„Die Welt mit Kinderaugen sehen“

Jugendschutz im Kinderfernsehen – mehr Verantwortung und strengere Maßstäbe?
Frank Klasen über seine facettenreiche Arbeit als Jugendschutzbeauftragter bei SUPER RTL.


Wie gestaltet sich Ihr Alltag als Jugendschutzbeauftragter bei Super RTL? Welche Aufgaben fallen an?

FK: Die Hauptaufgabe des Jugendschutzbeauftragten von SUPER RTL besteht in der Beratung der Programm- und Inhaltverantwortlichen. Frühzeitig einbezogen kann er so mit verbindlichen Hinweisen gewährleisten, dass die Anforderungen des Jugendschutzes wirksam umgesetzt werden.
So werden z.B. jugendschutzrelevante Projekte vor Veröffentlichung/Ausstrahlung zur Begutachtung Selbstkontrolleinrichtungen, wie z.B. der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) vorgelegt.

Zum erweiterten Aufgabenbereich gehören außerdem die Sendervertretung innerhalb der FSF und Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) sowie in Veranstaltungen im Bereich Jugendschutz, aber auch die Teilnahme an Fortbildungen und Diskursen.

Nach welchen Kriterien werden Inhalte auf Super RTL ausgewählt und welche Sendetabus gibt es?

FK: Die Welt mit Kinderaugen sehen – das ist der Job der Verantwortlichen bei SUPER RTL. Dabei orientieren wir uns nicht nur an gesetzlichen Vorgaben, sondern haben uns freiwillig deutlich weitergehende Selbstbeschränkungen auferlegt. Wichtige Kriterien bei der Auswahl von Kinderprogrammen sind:
Gewaltfreiheit, nachvollziehbare Geschichten sowie eine kindgerechte Erzählweise, die sich auf Augenhöhe mit den kleinen Zuschauern befindet.
Soziale Werte wie Teamgeist, Freundschaft und Familie sind ein Leitmotiv des Contents – ganz egal ob im TV oder auf den digitalen Plattformen.

Bild: René Schindler auf pixabay

Bei der Sichtung von Kinderprogrammen werden Ton, Text und Bilder akribisch von den Redakteuren geprüft. Dabei orientieren sie sich zunächst an den generellen inhaltlichen Guidelines, die sie sich auferlegt haben. Darüber hinaus wird je Serie ein eigener Leitfaden erstellt und angewendet.

Hinsichtlich der Synchronisation von Inhalten geht es nicht nur ums korrekte Übersetzen aus einer Fremdsprache ins Deutsche. Die Redakteure achten besonders auf den Sprachduktus und ändern kritische Passagen. So werden Kraftausdrücke und Gossensprache entweder ganz vermieden oder umformuliert und abgeschwächt. Auch die Sound- und Musikspur jedes Formats wird individuell bewertet. Furchteinflößende Musik, die emotionale Filmsequenzen zusätzlich dramatisiert und verstärkt, wird z.B. durch eher klassische Comic-Sounds ersetzt.

Neue Kinderserien enden heutzutage häufiger mit einem Cliffhanger. Bei den kleinen Zuschauern lösen Cliffhanger jedoch statt der erwünschten positiven Spannung und Vorfreude auf die nächste Episode emotionalen Stress aus. Den Helden in Gefahr zu wissen, ein offenes Ende also, ist für Kinder schier unerträglich. Darum werden bei SUPER RTL diese Cliffhanger entschärft, indem sie komplett oder neu geschnitten werden. Die Spannung wird bspw. gelöst, indem ein überbrückender Off-Text eingefügt wird, der auf den glücklichen Ausgang verweist. Denn nur eine positive Auflösung der Situation – ein Happy End – lässt die Kinder zufrieden zurück.

Dies ist für SUPER RTL Pflicht und Verpflichtung.

Auf welche Jugendschutzoptionen wird bei digitalen Senderangeboten zurückgegriffen? Wie funktioniert konkret der Jugendschutz auf Ihrer Videoplattform kividoo?

FK: Wir bieten im Internet mit großem Erfolg den Toggolino-Club an. Als ein werbefreier und abgesicherter Raum bietet Toggolino-Club Vorschulkindern die Möglichkeit, erste Erfahrungen mit dem Internet zu machen und über viele Lernspiele ihre kognitiven Fähigkeiten zu vertiefen.

Ein weiteres Angebot ist Kividoo, ein Online-Videoportal, das ausschließlich Filme und Serien für Kinder anbietet. Kividoo bietet eine große Auswahl an kindgerechten Videos, welche sich von neuen Formaten, über Klassiker, bis hin zu spannenden und lehrreichen Tier- und Weltdokus von der BBC erstreckt.
Neben jedem Video finden sich die Kividoo-Altersempfehlungen, die Eltern darüber informieren sollen, für welche Kernaltersgruppe sich die Serie / das Video besonders eignet.
Eltern können außerdem mithilfe des Tools der Zeiteinstellung den Nutzungszeitraum und die Nutzungsdauer festlegen. Das Einstellen einer Watchlist und einer Blacklist ist zudem eine weitere individuelle Einstellungsmöglichkeit, die Eltern in den Profilen ihrer Kinder vornehmen können.

Was sind zukünftige Herausforderungen in Ihrer Arbeit als Jugendschützer und wo besteht noch Handlungsbedarf?

FK: Kinder und Jugendliche vor den Gefahren im Netz zu schützen, ist ein ziemlich schwieriges Unterfangen. Clevere Software kann dabei helfen. Doch viel wichtiger ist es, ihre Medienkompetenz zu fördern. Die Internetnutzung von Kindern nimmt nicht nur kontinuierlich zu, sondern findet auch immer zeitiger statt. Familien stehen hierbei als wesentliche Instanz bei der Begleitung der kindlichen Mediennutzung vor großen Herausforderungen, wie der Auswahl der Online-Inhalte nach Alter, Themen, Unbedenklichkeit und Qualität. Aus diesem Grund benötigen sie eine vertrauenswürdige Anlaufstelle für eine einfache und übersichtliche Orientierung sowie prägnante Informationen zu kindgerechten Angeboten aus dem Web- sowie App-Bereich. Ein altersgerechter Einstieg in das Internet ist uns ein wichtiges Anliegen.
Als Gründungsmitglied von fragFINN sind wir uns der Verantwortung als Diensteanbieter bewusst und nehmen diese wahr. Aber auch auf europäischer Ebene warten große Herausforderungen bezüglich der Sicherheit von Kindern im Netz. Daher unterstützen die Mediengruppe RTL Deutschland und Super RTL seit Anfang 2017 die allgemeinen Richtlinien der Alliance to better protect minors online, eine Selbstregulierungsinitative der Europäischen Kommission zur Bekämpfung schädlicher Inhalte, Verhaltensweisen und Kontaktaufnahmen im Internet.

Wir danken Ihnen für das Interview, Herr Klasen!

Über Lena Wandner

Lena Wandner studierte Kommunikationswissenschaft und Romanistik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, bevor sie ihren Master in Kinder- und Jugendmedien an der Universität Erfurt begann. Ihr Interesse gilt insbesondere der Medienwirkungsforschung und dem Jugendmedienschutz, weswegen sie sich auch für ein Praktikum bei der FSF entschied.

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