Und was schauen Sie, Frau Müller?

Acht Fragen an Mareike Müller, die nach ihrem Bachelor in Kulturanthropologie und Rechtswissenschaften (2010) nun neben ihrem Masterstudium der European Studies seit 2012 freiberuflich bei der FSF tätig ist.

Und was schauen Sie, Frau Müller? (c) FSF

Du arbeitest in der Geschäftsstelle der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen e.V. – schaust du auch privat Fernsehen? Wie oft schaltest du zu Hause deinen Fernseher an?

Ja, ich schaue auch zu Hause Fernsehen. Vorwiegend um mich entspannt informieren und unterhalten zu lassen. Während der Woche bleibt der Fernseher oft aus. Ausnahmen sind Nachrichten (tagesthemen) und ab und an Journale wie Kulturzeit oder das Arte Journal. Am Wochenende, bei schlechtem Wetter wird der Fernseher schon mal öfter eingeschaltet.

Wann und in welchen Situationen schaltest du den Fernseher an und was schaust du regelmäßig?

Wenn ich Freitagabend zu Hause bin, schaue ich mir gerne NDRTalk oder 3nach9 an, auch wenn diese Sendungen mehr und mehr zu Promoshows verkommen und ich mich mitunter über die Äußerungen von Judith Rakers, Giovanni di Lorenzos neue Komoderatorin, fremdschäme.

Samstagmorgens ab 8 Uhr noch im Schlafanzug und vor dem Frühstück durch das Fernsehprogramm zu zappen, ist für mich großer Spaß und Entspannung. Dies mache ich gewiss nicht regelmäßig, zelebriere es dafür umso mehr. Meistens bleib ich dann bei einer Sitcom auf ProSieben (Scrubs – Die Anfänger, The Big Bang Theory oder How I Met Your Mother) hängen.

Sonntags gucke ich gerne Augstein und Bloome – ein Boulevard-Polittalk, den ich äußerst unterhaltsam finde.
Oft nehme ich mir vor, sonntagabends Tatort zu gucken, allerdings weitet sich der Sonntagsspaziergang oft zu einem Kino- oder Theaterbesuch aus, oder das Kochen mit Freunden nimmt mehr Zeit und Freude in Anspruch, als dass es möglich ist, den Fernseher rechtzeitig einzuschalten und den schönen, seit Kindertagen vertrauten Tatort-Jingle zu hören.

Wenn ich Filme im Fernsehen sehe, dann eigentlich nur deutsche Fernsehproduktionen; diese jedoch sehr gerne! (Internationale) Spielfilme gucke ich mir am liebsten im Kino an, oder selten auf DVD. Amerikanische Serien – bis auf die oben genannten Sitcoms – gucke ich, wenn überhaupt, auf DVD oder im Internet.

Wird der „On-Knopf“ gedrückt, weil du ein bestimmtes Programm sehen willst oder zappst du dich durch die Kanäle, bis du etwas Passendes finden? Und wann betätigst du den „Off-Schalter“?

Überwiegend schalte ich schon gezielt den Fernseher ein. Entweder weil ich in etwa weiß, was gerade im Fernsehen läuft oder weil ich mich vorab in einer Programmzeitschrift oder im Internet informiert habe.

Wie verbringst du deine Zeit vor dem Fernseher? Bist du ein aufmerksamer Zuschauer oder erledigst du beim fernsehen Dinge nebenbei?

Nein, ich erledige keine Dinge nebenbei. Wenn ich etwas anderes zu tun habe oder tun möchte, schaue ich kein fern.

Bist du durch deine Arbeit bei der FSF auf bestimmte Programme aufmerksam geworden, die dich nun auch in deiner Freizeit interessieren – und die du dir gar auf DVD besorgst?

Die FSF bietet auf ihrer Website und in der Blogrubrik Neues aus der Programmprüfung Programminformationen zu neu anlaufenden Serien oder Filmen. Neben den Angaben zu Sendezeit und Altersfreigabe liefern wir oft weitere Hintergrundinformationen zu den Formaten, wie z.B. zur Besetzung, zur Regie, oder zu gesellschaftlichen Debatten um ein Format. Viele dieser Programm-Highlights und Programminformationen sind von mir recherchiert und verfasst, sodass ich durch meine Arbeit bei der FSF gut über das aktuelle TV-Programm und die entsprechenden Inhalte informiert bin. Selbstverständlich erstelle ich diese Informationen nicht nur anhand der Gutachten der FSF-Prüfausschüsse oder entsprechenden Pressetexten, sondern schaue auch schon selbst in das Format rein.
Obwohl hierbei immer wieder mein Interesse für bestimmte Serien geweckt wird, und ich mir fest vornehme diese weiterhin zu verfolgen, setze ich dies nur selten tatsächlich um. Grund hierfür ist sicherlich auch das Überangebot. Wenn man sich jeden Monat mit ungefähr sechs Formaten eingehend beschäftigt, und bei der allgemeinen Recherche mit zehn weiteren Angeboten konfrontiert wird, verblasst das einmal geweckte Interesse und die Neugier verschiebt sich auf ein anderes neues Format. Dementsprechend habe ich erst zwei Serien konsequent zu Ende geschaut, auf die ich durch die FSF aufmerksam geworden bin: Homeland und Girls. Selbstverständlich sind auch meine Kolleginnen und Kollegen unterstützende Inputgeber: Beim Mittagstisch unterhalten wir uns häufig über neue Kinofilme, Serien etc., die ich mir dann auch privat anschaue.

Gibt es Formate oder Programme, die sich deiner Meinung nach im Fernsehprogramm zu wenig oder gar nicht wiederfinden? Wie kompensierst du diese „Lücken“?

Ich würde es sehr begrüßen, wenn auch im Free-TV internationale Filme und Serien im Originalton gezeigt werden würden. Und ganz klar: Weniger/Keine Werbung – ein wohl nicht zu realisierender Wunsch.

Bei welchem Format, welchem Film hattest du das letzte Mal das Gefühl wirklich gut unterhalten zu werden? Was war dein letztes gutes Fernseherlebnis?

Der Turm und Unsere Mütter, unsere Väter. Gute Besetzung, gutes Schauspiel, interessante Story.

Wann schaltest du den Fernseher ab?

Wenn das Telefon klingelt oder die Augen schwer werden.

Das Interview führte Luise Weigelt.

Über Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen

Die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) ist ein gemeinnütziger Verein privater Fernsehanbieter in Deutschland. Ziel der FSF ist es, einerseits durch eine Programmbegutachtung den Jugendschutzbelangen im Fernsehen gerecht zu werden und andererseits durch Publikationen, Veranstaltungen und medienpädagogische Aktivitäten den bewussteren Umgang mit dem Medium Fernsehen zu fördern. Seit April 1994 lassen die Vereinsmitglieder ihre Programme bei der FSF prüfen, seit August 2003 arbeitet die FSF als anerkannte Selbstkontrolle im Rahmen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV).

16. Oktober 2013 von Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen
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