Mit Gewalt aus der Zukunft gegen das Böse in der Gegenwart?

In dem Thriller Looper nutzt ein Verbrechersyndikat die im Jahre 2040 vorhandene, aber eigentlich verbotene Zeitreisentechnologie, mit der Auftragskiller in die Vergangenheit geschickt werden, um die dort zu tötenden Zielpersonen auszuschalten und mögliche Spuren zu verwischen. Joe Simmons (Joseph Gordon-Levitt) ist einer der effektivsten Killer seiner Zeit. Eines Tages erhält er jedoch den Auftrag, sein 30 Jahre älteres Ich (Bruce Willis) zu töten. Hieraus entbrennt ein spektakulärer Kampf auf Leben und Tod, der aufgrund der verschiedenen Zeitebenen, Vor- und Rückblenden sowie logischen und auch gesellschaftskritischen Fragestellungen zu den intellektuell anspruchsvolleren Actionthrillern zu zählen ist.

Für die Kinoauswertung wurde eine Altersfreigabe ab 16 Jahren erteilt. Filme, die von der FSK ab 16 freigegeben werden, dürfen im Fernsehen erst ab 22.00 Uhr ausgestrahlt werden. Beabsichtigt ein Sender jedoch eine Ausstrahlung in der Primetime, wird am Beispiel des Films Looper ersichtlich, wie schwierig das ist. Denn aufgrund des sehr hohen Gewaltniveaus in diesem Zeitreise-Thriller bleibt eine Schnittbearbeitung aus Jugendschutzgründen leider unerlässlich – die Zwickmühle zwischen höherer Erreichbarkeit zur Primetime versus Kinderschutz durch eine deutliche Reduzierung der Gewalt bleibt gerade bei anspruchsvollen Filmen wie Looper der „Gordische Knoten“ des Jugendmedienschutzes.

Das skizzierte Endzeitszenario lässt Gewalt als Normalität erscheinen. Die Protagonisten töten nicht in Notwehrsituationen, sondern ganz bewusst, aus zum Teil profanen Gründen (Job und Geld) oder mit einem Ziel, das mit persönlichen Rachemotiven verknüpft ist (hier: einen späteren Gangsterboss zu verhindern). Vor diesem Hintergrund werden verschiedene Gewalthandlungen und Tötungen gezeigt, ohne dass eine auch für ältere Kinder ab 12 Jahren verständliche Einordnung in richtige und falsche Verhaltensweisen erfolgt. Die vorhandenen Anflüge von Selbstzweifel und Reue erscheinen demgegenüber nicht ausreichend stark, um weniger belastend und mehr orientierend zu wirken.

In der feingliedrigen Schnittbearbeitung des Senders wurden vielfache, beiläufige Tötungen entfernt, aber auch hypothetisch-moralische Fragestellungen, ob man etwa künftige Tyrannen der Zukunft bereits in der Vergangenheit ausschalten sollte, um künftiges Leid zu verhindern. Jedoch nur aufgrund der Kürzungen erhielt der Sender die beantragte Ausnahmegenehmigung für eine Ausstrahlung im Hauptabendprogramm. Fraglich bleibt, ob die vielen Schnitte der ohnehin komplexen Filmhandlung in ihrer Verständlichkeit gut tun.

Looper wird am Sonntag, den 23. November 2014, um 20.15 Uhr auf dem Sender ProSieben ausgestrahlt.

Die FSF gab den senderseitig bearbeiteten Actionthriller für Zuschauer ab 12 Jahren zur Ausstrahlung im Hauptabendprogramm (20.00 – 22.00 Uhr) frei.

Zur ausführlichen ProgrammInfo auf der FSF-Website geht es hier.

Bitte beachten Sie: Bei den Altersfreigaben handelt es sich nicht um pädagogische Empfehlungen, sondern um die Angabe der Altersstufe, für die ein Programm nach Einschätzung der Prüferinnen und Prüfer keine entwicklungsbeeinträchtigenden Wirkungsrisiken mehr bedeutet.

Mehr Informationen zur Programmprüfung erhalten Sie auf unserer Website. Dort veröffentlichen wir jede Woche neue ProgrammInfos zum aktuellen Fernsehprogramm. Auch diese Auswahl stellt keine Empfehlung dar, sondern zeigt einen Querschnitt der Programme, die den Prüfausschüssen der FSF von den Mitgliedssendern vorgelegt werden.

Über Nils Brinkmann

Nils Brinkmann studierte Publizistik, Kunstgeschichte und Soziologie (M.A.). In der Zeit von 1991 bis 2011 war er Prüfer bei der FSK. Seit 2002 ist er im Bereich Programmaufsicht und Telemedien der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) tätig. Ebenso prüft er im Beschwerde- und Gutachterausschuss der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia (FSM) und ist hauptamtlicher Prüfer bei der FSF.

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