tv diskurs: fern. sehen. Medien im digitalen Wandel

Im Jahr 2000 prognostizierte der renommierte Zukunftsforscher Matthias Horx in einer Studie über Die Zukunft des Internets: „Das Internet wird kein Massenmedium.“ Er sagte eine „digitale Spaltung“ voraus, nur gebildete Nutzer könnten mit dem Netz umgehen und verfügten über einen schnellen Anschluss, der Rest sei weder intellektuell noch finanziell in der Lage, am
Netz teilzunehmen.

Heute, 19 Jahre später, verfügt so gut wie jeder in Deutschland über einen Internetzugang. Selbst 3-jährige Kinder beherrschen iPad und iPhone so gut wie ein zusätzliches externes Organ. Den Verzicht auf das Smartphone würden die meisten Jugendlichen als Amputation empfinden. Heutige Prognosen beschäftigen sich mit ganz anderen Fragen: Führt die oft beleidigende Ansprache in sozialen Netzwerken zu einer Verrohung der Sprache und der Diskussionskultur? Geht der Journalist als Gatekeeper verloren und kann sich damit heute jede noch so absurde oder extremistische Falschmeldung ungehindert millionenfach verbreiten? Das Fernsehen, jahrzehntelang unumstrittenes Leitmedium, wird bereits von vielen totgesagt, obwohl es laut Statistik immer noch über sehr beachtliche Nutzerzahlen verfügt.

Der Jugendschutz, im Kino und im Fernsehen noch einigermaßen durchsetzbar, bleibt auf Plattformen wie Facebook oder YouTube mangels Interventionsmöglichkeit weitgehend auf der Strecke. Dass es kompletter Unsinn ist, wenn derselbe Film, der für das Kino mit hohem Aufwand in Form eines Verwaltungsaktes freigegeben werden muss, auf YouTube praktisch von jedem ohne irgendwelche Barrieren gesehen werden kann und bei Streamingdiensten von den Anbietern selbst eingeschätzt werden darf, pfeifen die Spatzen von den Dächern. Aber welche Konsequenzen werden daraus gezogen?
Auf die Illusion, mit Altersfreigaben den Zugang von Kindern und Jugendlichen zu schädigenden Inhalten verhindern zu können, will im Augenblick offenbar noch niemand verzichten. Grund genug, über die Zukunft des Fernsehens in unserer vom Internet bestimmten Welt nachzudenken und Ideen zu entwickeln, wie Jugendschutz und Medienkompetenz vor diesem Hintergrund aussehen könnten.


tv dskurs 88 fern. sehen. Medien im digitalen Wandel © FSF

TITELTHEMA

fern. sehen 
Medien im digitalen Wandel

Auf dem virtuellen Sofa
Die Kinder der 1960er-Jahre bleiben ihrem Medium treu
Tilmann P. Gangloff

An den Bedürfnissen des Nutzers orientieren 
Der Kampf der Mediensysteme um die Aufmerksamkeit des Zuschauers
Joachim von Gottberg im Gespräch mit Egbert van Wyngaarden

Familien und Kinder stärken – für ein gutes Aufwachsen mit Medien
Redeauszug zum 25-jährigen Bestehen der FSF am 4. April 2019
Franziska Giffey

Altersfreigaben als Option 
Jugendmedienschutz der Zukunft setzt auf Elternverantwortung
Joachim von Gottberg im Gespräch mit Martin Drechsler

Deutsche Fernsehfiktion und Redaktionsarbeit im Wandel 
Florian Krauß

Jugendschutz im Fernsehen 
Stand und Perspektiven nach 25 Jahren FSF Claudia Mikat

Binging in the Rain 
Kolumne von Jenni Zylka

 

Dies ist nur ein Auszug des Inhaltes der aktuellen Ausgabe fern. sehen. Medien im digitalen Wandel. Weitere Artikel aus den Bereichen Diskurs, Pädagogik, International, Recht, Literatur, Service sowie Panorama stehen Ihnen auf tv diskurs.de zur Verfügung. Dort finden sich auch die einzelnen Artikel als Download.

Über tv diskurs

Die Fachzeitschrift tv diskurs – Verantwortung in audiovisuellen Medien informiert wissenschaftlich, pointiert und verständlich über aktuelle Entwicklungen im Bereich des Jugendschutzes, der Medienforschung und der Medienpädagogik. Sie erscheint viermal im Jahr und bietet ein Forum für unterschiedliche Positionen. Es werden nicht nur aktuelle Entwicklungen im Medien- und Jugendschutzbereich aufgegriffen, sondern auch grundlegende, philosophische Fragestellungen diskutiert.

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