medien impuls: Bildung durch Unterhaltungsmedien – Alltagsrelevante Orientierungshilfe in einer beschleunigten Welt

Was bedeutet Bildung im digitalen Zeitalter? Geht es immer noch darum, auf der Basis eines Bildungskanons Wissen zu vermitteln – auch auf die Gefahr hin, dass es morgen schon überholt sein kann? Oder ist es vielmehr wichtig, junge Menschen zu befähigen, sich eigenständig Wissen anzueignen und dabei vielleicht sogar selbständig zu entscheiden, was für ihre eigene Lebenssituation von Bedeutung ist? Und inwiefern können Unterhaltungsmedien hierbei Unterstützung bieten? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der aktuellen medien impuls-Tagung.

Gleich zu Beginn „provozierte“ FSF-Geschäftsführer Professor Joachim von Gottberg mit seiner These, der klassische Bildungskanon habe ausgedient. In den Medien zumindest verschwänden klassische Bildungsangebote in Spartenprogrammen. Angesichts der Flut an Unterhaltung gehe es darum, selbst zu bestimmen, was man wissen muss. „Ideologien und Ideen werden ersetzt durch Pragmatismus“, so von Gottberg in seinem unterhaltsamen, mit vielen Praxisbeispielen gespickten Vortrag.

Nach dieser Einleitung wurde es theoretischer. Wie stark sich Bildung auf die Identität eines Menschen auswirkt, beleuchtete Dr. Nils Köbel von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Er unterstrich, dass Wissen nur dann nutzbar ist, wenn es sich mit der eigenen Persönlichkeitsstruktur verbinden lässt. Das heißt, Wissensvermittlung muss an die Voraussetzungen und Bedürfnisse anknüpfen, die eine Person mitbringt.

Dass dies naturgemäß von Mensch zu Mensch verschieden ist, belegte Dr. Nadia Kutscher, Professorin für Soziale Arbeit an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen. Sie zeigte in ihrem Vortrag, wie unterschiedlich junge Menschen die Medien für sich nutzen. Abhängig von einem „ressourcenreichen“ oder „ressourcenarmen“ Bildungshintergrund werden Medien entweder zur Weiterbildung und zur Produktion (Wikipedia) genutzt oder einfach nur zum (offenbar belanglosem) Zeitvertreib, zum Beispiel indem man Fotos hoch lädt oder an seiner Selbstdarstellung im sozialen Netzwerk feilt. Medienbildung bedeutet für Kutscher deshalb Befähigung zur Teilhabe.

Spannend war, was Dr. Benjamin Jörissen, Akademischer Rat am Institut für Pädagogik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, in seinem Vortrag den Anwesenden mit auf den Weg gab:

Den Wert und die Wirkung sozialer Medien wie zum Beispiel Twitter kann man nur verstehen, wenn man sie selbst nutzt – ein Appell, sich als Medienpädagoge Kompetenz durch aktive Mitwirkung zu erwerben.

Dass diese Lust zum Mitmachen bei Älteren oft fehlt, mag erklären, wie schwer es Medienpädagogik in der Praxis oft hat, Neues zu vermitteln. In der Abschlussdiskussion wurde jedenfalls deutlich, dass es eine Kluft gibt zwischen den fortgeschrittenen Erkenntnissen in der (Bildungs-)Forschung und der praktischen Anwendung dieses Wissens. An ambitionierten Projekten mangelt es nicht, einige davon wurden in der Diskussion vorgestellt (u.a. Schulversuch – Auf dem Weg zur Medienschule (LAG Medien MV), Webhelm(JFF), das aktuelle Projekt der FSF FAME *). Allerdings, so die Kritik, käme man über den Projektcharakter nicht hinaus. Was fehlt, ist eine permanente Integration in den schulischen Unterricht. Davon scheint man allerdings noch weit entfernt zu sein. „Schule ist mediaphob.“ Mit diesem traurigen Fazit brachte Dr. Klaus Blaudzun, Leiter der Landesarbeitsgemeinschaft Medien Mecklenburg-Vorpommern, seine Erfahrungen auf den Punkt.

* Interaktive DVD-ROM Faszination Medien. Die Bildungs-DVD entsteht zurzeit in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und in Beratung durch die Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf (HFF). 2014 wird sie vorausichtlich fertig gestellt sein.

Zur Pressemitteilung anläßlich der medien impuls-Tagung am 12.06.2013 geht es hier.

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Über Wiebke Schindler

Wiebke Schindler machte 2011 ihren Bachelor in Germanistik und Wirtschaftswissenschaften an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Nach einem einjährigen Auslandsaufenthalt in Australien beginnt sie ab Oktober 2013 ihr Masterstudium in Literaturwissenschaft.

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