Der Mensch ist sich Feind genug

The Walking Dead

Totgesagte leben länger. Das ist so platt und sagt doch alles. Zumindest wenn es um Zombies geht. Diese sind der Treibstoff der Dramaserie The Walking Dead, die jetzt in ihre fünfte Staffel geht und voraussichtlich wieder eine neue Rekordeinschaltquote erzielen wird.

Zum Beginn der letzten Season schalteten mehr als 16 Millionen Zuschauer in den USA ein, was TWD neben den NFL-Übertragungen zum erfolgreichsten TV-Produkt des Jahres machte. Die Untoten sind damit im Mainstream angekommen, was nicht zuletzt auch der Brad-Pitt-Blockbuster World War Z im vergangenen Jahr unter Beweis stellte.

Dabei war das Genre schon einmal tot. Doch wie es sich für richtige Untote gehört, sind sie nun lebendiger denn je. The Walking Dead hat allerdings wenig gemein mit aktuelleren Zombiefilmen a la 28 Days Later, La Horde oder auch World War Z. Während die Zombies dort rasend schnell und wutgetrieben alles niederwalzen, haben die Untoten in TWD den Weg zu ihren Ursprüngen gefunden und bewegen sich ähnlich träge und langsam wie beim Meister des Genres: George A. Romero.

© 2014 AMC Network Entertainment LLC All rights reserved.
The Walking Dead, Staffel 5 © 2014 AMC Network Entertainment LLC All rights reserved.

Was tun, wenn die Zivilisation am Ende ist?

Zur Geschichte. Die beginnt mit dem Polizisten Rick Grimes, der bei einer Schießerei schwer verletzt wird und von da an nicht mehr viel mitbekommt, was um ihn herum passiert. Als er im Krankenhaus erwacht, ist er allein. Allerdings wird ihm schnell klar, dass etwas nicht stimmt. Die Menschheit wurde arg dezimiert und die eigentlich Toten schlurfen durch die Straßen. Aber die Zombies sind nicht die Hauptdarsteller, sondern bilden vielmehr das Szenario, in dem sich die menschliche Katastrophe entwickelt. Rick stößt auf eine Gruppe von weiteren Überlebenden, und schnell zeigt sich, dass mit dem Ende der Zivilisation auch Recht und Moral völlig neu bewertet werden.

So liegt der Fokus auf dem, was zwischen den Überlebenden passiert. Welche Regeln gelten in der Gruppe, wie wird mit Fremden verfahren? Wem kann man trauen, wem nicht? Dabei versucht TWD realistisch zu bleiben, was in Staffel 2 fast bis zum Exzess betrieben wurde. Entscheidungen sollten demokratisch gefällt werden, worunter offensichtlich die Spannung litt. Dankenswerterweise setzte Rick dem zum Abschluss der Staffel ein Ende: „This isn’t a democracy anymore.“

Es geht in TWD ums Überleben und um einen Neuanfang. Die Gruppe um Rick wird dabei mal größer und dann wieder kleiner, das Umfeld fordert eben seine Opfer. Dazu kam in Staffel 3 endlich ein Bösewicht. Der selbsternannte einäugige Gouverneur hielt die Gruppe eineinhalb Staffeln in Atem, bis ihm eben jener ausging. Doch er brachte Schwung in die Serie, die einen wie ihn nötig hatte. Mitte der vierten und bislang letzten Staffel wird die Gruppe um Rick getrennt, doch das Wiedersehen lässt nicht lange auf sich warten.

Neue Freunde, neue Feinde?

Auf dem Weg ins Nirgendwo stoßen die einzelnen Grüppchen auf Zeichen von Überlebenden. Sie locken sie nach Terminus, einem noch unbekannten Ort, und alle folgen den Spuren. Dabei ergeben sich neue brisante Konstellationen und schockierende Bilder. TWD geizt nicht mit Gore. Doch die Gewalt, so brutal sie auch ist, bleibt kein Selbstzweck. Es geht eben ums Überleben und das schaffen nicht alle. Wobei sich die Macher noch gnädig zeigen und die wirklichen Sympathieträger vorerst am Leben lassen. Allen voran Daryl und Michonne, die beiden wortkargen Krieger, die mit Armbrust oder Samurai-Schwert auf Zombiejagd gehen. Aber auch das Pärchen Maggie und Glenn, die in Zeiten des Untergangs für so etwas wie Hoffnung sorgen, möchte niemand zu den Zombies überlaufen sehen. Das Serienformat ermöglicht es, dass die Figuren wachsen oder scheitern. Sie müssen sich bewähren und ihre Rollen finden. Dabei hat jeder mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen.

Noch ein Wort zu den Untoten: In TWD gibt es keine Zombies, sie heißen Walker. Um einer von ihnen zu werden, muss niemand gebissen werden. Denn alle sind infiziert. Wer stirbt, wacht wieder auf. Es sei denn – und da bleiben wir beim besten Mittel gegen Zombies: Man schießt ihnen in den Kopf. Dazu wird es in Staffel 5 wieder vermehrt kommen. Doch vorerst steht die Gruppe vor einem anderen Problem. Denn Terminus ist nicht ihr neues Zuhause, wie sich anfangs vermuten lässt. Die scheinbar netten jungen Menschen dort haben andere Pläne, und so finden sich Rick und die anderen in einem dunklen Container wieder. Was wollen sie? Sind es vielleicht Kannibalen? Das bleibt offen, doch Rick droht ihnen schon einmal für Staffel 5: „They’re screwing with the wrong people!“ Das kann ja heiter werden.

Ab heute, den 13. Oktober 2014, strahlt FOX immer montags um 21.00 Uhr die 5. Staffel The Walking Dead aus.

Über Sebastian Calließ

Nach abgeschlossenem Studium der Germanistik und Politikwissenschaft, Projekte der politischen Bildung in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt. Es folgte Medienbeobachtung in Berlin, aktuell ist Sebastian Calließ im Online-Marketing-Bereich aktiv und schreibt für das Web-Radio BLN.FM. Er ist ein begeisterter Geschichtenerzähler, Film- und Serienfreund, verliebt in House und Disco und „verliert“ sein Geld in Plattenläden.

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7 Kommentare zu “Der Mensch ist sich Feind genug

  1. Hoffe die 5. Staffel läuft auch ungeschnitten im Pay TV. Wenn nicht, wäre es echt ein Witz und eine bodenlose Frechheit zugleich.Könnt ihr bitte endlich die Prüfergebnisse der ersten Folgen bekannt geben?!

    Mit freundlichen Grüßen
    Andreas

  2. Danke dass Sie tausenden Fans bereits in der ersten Folge die Vorfreude nehmen!
    Warum bitte zahlen wir denn für Pay-Tv und geben zusätzlich den Pin ein? Ich finde diese beiden Gründe sollten mich (32 jahre) selbst entscheiden lassen ob ich gewisse Szenen sehen kann oder nicht! Ich hoffe sehr dass Fox doch noch das Recht bekommt die Folge zu einem anderen Zeitpunkt uncut zu senden!
    Unverschämt und traurig…

  3. Und schon wieder muss geschnitten werden!

    Zenurland Deutschland.

    Da hat man Pay-TV und trotz Jugendschutzsperre wird man Erwachsener wie ein kleines Kind behandelt.

  4. Und der Sebastian sitzt in seinem Kämmerchen und lacht sich ins Fäustchen weil er die Folgen schon vorher ungeschnitten sehen darf. Ein großartiger Verein seit ihr!

    1. Die Blog-Kommentarfunktion soll eine sachliche Diskussion über aktuelle Themen ermöglichen. Beleidigende Kommentare werden auf Hinweis gelöscht.