebe geht durch alle Zeiten (2012‒2016) verkörpert der Wahl-Berliner (WG in Lichtenberg) den jugendlichen Zeitreisenden Gideon de Villiers. Und wie schon in den ersten beiden Teilen Rubinrot und Saphirblau kämpft er auch im dritten Teil der Trilogie Smaragdgrün als Zeitreisender gegen „eine finstere Clique elitärer Männer in London“. Smaragdgrün startete vor wenigen Tagen – am 7. Juli – in den deutschen Kinos.

Während Jannis Niewöhner im Kino noch immer gelegentlich in Jugendfilmen auftritt, steht bei seiner Arbeit fürs Fernsehen offenbar der Krimi im Vordergrund: diverse SOKOs, dazwischen mal wieder ein Tatort, Der Alte oder Bella Block. Und dann immer mal wieder eine Überraschung. In Ein Jahr nach morgen (2012) etwa muss er sich mit dem Amoklauf seiner besten Freundin auseinandersetzen, die mit dem Jagdgewehr ihres Vaters zwei Menschen erschoss.
In Lars Kraumes Thriller Dengler – Am zwölften Tag gerät er als Tierschutzaktivist Jakob in die Machenschaften brutaler Ausbeuter und muss von Filmvater Ronald Zehrfeld alias Georg Dengler gerettet werden.

Vom Teenieschwarm ins ernsthafte Schauspielfach

Der Schritt vom Mädchenschwarm zum ernstzunehmenden Schauspieler ist also eindeutig geschafft. Und was kommt dann? Im letzten Jahr gewann der 24-Jährige den „European Shooting Star“-Award der Berlinale. Da wäre der Sprung nach Hollywood doch nur logisch ‒ bei ehemaligen Preisträgern wie Daniel Brühl und Daniel Craig hat das schließlich auch geklappt. „Ich fände es [auch] spannend, eine amerikanische Produktion zu machen“, grinst der Jung-Schauspieler. Und: „Ich habe viele Teenie-Filme gemacht, würde aber gerne auch mal kaputtere Charaktere spielen, die andere, sagen wir mal, reelle Probleme haben“.

Das ist ihm definitiv in dem preisgekrönten Drama Vier  Könige gelungen, der u.a. 2015 in Rom zum besten Film ernannt wurde und auch den deutschen Filmpreis, die Lola, 2016 in Bronze erhielt. Eindrucksvoll spielt er einen von vier Jugendlichen, die Heiligabend in der Psychiatrie landen und ihren Platz in der Welt erst noch finden müssen. Ebenso wie in Jonathan, das Drama feierte auf der 66. Berlinale in der Sektion Panorama seine Weltpremiere und ist ab 13. Oktober in unseren Kinos zu sehen. Hier kümmert sich Niewöhner in der Hauptrolle als Jonathan um seinen schwerkranken Vater, bis ein lange gehütetes Familiengeheimnis die Vater-Sohn-Beziehung auf die Probe stellt.

Wer nicht so lange warten möchte, kann den Shooting Star neben dem kürzlich erst angelaufenen Fantasyfilm Smaragdgrün auch in Kaurismäkis neuem Kostümdrama The Girl King als Graf Jakob de la Gardie zusammen mit Michael Nyqvist, Martina Gedeck und Peter Lohmeyer ab 14. Juli im Kino bestaunen.

Über Cornelia Klein

Dr. Cornelia Klein studierte Diplom-Pädagogik mit dem Schwerpunkt Medienpädagogik und promovierte über die mediale Vorbildkompetenz. Sie arbeitet als Lektorin und Redakteurin bei einem pädagogischen Fachverlag.

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