Bewusst leben durch Minimalismus

Datenschutz, Nachhaltigkeit, Fleischkonsum, Minimalismus, Ästhetik und Meditation – subsumieren lassen sich diese Schlagwörter unter dem Begriff Bewusstsein. Und genau zu diesem Thema waren im Wintersemester 2018/19 wieder zahlreiche Hallenser Studierende aufgerufen, im Seminar Schreiben für die Medien – geleitet von Prof. Joachim von Gottberg (Chefredakteur tv diskurs) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – ihren Gedanken freien Lauf zu lassen und diese anschließend in Textform „zu gießen“. Entstanden sind eine Vielzahl an vielseitigen Texten zum Thema. Sechs davon veröffentlichen wir nun jede Woche im FSF-Blog. In diesem Beitrag der Textreihe beschäftigt sich die Autorin Gloria Prokisch mit dem Thema Ausgeglichenheit durch Konsumreduktion:


Bewusst leben durch Minimalismus

Jeder Mensch besitzt in der heutigen Zeit durchschnittlich 10.000 Dinge. Wir konsumieren mal ein Kleidungsstück hier, mal einen hübschen Dekoartikel da. Die Dinge sollen uns Freude bereiten, doch tun sie das wirklich? Seit einigen Jahren hat sich ein Gegentrend zum Kaufrausch entwickelt: der Minimalismus.

 

Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer haben mit ihrer Minimalismus-Komödie 100 Dinge den Konsumverzicht auf lustige Art und Weise dem Zuschauer nähergebracht: ein Kinofilm, in dem Florian und Matthias wetten, dass sie 100 Tage ohne ihren Besitz auskommen, aber sich einen Gegenstand pro Tag zurückholen dürfen. Nach dem Kinobesuch war ich total inspiriert und machte mir Gedanken über das Thema. Ich fing an, mich immer mehr für den minimalistischen Lebensstil zu interessieren. Was versteht man eigentlich unter dem Trend?

„Konsumiere weniger und lebe mehr!“

Minimalismus ist das Reduzieren auf das Wesentliche. Was genau das Wesentliche ist, bleibt dabei jedem einzelnen Menschen selbst überlassen. Mit Verzicht und Entbehrung hat es nichts zu tun. Das große Ziel ist nicht unbedingt, dass man geliebte Dinge wegwirft und versucht, seine Sachen auf ein Minimum zu reduzieren. Minimalismus heißt vielmehr, überflüssige Gegenstände und unnötigen Ballast abzuwerfen. Bleiben darf, was Freude bringt und wirklich gebraucht wird. Minimalismus maximiert das Sinnvolle und Wertvolle. Wer so lebt, verschwendet keine Zeit, Geld und Energie für unwichtige Dinge. Man hat mehr Zeit zum Leben. Ganz nach dem Motto „Konsumiere weniger und lebe mehr!“ Durch die materielle Reduktion wird auch der Kopf frei. Das hilft zu entdecken, was einem wirklich etwas bedeutet und was man im Leben erreichen möchte. Wer anfängt minimalistisch zu leben, wird mit der Zeit erkennen, was nötig ist, um seine Träume zu verwirklichen.

pixabay
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Bei meinen Recherchen stieß ich auf Dave Bruno. Der US-Amerikaner war mit seinem konsumorientierten Lebensstil unzufrieden und wagte das Experiment, ein Jahr lang mit maximal einhundert Dingen zu leben. Brunos Ziel war es, freier, unbeschwerter und fröhlicher zu werden. Daher sortierte er die Dinge aus, die ihn eher belasteten und die er schon lange nicht mehr genutzt hat. Und er hat es tatsächlich geschafft, mit nur einhundert Gegenständen zu leben. Ein Experiment, das ihn verändert hat. Ausmisten, verschenken, reduzieren. Dadurch erlangte Bruno mehr Freiheit und Lebensqualität. Er ist glücklich damit geworden und brachte 2010 sein Buch The 100 Thing Challenge heraus.

„Es geht um die Ausgeglichenheit“

Viele Minimalisten beschränken ihre Besitztümer auf einhundert Dinge. Ballast abwerfen ist gut, muss aber nicht direkt so radikal sein. Minimalismus muss nicht übermäßig extrem ausgelebt werden. Wir müssen nicht auf all das verzichten, was uns vielleicht auch guttut. Und die Zahl 100 ist weit übertrieben. Es geht um die Ausgeglichenheit, einen Mittelweg. Minimalistisch Leben ist ein Prozess und dazu gehört, dass er langsam beginnt und immer weitergeführt wird. Manchmal kann der kleinste Schritt in die richtige Richtung zum größten Schritt in deinem Leben werden.

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Über Gloria Prokisch

Gloria ist 26 Jahre alt und studiert im Hauptfach Medien- und Kommunikationswissenschaften und im Nebenfach Psychologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

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