Eiskalter Mord oder Alienalarm?

Ab dem 3. März wird’s frostig auf Sky Atlantic HD. Die hochkarätig besetzte Mystery-Crime-Serie Fortitude entführt uns ins arktische Eis und zu seinen Naturgewalten.

Die angenehme Kühle skandinavischer Serien reicht bis nach Fortitude, dem arktischen Idyll einer internationalen Gemeinde. Die gleichnamige britische Serie kreist um die Mystik dieses Ortes, die Geheimnisse seiner Bewohner und nicht zuletzt um Mord.

Eine düstere Grundstimmung und geheimnisvolle Atmosphäre begleitet die Serie von Anfang an. Sie wird bestärkt, als spielende Kinder auf ein Mammutskelett stoßen, von dem eine Bedrohung auszugehen scheint. Doch anstatt mit dem Fund an die Öffentlichkeit zu gehen, wird das Skelett im Schuppen versteckt. Drei Monate zuvor erschoss der prämierte Tierfotograf Henry Tyson (Michael Gambon) versehentlich einen Menschen bei dem Versuch, diesen vor einem angreifenden Eisbären zu schützen. Der Dorfsheriff Dan Anderssen (Richard Dormer) tauchte urplötzlich am Unfallort auf und wieder wurde der Vorfall vertuscht. In Fortitude wird vieles nicht an die große Glocke gehängt.

Es habe in diesem eisigen Dorf noch nie ein Verbrechen gegeben, denn jeder habe eine Arbeit, fühle sich nützlich und sei zufrieden, so sagen es die Bewohner. Müsste diese verbrechensfreie Gemeinschaft durch Harmonie geprägt sein, so wird dieses Bild doch seit Beginn an gestört durch die Pflicht jedes Bürgers, aus Schutz vor Eisbären stets eine Waffe bei sich zu tragen. Auch die ständig präsente Kälte und die vielen stillen Momente, in denen man als Zuschauer einen Charakter verfolgt, aber nicht an ihn herankommt, lassen einen spüren, dass da mehr ist als eine mysteriöse Gefahr von außen. Jeder scheint ein Geheimnis in sich zu tragen, das den wahren Grund widerspiegelt, ins abgelegene Fortitude gekommen zu sein. Jeder scheint vor irgendetwas/irgendwem zu fliehen oder eine Flucht bereits hinter sich zu haben. Und jeder scheint nur teilweise das zu sein, was er vorgibt.

Die verwirrenden Ereignisse häufen sich: Liam, eines der Kinder, beginnt an einer unbekannten Krankheit zu leiden. Zudem wird eine grausam zugerichtete Leiche aufgefunden. Sollte nach Gouverneurin Odegard (Sofie Gråbøl) ein riesiges Eishotel Fortitudes Tourismusqualitäten steigern, so könnte dieses Vorhaben durch den Mammutfund, den Mord und die rätselhaften Geschehnisse ins Wanken geraten. Schließlich wird Detective Chief Inspector Morten (Stanley Tucci) eingeflogen, um zumindest in der Mordgeschichte Licht ins Dunkel zu bringen.

Als Zuschauer gilt es, sich auf ein anfänglich langsames Erzähltempo und späte Auflösungen einzustellen. Belohnt wird man jedoch mit dem, was Sky 30 Millionen Euro wert war (TV Spielfilm 5/2015): Aus dem Nichts kommende Wendungen, komplexe Beziehungsgeflechte, eine dichte Atmosphäre, große Schauspieler und gewaltige Landschaftsbilder, die der zwölfteiligen Serie diese wertvolle Ausstrahlungskraft geben. Da kann man aus Promozwecken schon mal einen Eisbären durch die Londoner U-Bahn schicken. Simon Donald (Low Winter Sun) ist der Autor des Werks. Atmosphärisch sowie thematisch ist das Ergebnis wohl seiner Nähe zu David-Lynch-Schöpfungen wie Twin Peaks geschuldet. Seit dem 29. Januar ist die Serie im Originalton auf Sky Go, Sky Anytime und Sky Online zu sehen. Die deutsche Synchronisation wird ab dem 3. März jeden Dienstag um 21 Uhr auf Sky Atlantic HD ausgestrahlt.

Die FSF prüfte einige Folgen der ersten Staffel und gab Fortitude überwiegend für das Hauptabendprogramm ab 12 Jahren frei. Grund dafür ist der weitestgehende Verzicht auf exzessive Gewaltdarstellungen. Ist der Körper als verwundbares Objekt und Mord zwar ein großes Thema, so zeigt sich die Inszenierung jedoch verhältnismäßig zurückhaltend. Auch der düstere Grundtenor und undurchsichtige Handlungen und Wandlungen der Charaktere sind im Genrekontext der Mysteryserie ausreichend zu verstehen. Außerdem lässt sich feststellen, dass die Serie wenig kindaffine Bezüge aufweist.
Ausnahme bildet die neune Episode, hier werden die Gewaltspitzen horrorartig inszeniert und führen in Verbindung mit einer suggestiven ängstigenden Gesamtinszenierung zur Freigabe ab 16 Jahren (Spätabendprogramm).

Zur ausführlichen ProgrammInfo auf der FSF-Website geht es hier.

Der Sender Sky Atlantic HD darf die Sendung auch schon vor 20.00 bzw. 22.00 Uhr ausstrahlen, weil er als Pay-TV-Anbieter eine Jugendschutzsperre aktivieren kann, die von den Zuschauern mit der Eingabe einer Jugendschutz-PIN freigeschaltet werden muss. Somit gelten die üblichen Sendezeitbeschränkungen und Schnittauflagen nicht. Weitere Informationen zu Vorschriften und Anforderungen an digitale Vorsperren als Alternative zur Vergabe von Sendezeitbeschränkungen sind im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (§ 5 Abs. 3 Nr. 1; § 9 Abs. 2 JMStV) sowie in der Jugendschutzsatzung der Landesmedienanstalten (§ 2 bis § 5 JSS) zu finden.“

Bitte beachten Sie: Bei den Altersfreigaben handelt es sich nicht um pädagogische Empfehlungen, sondern um die Angabe der Altersstufe, für die ein Programm nach Einschätzung der Prüferinnen und Prüfer keine entwicklungsbeeinträchtigenden Wirkungsrisiken mehr bedeutet.

Mehr Informationen zur Programmprüfung erhalten Sie auf unserer Website. Dort veröffentlichen wir jede Woche neue ProgrammInfos zum aktuellen Fernsehprogramm. Auch diese Auswahl stellt keine Empfehlung dar, sondern zeigt einen Querschnitt der Programme, die den Prüfausschüssen der FSF von den Mitgliedssendern vorgelegt werden.

Über Henrike Rau

Henrike Rau studierte Architektur an der Universität Kassel. Danach begann sie ein Studium der Digitalen Medienkultur an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF und arbeitet aktuell an ihrem Master in Medienwissenschaften. Neben Uniprojekten wie Sehsüchte, der Kinderfilmuni oder Kooperationen mit dem Filmmuseum Potsdam haben Praktika beim UFALab und bei der FSF ihre Ausbildung mit Praxis belebt.

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