Bundeswe(h)rbung: Krieg als Entertainment für Jugendliche?

Die Bundeswehr hat seit dem Ende der Wehrpflicht Nachwuchssorgen. Doch wo ist die Jugend, wenn schon nicht freiwillig am Dienst an der Waffe? Richtig, im Internet. Vornehmlich auf der beliebten Videoplattform YouTube. Was läge also näher, als die Werbung der Bundeswehr dorthin zu verlagern?

Die Bundeswehr exklusiv im Netz

Im Bundeswehr-Exclusive-YouTube-Kanal finden sich mittlerweile zwei Formate: Die Rekruten begleitete bereits 2016 zwölf junge Soldatinnen und Soldaten in über 60 jeweils fünf- bis zehnminütigen Episoden bei ihrer Grundausbildung am Marinestandort Parow.

Mit durchschnittlich mehreren 100.000 Abrufen pro Video entpuppte sich das Format als Überraschungserfolg. Die Rekruten sollten auch den Sprung ins Fernsehen schaffen, RTL II hatte zunächst Interesse bekundet. Nachdem kein geeigneter Sendeplatz gefunden werden konnte, steht die Ausstrahlung weiterhin aus (vgl. Dirscherl 2017). Das Nachfolgeformat Mali zeigt in über 40 Episoden den Alltag acht deutscher Berufssoldatinnen und -soldaten vor, während und nach ihrem Auslandseinsatz. Die Serie konnte an den Erfolg des Vorgängers zwar nicht anknüpfen, kann jedoch auch rege Videozugriffe vorweisen.

Beide Formate kennzeichnet der Realityshow-Stil. Keine Hochglanzaufnahmen, sondern wackelige Bilder von Handkameras, unterlegt mit dramatischer Musik. Videos in der vermeintlich klassischen YouTube-Ästhetik, wenn auch mit Produktionskosten von jeweils knapp zwei Mio. Euro. Mit der passenden Social-Media-Strategie auf allen weiteren gängigen jugendaffinen Plattformen – sei es Instagram, Snapchat oder ein Chatbot bei Facebook Messenger. Mali bietet beispielsweise die Möglichkeit, den Einsatz – wenn aus Sicherheitsgründen zwar nicht live – immerhin aber in Echtzeit zu verfolgen. Die Werbekampagnen für beide Formate kosteten die Bundeswehr insgesamt 10,7 Mio. Euro (vgl. Wiegold 2017).

Die Zielgruppe? Schulabgängerinnen und -abgänger sollen so auf ihre Karrierechancen bei der Bundeswehr aufmerksam gemacht werden. Doch Klicks allein sorgen nicht zwangsläufig für neue Soldatinnen und Soldaten. Die gestiegenen Bewerbungszahlen und Aufrufe des Karriereportals führt die Bundeswehr jedoch auf den Erfolg der YouTube-Formate zurück. Die Zahl junger Soldatinnen und Soldaten – darunter auch zahlreiche Minderjährige – steigt. Da man aber mit der Wirtschaft um Schulabgängerinnen und -abgänger konkurriere, müsse man auch Minderjährige rekrutieren können (vgl. Peters/Endt 2018).

Krieg bleibt Krieg – Werbekampagne bleibt Werbekampagne 

Lesen Sie diesen Teil des Beitrages auf tvdikurs.de weiter. Hier finden Sie den, in der Printausgabe tv diskurs: 22. Jg., 1/2018 (Ausgabe 83) erschienen, Artikel in voller Länge und als PDF zum Download.

Über Laura Keller

Laura Keller studierte Kultur- und Bildungswissenschaften an der Leuphana Universität Lüneburg, bevor sie ihren Master in Kinder- und Jugendmedien an der Universität Erfurt begann. Sie gibt medienpädagogische Workshops in Schulen und hofft, Kinder und Jugendliche für den kritischen und kreativen Umgang mit Medien zu begeistern. Während ihres Praktikums gewann sie Einblicke in die Arbeit der FSF.

12. Februar 2018 von Laura Keller
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