Familienduell im öffentlichen Raum

Sitte – so ein Begriff mit mehr als nur einer Bedeutung. Es umfasst unsere ethisch moralische Norm, das Benehmen, gesellschaftliche Grundgesetze und Traditionen. Und dann ist da auch noch die Verwendung im Jargon, wenn es zum Beispiel um die Familie geht. Familie – noch so ein Ausdruck, der viele Verwendungen und Interpretationen zulässt. Irgendwo hier in diesen Definitionen schlägt es dann die Brücke zum Wort ‚Polizei’. In der Umgangssprache wird dieser Teil der Staatsmacht auch Sitte genannt, eine eigene kleine Familie innerhalb des Staatsapparates, die nach ihren eigenen Regeln spielt. Und hier in dieser eingeschworenen Gemeinschaft befindet sich die Division der Sittenpolizei.

In den 1960er-Jahren ist die Public Morals Division eine Abteilung, die gewissen äußeren Anreizen zur Unsittlichkeit entgegenwirken soll. Darunter fallen unter anderem Prostitution und die Maßregelung gegen Trunk- und Spielsucht. Die Beamten dieses Regiments lernen das sprichwörtliche Jonglieren auf einem Bein, wenn es um die Maßregelung und Durchsetzung des Gesetzes geht. Und natürlich sind sie bloß Menschen und als solche nicht frei von Frevel. Der Versuchung sind wir alle tagtäglich ausgesetzt, gleichwohl eine solche Person im öffentlichen Raum, mit der Aufgabe der Allgemeinheit zu dienen, den Fokus auf das eigene Handeln besonders verschärft. Die Dienstmarke separiert den Beamten vom Zivilisten und als ein Diener der Öffentlichkeit hat dieser einen Eid geschworen, die Bevölkerung zu schützen. Wie trennt eine Person ihr Inneres – in dienstlich und privat – wie funktionierte es vor fünfzig Jahren für die Mitglieder der Public Morals Division?

In der Serie Public Morals übernimmt Terry Muldoon (Edward Burns) die Rolle des vierfachen Familienvaters und Polizisten. Er ist bei der Sitte, er ist Teil dieser Public Morals Division und die Gratwanderung zwischen moralischem und kriminellem Verhalten ist ihm ins Blut übergegangen. Vertrackt nur, dass sein ehefrauenprügelnder Onkel Mr. O (Timothy Hutton) ein Gangster ist und sich mit dem irischen Mob der West Side New York Citys angelegt hat. Günstig, wenn dessen Sohn Sean O’Bannon (Austin Stowell) ebenfalls bei der Sitte ist und die Cousins neben der Polizeilehre auch die Gesetze der anderen Seite bis aufs Mark kennen. Optimal ist es dann noch, dass die Division, der sie unterstehen, nach ihren eigenen Regeln spielt. Neben dem Beamtengehalt beziehen die Gesetzeshüter nämlich ‚Lohn’ von den Sündern, die so manchen Ganoven und Straßenschwalben die Zeit hinter Gittern erspart. So sind die Männer des öffentlichen Dienstes unter anderem auch gern gesehene Gäste dieser Etablissements mit zweifelhaften Besitzern und verführerischen Kunden.

Es ist ein mehr oder minder offenes Geheimnis, dass der ein oder andere Schein den Besitzer wechselt und Türen öffnen kann. Ein attraktiver Arbeitsplatz also, der Raum für das eigene Vergnügen und eigenmächtiges Handeln lässt.

Doch wenn ein unerwarteter Tod die empfindliche Dynamik dieser verschiedenen Gruppierungen zum Stolpern bringt, werden die Karten noch einmal neu gemischt. Misstrauen und Missgunst säen den Twist auf einem mehr als fruchtbaren Boden. Dass die nachfolgende Generation sich bereits frisch und voller Tatendrang in das Leben New Yorks drängt, macht das Leben für Terry Muldoon nicht eben leichter, und so versucht der wackere Polizist der nächsten Generation ein gutes Beispiel zu sein – ein moralischer Vater, ein wegweisender Vorgesetzter und Ausbilder. Nur, wie viele Bälle kann ein einzelner Mann gleichzeitig in der Luft halten, bevor die ersten wie Sandsäcke zu Boden stürzen und womöglich mehr als nur eine Schwierigkeit heraufbeschwören? Die Sirenen der Großstadt sind bereit, New Yorks Seemänner auf ihre Inseln der Versuchung zu locken und TNT Serie wird ab heute um 21.45 Uhr ihre Gesänge über den Bildschirm laufen lassen.

Public Morals – Freigegeben ab …

FSF: freigegeben ab 12 Jahren, Hauptabendprogramm (20.00-6.00 Uhr)Ausstattung, Kostüme und Farbgestaltung lassen in einen künstlichen, historisch eingeordneten Serienkosmos à la Mad Men eintauchen. In gemächlichem Tempo entfaltet sich dabei durch lange Dialogpassagen und eine Vielzahl an Figuren eine epische Geschichte, die mit ihrem komplexen Plot sowie den undurchsichtigen Figuren nur wenig Anknüpfungspunkte für Kinder oder für jugendliche Zuschauer bietet. Die moralisch fragwürdige Rolle der Polizei sowie etwaige Intrigen, die zwischen den Lagern gesponnen werden, sorgen dabei vor allem für Verwirrung, eine Übertragung von desorientierendem Verhalten ist nicht zu befürchten. Einzelne Gewaltspitzen sind vorhanden, aber deutlich in das Milieu und in das Genre eingebunden und nicht spekulativ in Szene gesetzt, weshalb auch nicht von einer übermäßigen Ängstigung ab 12-Jähriger ausgegangen wird. Die sehr langsame und dialoglastige Erzählweise sorgt zudem stetig für Entlastungsmomente.

Zur dieser und weiteren ProgrammInfos auf der FSF-Website geht es hier.

Der Sender TNT Serie darf alle Episoden der Serie auch schon vor 20.00 Uhr ausstrahlen, weil er als Pay-TV-Anbieter eine Jugendschutzsperre aktivieren kann, die von den Zuschauern mit der Eingabe einer Jugendschutz-PIN freigeschaltet werden muss. Somit gelten die üblichen Sendezeitbeschränkungen und Schnittauflagen nicht. Weitere Informationen zu Vorschriften und Anforderungen an digitale Vorsperren als Alternative zur Vergabe von Sendezeitbeschränkungen sind im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (§ 5 Abs. 3 Nr. 1; § 9 Abs. 2 JMStV) sowie in der Jugendschutzsatzung der Landesmedienanstalten (§ 2 bis § 5 JSS) zu finden.”

Bitte beachten Sie: Bei den Altersfreigaben handelt es sich nicht um pädagogische Empfehlungen, sondern um die Angabe der Altersstufe, für die ein Programm nach Einschätzung der Prüferinnen und Prüfer keine entwicklungsbeeinträchtigenden Wirkungsrisiken mehr bedeutet.

Mehr Informationen zur Programmprüfung erhalten Sie auf unserer Website. Dort veröffentlichen wir jede Woche neue ProgrammInfos zum aktuellen Fernsehpramm. Auch diese Auswahl stellt keine Empfehlung dar, sondern zeigt einen Querschnitt der Programme, die den Prüfausschüssen der FSF von den Mitgliedssendern vorgelegt werden.

Über Tabea Dunemann

Tabea Dunemann studiert an der Universität Leipzig Theaterwissenschaft und Ethnologie im Doppelstudium. Sie interessiert sich leidenschaftlich für das Schöne und ihr Weg hat sie bisher durch die bunte Welt von Radio, Museen und Theater geführt. Unter anderem absolvierte sie außerdem ein Praktikum bei der FSF.

14. Dezember 2015 von Tabea Dunemann
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