„Wir wollten das Programm so abwechslungsreich wie möglich gestalten.“

Seit nun 50 Jahren zeigen Studierende ihre Filme bei Sehsüchte. Ein Festival, das von Studierenden für junge Filmemacher:innen organisiert wird. In diesem Jahr – in der Jubiläumsausgabe – sind Luisa Müller und Julia Schellenberg zuständig für das Spezialprogramm der Kinder- und Jugendfilme. Im Gespräch erzählen die beiden, was ihnen in der Auswahl wichtig war, wie die Filme beim Publikum ankamen und natürlich, welche Filme die begehrte Sehsüchte-Flamme erhalten haben.

 

Ihr beide seid zuständig für die Auswahl des Kinder- und Jugendprogramms bei Sehsüchte. Was hat euch an dem Job gereizt?

Julia: Ich interessiere mich schon immer für Kinder- und Jugendmedien, deshalb war es besonders spannend, in Eigenregie ein solches Programm auf die Beine zu stellen. Ich konnte mich in die eigene Kindheit hineinversetzen und mich daran erinnern, was ich selbst früher und auch heute noch gerne in Filmen gesehen habe.

Luisa: Außerdem sind gerade in Kinder- und Jugendfilmen viele Themenbereiche besonders kreativ, innovativ und interessant aufbereitet, was dazu führt, dass die eigenen Sehgewohnheiten auf positive Weise gebrochen werden.

 

Wie viele Filme wurden für die Future-Sektion eingereicht?

Julia: Für unsere Sektion haben wir circa 80 Filme gesichtet. Es wurden am Ende 25 Filme aus elf verschiedenen Ländern ausgewählt und zu vier Blöcken programmiert, zwei Kinder- und zwei Jugendfilmblöcke.

 

Was waren die Auswahlkriterien?

Luisa: Wir wollten ein diverses und internationales Programm kuratieren, das sowohl Unterhaltung bietet, als auch relevante Themen wie Gender, Migration, Umwelt, Familie, Coming-of-Age und vieles mehr kinder- und jugendgerecht darstellt. Natürlich war auch Qualität gefragt, sowohl was die Ästhetik als auch eine interessante Geschichte angeht. Und da kann man durchaus betonen, dass die Werke von und mit Studierenden bzw. Debütfilme im Vergleich zu Filmschaffenden, die schon länger aktiv sind, in nichts nachstehen.

 

Gab es einen Themenschwerpunkt?

Julia: Nein, wir wollten das Programm so abwechslungsreich wie möglich gestalten und es war uns wichtig, dass die Filme, die wir aus Kinder- und Jugendperspektive als besonders gut empfunden haben, in unseren Blöcken laufen. Folglich sind wir nicht nach einem bestimmten Thema gegangen, sondern danach, welche Filme am besten geeignet sind.

 

Was sind eure persönlichen Highlights im Programm?

Luisa: In den Jugendblöcken empfinde ich Filme wie den Animationsfilm Migrants oder den Dokumentarfilm Seepferdchen als besonders wertvoll, da sie Themen wie Flucht und Trauma sehr gut und jugendgerecht aufgreifen.

 

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Seepferdchen Trailer from Nele Dehnenkamp on Vimeo.

Julia: Im Kinderprogramm ist der Dokumentarfilm Karla & Nordahl wirklich schön gemacht. Er handelt von der einzigartigen Beziehung von zwei Geschwistern. Da ihre eigene Mama den Film gedreht und fertiggestellt hat, entsteht eine ganz besondere Dynamik und Emotionalität. Auch der Animationsfilm OF hat mich mit seiner Ästhetik und schönen Botschaft überzeugt und ist zusätzlich durch die wunderbare Musik wirklich sehenswert.

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Karla & Nordahl (IDFA-TRAILER) from NITTEBERG FILM OG TV on Vimeo.

 

Wie war die Stimmung vor Ort in den Kinos? Gab es einen Publikumsliebling?

Luisa: Die Stimmung in den Kinos war sehr gut – es gab sowohl Lachen als auch Weinen und viele freudige „Ohhhhs“, wenn zum Beispiel die Katze aus dem Film Bunga auf der Leinwand zu sehen war oder der nerdige Sergio aus El Mejor P&*! Día De Mi Vida versucht, seine Traumfrau zu beeindrucken.

Julia: Wir bekamen zum Beispiel auch das Feedback, dass der Film An Anna die heutige Jugend sehr gut repräsentieren würde und besonders authentisch sei. Insgesamt gab es nicht den einen Lieblingsfilm von allen Zuschauer:innen, jede:r hatte seine persönlichen Favoriten.

 

Welche Filme haben gewonnen? Wieso haben sich die Jurys für die beiden Filme entschieden?

Julia: Die Kinderjury hat sich für den Kurzspielfilm Affenmädchen von Isabelle Caps-Kuhn entschieden. Besonders die Kinder- und Jugenddarsteller:innen, das kindgerechte Aufgreifen der Sexismus-Thematik und die altersübergreifende Unterhaltung haben sie überzeugt.

YouTube: Die Sehsüchte-Kinderjury 2021 stellt sich vor

YouTube: Die Sehsüchte-Jugendjury 2021 stellt sich vor


Luisa:
Die Jugendjury war vom Kurzspielfilm Bandsalat von Tanja Hurrle besonders begeistert, vor allem aufgrund der guten und jugendgerechten Umsetzung von Themen wie Depressionen und mentaler Gesundheit, der interessanten Geschichte und der schauspielerischen Leistungen. Aber auch hier gab es nicht nur einen Favoriten und einige Filme haben zusätzlich eine lobende Erwähnung von den Kindern und Jugendlichen erhalten.

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Bandsalat_Ausschnitte from Agentur on Vimeo.

 

Waren Filmschaffende vor Ort?

Julia: Ja und abgerundet wurden die Vorführungen dadurch, dass wir besonders spannende Q&As mit den anwesenden Filmemacher:innen bzw. Teams vor Ort hatten. Es ist immer sehr schön, wenn man direkt nach einem Film mit den Personen sprechen kann, die ihn realisiert haben.

 

Was ist euer persönlicher Eindruck der diesjährigen Sehsüchte-Ausgabe?       

Luisa: Dieses Jahr war Sehsüchte etwas ganz Besonderes – nicht nur, weil wir das 50. Jubiläum gefeiert haben. Durch die Coronapandemie war es sehr lange nicht möglich, ins Kino zu gehen und Menschen zu treffen. Mit unserem Festival haben wir vielen kreativen Menschen wieder einen Raum dafür gegeben, Filme zu sehen, sich zu vernetzen und eine gute Zeit zu haben.

Julia: Dem kann ich nur zustimmen!

 

Vielen Dank für das Interview!

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Fotos: Sehsüchte 2021 © Frederik Lorenz

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Viele weitere Informationen zum Internationalen Studierendenfilmfestival im fsf blog: #sehsüchte
– und hier auf der Website von sehsuechte.de.

Die FSF ist Unterstützerin des Internationalen Studierendenfilmfestivals Sehsüchte.

Über Eva Lütticke

Eva studiert Medienwissenschaften an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. Nebenbei arbeitet sie als freie Redakteurin und unterstützt das FSF-Team als Werkstudentin.

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