Die Faszination für filmische Interpretationen biblischer Stoffe scheint ungebrochen

… und sogar eine neue Renaissance zu erfahren: Im Moment finden wir Noah in den Kinos, für Ende des Jahres ist Exodus angekündigt. Nun folgt mit der Ausstrahlung der US-Miniserie Die Bibel zu Ostern bei VOX ein weiteres Beispiel.

Die grausame römische Besetzung hat die Juden geteilt, aber Jesus (Diogo Morgado, l.) zieht im ländlichen Galiläa die Massen mit seinen übernatürlichen Kräften und seinen inspirierenden Worten an. VOX/2013 LightWorkers Media/Joe Alblas/Casey Crawford
Diogo Morgado, l. als Jesus in Die Bibel (c) VOX/2013 LightWorkers Media/Joe Alblas/Casey Crawford

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die bei der Erstausstrahlung im amerikanischen History Channel überaus erfolgreiche Serie zeigt in zehn Teilen wichtige Ereignisse und Figuren aus dem Alten und Neuen Testament wie die Geschichten Abrahams, Moses und Jesus. Vor jeder Episode wird in einer Texttafel der Anspruch „den Geist des Buches so wahr wie möglich wiederzugeben“ formuliert. Die Inszenierung ist aufwendig und von Spezialeffekten unterstützt.

Jesus, verspottet und verprügelt, trägt sein Kreuz durch die Menschenmengen nach Golgota, einem Hügel über Jerusalem. VOX/2013 LightWorkers Media/Joe Alblas/Casey Crawford
Jesus, verspottet und verprügelt, trägt sein Kreuz durch die Menschenmengen nach Golgotha, einem Hügel über Jerusalem. (c) VOX/2013 LightWorkers Media/Joe Alblas/Casey Crawford

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die quasi von Folge zu Folge wechselnden Szenarien sind nur lose miteinander verknüpft und weisen große Zeitsprünge auf. Entgegen des – von wenigen Ausnahmen abgesehen – Kanons der filmischen Bibelinterpretationen, die christliche Werte in den Mittelpunkt der Inszenierung und Dramaturgie stellen, fokussiert sich die Serie klar auf Elemente von Kampf und Auseinandersetzung. Zu sehen sind eine Reihe von Gewalttaten, Zerstörungen, Schlachten, Plagen, Unterwerfungen und Tötungen. Dies ist sowohl visuell wie dramaturgisch im Stile zeitgenössischer Action-, Fantasy- und Historienserien inszeniert.

Schon in der ersten Folge Am Anfang sehen wir, wie Krieger im Auftrag Gottes in Martial-Arts-Manier gegen die uneinsichtigen Bewohner Sodoms vorgehen und diese u.a. mit Schwertern töten. Oder als weiteres Beispiel Samson, der als bullige „Kampfmaschine Gottes“ inszeniert wird und die Gegner mit blanken Händen tötet. Die Durchsetzung des Wortes Gottes – meist empfangen durch Propheten und umgesetzt von Soldaten und Gotteskriegern – wird hier mit einer Logik der Stärke, Dominanz und Gnadenlosigkeit gezeigt und durchgeführt. In einer Szene ist zu sehen, wie der Prophet Samuel einen Gefangenen mit einem Messer ersticht, da der Feldherr zu große Gnade hat walten lassen und nicht alle Feinde getötet hat. Gewalt erscheint als legitimes Mittel in der Umsetzung der Ziele.

Eindringlich ist dies am Szenario der Zerstörung Jerichos zu betrachten: Ohne Skrupel wird die Stadt dem Erdboden gleichgemacht und die Bewohner werden getötet. Die in der klassischen und kanonischen Auslegung der Bibel zentralen Werte wie Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Sanftmütigkeit spielen in diesem Szenario praktisch keine Rolle. Allerdings sehen wir auch Szenen von großer emotionaler und tragischer Wucht, wie die scheinbar unumgängliche Opferung Isaaks durch seinen Vater Abraham. Die völlig verzweifelte Mutter ist fast besinnungslos vor Freude, ihren Sohn lebend zu sehen und wendet sich von Abraham ab.

Umzingelt von der ägyptischen Armee setzt Moses (William Houston) all seine Hoffnung in Gott und wird mit einem unglaublichen Wunder belohnt: Das Rote Meer teilt sich und erlaubt den Israeliten zu fliehen. (c) Foto: VOX/2013 LightWorkers Media/Joe Alblas/Casey Crawford
Das Rote Meer teilt sich und erlaubt den Israeliten zu fliehen. (c) Foto: VOX/2013 LightWorkers Media/Joe Alblas/Casey Crawford

Andere Szenarien wie die Visualisierung von Wundern erinnern eher an Fantasy-Spektakel: Moses wirkt bei der Teilung des Meeres wie eine alttestamentarische Version des Zauberers Gandalf.

In der Gesamtwirkung bleibt ein heroisch-blutiges Heldenepos mit metaphysischem Einschlag, dem die vermeintliche Wahrheit des Gezeigten und die Wirkmächtigkeit der Ereignisse einen zusätzlichen Thrill verleihen sollen. Die Einbettung in einen übergeordneten christlichen Kontext bleibt unzureichend, sodass das Geschehen in der Vielzahl der Auseinandersetzungen und Szenarien etwas beliebig erscheint.

Die FSF prüfte alle zehn Episoden der US-Miniserie Die Bibel und gab diese für das Hauptabendprogramm / ab 12 Jahren frei. Zur ausführlichen ProgrammInfo auf der FSF-Website geht es hier.

Bitte beachten Sie: Bei den Altersfreigaben handelt es sich nicht um pädagogische Empfehlungen, sondern um die Angabe der Altersstufe, für die ein Programm nach Einschätzung der Prüferinnen und Prüfer keine entwicklungsbeeinträchtigenden Wirkungsrisiken mehr bedeutet.

Mehr Informationen zur Programmprüfung erhalten Sie auf unserer Website. Dort veröffentlichen wir jede Woche neue ProgrammInfos zum aktuellen Fernsehprogramm. Auch diese Auswahl stellt keine Empfehlung dar, sondern zeigt einen Querschnitt der Programme, die den Prüfausschüssen der FSF von den Mitgliedssendern vorgelegt werden.

VOX strahlt alle zehn Episoden zu Ostern aus. Die ersten drei Episoden gibt es an Gründonnerstag ab 20.15 Uhr, weitere drei Episoden folgen am Karfreitag ab 20.15 Uhr und am Karstamstag werden ebenfalls ab 20.15 Uhr die verbleibenden vier Episoden gezeigt.

Über Henning Adam

Studium der Politikwissenschaft, Philosophie und Pädagogik, war dann bis 2005 im Landtag Rheinland-Pfalz beschäftigt. Seit 2005 in unterschiedlichen Funktionen für die Berlinale tätig; aktuell für den Berlinale Co-Production Market und seit 2006 Prüfer bei der FSK.

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