Grünes Licht für den Jugendkanal

ARD und ZDF dürfen ihr Programm für Menschen zwischen 14 und 29 Jahren aber nur im Internet veranstalten

©2014_ Bajstock

© 2014 Bajstock

Nach ihrem dritten Gespräch über den Jugendkanal von ARD und ZDF haben die Ministerpräsidenten am 17. Oktober 2014 in Potsdam endlich grünes Licht für das Projekt gegeben. Selten hat sich die Runde der Länderchefs in einer medienpolitischen Frage so schwer getan; immerhin hat Peter Boudgoust schon 2011 einen öffentlich-rechtlichen Fernsehkanal für Jugendliche gefordert. Der SWR-Intendant hatte dabei selbstverständlich auch an einen TV-Sender gedacht, doch die Ministerpräsidenten haben anders entschieden: Der Jugendkanal soll ein reines Internetangebot werden. ARD und ZDF wollten den Jugendkanal jedoch als TV-Programm, im Radio und im Internet verbreiten. Immerhin ist die Frage der Kosten geklärt: Die ARD übernimmt zwei Drittel des auf 45 Millionen Euro taxierten Budgets, das ZDF ein Drittel; die sogenannten Digitalkanäle EinsPlus und ZDFkultur werden eingestellt.

Vor allem die Vertreter der unionsgeführten Bundesländer haben sich gegen eine trimediale Ausrichtung ausgesprochen. Begründet wird dies mit Schwächen des Konzepts, doch bei den traditionell wirtschaftsfreundlichen CDU-Politikern dürfte noch ein weiterer Aspekt eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben: Jedes jugendaffine TV-Angebot bedeutet automatisch Konkurrenz für die Privatsender; gleiches gilt natürlich fürs Kommerzradio. Dabei heißt es im Konzept für den Jugendkanal ausdrücklich, das Programm werde dem „ökonomischen Kalkül der Privatsender Qualität und eine Orientierung am gesellschaftlichen Informationsbedürfnis“ entgegensetzen.

Auch diese Selbstvorgabe wird zu einem Spagat führen. Der Jugendkanal soll und darf ja keine reine Spaßveranstaltung werden; dann wären die Bedenken der Unionspolitiker in der Tat angebracht gewesen. Die größere Herausforderung wird nicht darin bestehen, fähige Unterhaltungskünstler wie den beim ZDF-Ableger neo enorm erfolgreichen Jan Böhmermann (NEO MAGAZIN) zu gewinnen, sondern eine sinnvolle Balance zwischen Zeitvertreib und Information zu finden. Davon abgesehen wird gerade das ZDF kein Interesse daran haben, sich mit dem neuen Angebot selbst Konkurrenz zu machen: neo richtet sich an Menschen zwischen 14 und 49 Jahren und möchte bestimmt nicht die Hälfte seines Marktanteils an den neuen Jugendkanal verlieren. Dass die junge Konkurrenz ein Internetsender sein wird, kann kein Trost sein; Sendungen wie NEO MAGAZIN erreichen einen großen Teil der Zielgruppe nicht während der linearen TV-Ausstrahlung, sondern erst über den Abruf in der Mediathek.
Trotzdem begrüßt ZDF-Intendant Bellut die Entscheidung der Ministerpräsidenten: Das digitale Jugendangebot sei eine perfekte Ergänzung der Digitalkanäle ZDFneo und ZDFinfo. Boudgoust hingegen ist von der Entscheidung der Ministerpräsidenten enttäuscht. Für ihn war das ursprüngliche Konzept mit der Verschmelzung von Hörfunk, Online und Fernsehen „ein innovativer, multimedialer, durchdachter Ansatz“. Die Reduzierung aufs Internet, fürchtet der SWR-Chef, werde „ganz erhebliche Probleme“ mit sich bringen, etwa beim Rechteerwerb. Aus Boudgousts Sicht muss der Jugendkanal nun mit einer „Fußfessel“ leben; entsprechend schwer werde es, ihn „zum Fliegen zu bringen.“

Über Tilmann P. Gangloff

Tilmann P. Gangloff ist Journalist und Autor. Er lebt und arbeitet in Allensbach am Bodensee. Als freiberuflicher Medienfachjournalist sowie Fernseh- und Filmkritiker arbeitet er für Fachzeitschriften wie epd medien, Blickpunkt:Film, tv diskurs, das Internetportal tittelbach.tv und diverse Tageszeitungen. Schwerpunktgebiete seiner Arbeit sind Fernsehfilme, Programmentwicklung, Formatfernsehen, Jugendmedienschutz und Kinderprogramme.

27. Oktober 2014 von Tilmann P. Gangloff
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