medien impuls „Hybridfernsehen – Die mediale Synthese“ macht Handlungsbedarf deutlich

Stellt die Verschmelzung von Internet und Fernsehen auf einem Bildschirm – also dem so genannten Smart-TV-Gerät – die Regulierung bloß? Diese Frage war Ausgangspunkt der im besten Sinne spannungsgeladenen Diskussion am Ende eines erkenntnisreichen Marathons durch die Welt des Hybrid-TV.

Zwar konnte man auch vor dem Internet niemals zu 100 % sicherstellen, dass Kinder und Jugendliche Inhalte nicht zu sehen bekommen, die ihnen schaden könnten. Aber – so herrschte bislang doch Konsens – Regulierung kann die Hürde erhöhen, an bestimmte Inhalte heranzukommen. Aber gilt das noch fürs digitale Zeitalter?

Erwartungsgemäß äußerten Joachim von Gottberg (FSF – siehe auch sein Blogeintrag vom 14.11.) und Otto Vollmers (FSM) ihre Zweifel daran, was Regulierung angesichts des Internets noch bewirken kann. Das Hauptproblem: Fernsehen und Internet unterliegen verschiedenen Regulierungsregimen. Nicht nur, dass ein Großteil dessen, was für Kino, DVD und Fernsehen Jugendschutzfreigaben erhält, im Internet ohne Einschränkung verfügbar ist. Hinzu kommt: Inhalte, die direkt fürs Web produziert werden, unterliegen gar keiner Vorabkontrolle und können nur nachträglich beanstandet werden. Treffen beide Welten auf einem TV-Bildschirm zusammen, ist das (Orientierungs-)Chaos für den Zuschauer perfekt. Was also tun?

Diskutiert wurden verschiedene Vorschläge, die allesamt nicht neu sind, dafür aber umso dringlicher der Umsetzung bedürfen.

Stichwort: Filter. Von Gottberg schlug vor, das Prinzip der sehr aufwändigen, pluralistisch besetzten Regulierung und Kontrolle im Internet durch eine Selbstkennzeichnung von Angeboten zu ersetzen. Diese Kennzeichnungen könnten dann durch entsprechende Jugendschutzfilter ausgelesen werden und es wäre Aufgabe der Eltern, sich die Filter zu installieren. Vollmers räumte ein, dass solche – bereits vorhandenen – Programme technisch noch nicht voll ausgereift und bislang kaum verbreitet sind.

Wie die Debatte um die Novellierung des Jugendmedienstaatsvertrags 2010 gezeigt hat, dürften zudem auch Aufklärung, Transparenz und Dialog vonnöten sein, will man eine gesellschaftliche Mehrheit für Internetfilter erzielen. Wieweit das gelingen kann, wird sich 2013 zeigen, wenn die Novelle erneut angegangen wird. Vorstellbar ist aber sicher, dass die Selbstkontrollen aufgrund ihrer Erfahrung und Expertise in einem möglichen Prozess der Selbstklassifizierung eine zentrale Rolle einnehmen und Orientierung geben könnten. Der Wunsch und die Offenheit dafür sind auf jeden Fall vorhanden, so mein Eindruck.

Zweites Stichwort: Rechtsangleichung. Schon auf einer früheren medien impuls-Tagung („Regulierung mit begrenzter Wirkung“, 15.02.11) hatte Rechtsanwalt Marc Liesching die „Entrückung unseres Rechtssystems von der Realität“ kritisiert – mit Blick auf die ungleiche Behandlung von Inhalten durch den Gesetzgeber, je nach Verbreitungsweg. An dieser Einschätzung hat sich nichts geändert, sagte Liesching nun, und mehr noch: Die aktuelle Rechtssituation könne durchaus verfassungsrechtlich bedenklich sein. Nicht nur die Vertreter der Selbstkontrollen, auch Claus Grewenig (VPRT) forderte eine zügige Harmonisierung des Rechts, die für die privaten Fernsehsender auch mit Blick auf Werberegulierung von Bedeutung wäre. Dass es zu einer baldigen Angleichung kommt, darauf machte die Paneldiskussion allerdings wenig Hoffnung. Zu komplex und kompliziert scheint die (Rechts-)Lage zu sein.

Weitere Bilder zur Veranstaltung finden Sie auf der Facebookseite der FSF und morgen eine Bildstrecke im Blog.

Auf der FSF- Website finden Sie die Pressemitteilung zur Veranstaltung.

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Über Vera Linß

Vera Linß ist Medienjournalistin beim Deutschlandradio Kultur und beim ARD-Hörfunk. Nach einem Volontariat beim DDR-Fernsehen studierte sie Journalistik an der Universität Leipzig. Ab 1991 war sie Hörfunk- und Fernsehjournalistin u.a. für DT64, ORB-Fernsehen, Radio Brandenburg, MDR-Kultur und verfasste Beiträge für Fachzeitschriften mit dem Schwerpunkt Medien. Seit 2007 moderiert sie die Sendung "Breitband - Medien und digitale Kultur" im Deutschlandradio Kultur und seit 2010 außerdem den Online Talk auf DRadio Wissen.

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