Klexikon.de

Wenn Wissen mitmachen lässt.

Wie vielen Menschen hat die freie Onlineenzyklopädie Wikipedia schon das Leben erleichtert? Kein lästiges Nachschlagen im Papierwerk mehr, mit einem einfachen Klick gelangt man zum nächsten Themengebiet und jede Verknüpfung macht deutlich, wie viel tiefer man in die Materie eindringen könnte. Nur einen Nachteil hat das Ganze: Es ist von Erwachsenen für Erwachsene geschrieben. Doch schon längst ist das Internet auch für Kinder kein Neuland mehr. Viele von ihnen nutzen das Web nicht nur als Freizeitbeschäftigung, sondern gezielt ebenso für die Schule. Für all jene dürfte das neue Angebot Klexikon.de von großem Interesse sein.

Eulenlogo Klexikon.de © Ziko van Dijk, Vorlage:OwnKlexikon.de, das freie Kinderlexikon, will sich als „Wikipedia für Kinder“ zwischen 6 und 12 Jahren etablieren. Es führt mittlerweile bereits über 1.000 Begriffe und stetig kommen neue hinzu. Gegründet wurde das Wissensportal von Ziko van Dijk und Michael Schulte im Auftrag von Wikimedia Deutschland bereits im Winter 2014. Es ist u. a. eines der Wikis der ZUM (Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet) und Mitglied der ZUM-Wiki-Family. Klexikon will einen einfachen Zugang zu Wissen schaffen. Deshalb ist es den Machern nach eigener Aussage besonders wichtig, dass die Beiträge leicht verständlich geschrieben sind. Kindgerecht sollten sie sein und damit die entsprechende Zielgruppe adressieren sowie kontroverse Themen angemessen darstellen, gerade in Bezug auf Politik, Gewalt und Sexualität. Das Projekt „Klexikon.de“ lebt genauso wie das große Vorbild Wikipedia von seiner Community. Hier können z. B. Lehrer, Eltern oder Erzieher, die Mitglieder dieser Gemeinschaft sind, gemeinsam Texte entwickeln, deren Vorsatz es ist, leicht und angemessen verständlich für Kinder zu sein. Da Rezipienten Kinder sein sollen, geht es auch darum, diese in die Entstehung der Beiträge so direkt wie möglich einzubinden. Deshalb haben sich die Entwickler mit ebenjenen beratschlagt, wie ein solches KinderWikipedia sein könnte. Durch Beispieltexte wurde im Austausch ermittelt, wie Verständlichkeit tatsächlich aussieht und welche Empfehlungen späteren Artikelschreiberinnen und -schreibern mitgegeben werden können. Das Ziel von Klexikon.de ist es nicht nur, Themen abzuhandeln, die Kinder selbst interessieren, sondern auch einen Grundstock an Wissen abzudecken, der die Schulthemen ebenso umfasst wie Thematiken, die für Kinder heutzutage von Belang sind. Orientiert haben sie sich hierfür an jenen allgemeinbildenden Themengebieten, die auch die klassischen Kinder-Lexika abdecken.

Woher kommen die Beiträge?

Das Klexikon umfasst nun also zwölf Wissenskategorien wie beispielsweise „Bekannte Leute“, „Glaube und Denken“ oder „Wissen und Technik“, welche die Oberthemen bilden und sich dann (wie bei anderen Onlineenzyklopädien) in einzelne Unterkategorien aufspalten. Die Schwierigkeit hierbei besteht vor allem darin, zu filtern, was auch zukünftig von Bedeutung sein wird und was schlicht von zeitlich begrenzter Relevanz ist. Dabei geht es weniger darum, Themen aufzuschlüsseln, die der Popkultur entsprechen, als einen allgemeingültigen gängigen Bestand an Artikeln zu sammeln. Klexikon.de versteht sich als Gemeinschaft, die in ehrenamtlicher Form eine Plattform für Wissensaustausch schaffen will. Die Entscheidung geht dahin, dass es ein Inhaltswiki sein soll, in dem die Qualität im Vordergrund steht. Was die Größe angeht, will und wird man nicht mit Wikipedia.org konkurrieren.
Mitmachen darf erst einmal jeder. Die Gemeinschaft funktioniert durch das freundliche Miteinander und einen regen Austausch der einzelnen Nutzer. Über das eigene Benutzerkonto stellen die Verfasser ihre Beiträge online und können Artikel bearbeiten, kategorisieren, Bilder einbinden oder sich über die Benutzer-Diskussionsseite untereinander austauschen. Hier besteht dann auch die Möglichkeit für Kinder ab etwa 10 Jahren, als sogenannte Jungautoren mithilfe eines Erwachsenen selbst zu veröffentlichen.

Wie entsteht ein Beitrag?

Bevor ein Thema dann allerdings tatsächlich veröffentlicht wird, muss es verschiedene Etappen durchlaufen. Erste Station ist hierbei die Artikelwerkstatt, in der ein Beitrag als Entwurf besteht und auch durch andere Mitmacher optimiert wird. Erst wenn sich drei Mitmacher auf der jeweiligen Diskussionsseite für den Artikel aussprechen, wird der Entwurf in das eigentliche Lexikon (den sogenannten Artikelnamensraum) verschoben. Zwar ist vorher jeder Entwurf einsehbar, gehört aber noch nicht zum eigentlichen Lexikon, sondern ist noch Teil des Entwurfnamensraumes. Schaubilder sollen neben der schriftlichen Anleitung den Mitmachern beim Erstellen helfen, die jeweiligen Arbeitsschritte zu durchschauen. Und unter der Kategorie „Hilfe“ ist alles noch einmal zusammengefasst, von den Grundregeln, über Aufbau und Inhalt, den sprachlichen Ausdruck, die Länge eines Beitrags bis hin zur Verwendung von Fachausdrücken und ihrer Erklärung. Wenn ein Beitrag es nun tatsächlich bis zur Veröffentlichung geschafft hat, dann lassen sich so wunderbare Erklärungen wie etwa diese zum Thema „Zeit“ finden: „Zeit kann man nicht sehen, aber man merkt, wie sie vergeht. Wenn wir einen Apfel vom Baum fallen sehen, vergeht Zeit. Wenn wir auf etwas warten, vergeht Zeit. Wenn wir ein altes Foto von uns betrachten, sehen wir, dass wir größer und älter geworden sind. Auch das macht die Zeit. Manchmal kommt es einem so vor, als ob die Zeit unterschiedlich schnell vergeht: Wenn man auf etwas warten muss, vergeht sie scheinbar langsamer, als wenn man gerade etwas Schönes erlebt.“

Dieser Beitrag ist in der aktuellen tv diskurs 2/2016  Motivation Hoffnung. Die Bedeutung der Medien für unser Weltbild erschienen und steht auf unserer Website als Download zur Verfügung.

Über Tabea Dunemann

Tabea Dunemann studiert an der Universität Leipzig Theaterwissenschaft und Ethnologie im Doppelstudium. Sie interessiert sich leidenschaftlich für das Schöne und ihr Weg hat sie bisher durch die bunte Welt von Radio, Museen und Theater geführt. Unter anderem absolvierte sie außerdem ein Praktikum bei der FSF.

08. Juli 2016 von Tabea Dunemann
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