Achtsam in digitalen Medien!

Wie kann entschleunigte Mediennutzung in der Familie funktionieren?

WhatsApp-Stress hoch drei

Jonas ist zehn und geht in die 5. Klasse. Seit er in der WhatsApp-Gruppe seiner Schulklasse ist, kriegt er abends schwer die Augen zu. Hausaufgaben machen dauert viel länger als sonst, denn ständig flattern Fragen oder unsinnige Sprüche in die Gruppe. So viele Nachrichten gehen ein, dass es ihm schwerfällt, überhaupt mal an was anderes zu denken. Ihn hat die sogenannte Sofortness gepackt, unverzüglich muss er nachsehen, was wer geschrieben hat. Mehr noch: er leidet an „Fomo“ (engl.: fear of missing out), der Angst etwas zu verpassen. Das führt auch mit seinen Eltern ständig zu Konflikten. Ganz schöner Stress für einen so jungen Menschen.

Seine Mutter hat ein ähnliches Problem. Sie ist in der WhatsApp-Gruppe des Sportvereins, des Elternbeirats, in einer Gruppe, die sie mit Freundinnen nutzt, in einer für die Kollegen und in der Familien-WhatsApp-Gruppe ­– und viel zu oft ist sie vor allem überfordert mit der Nachrichtenflut.
Und egal ob in der Freizeit oder auf Arbeit, ständig gehen Messages ein, die zudem oft noch nicht mal was mit dem Thema der Gruppe zu tun haben.
Auf die simple Frage: „Wann öffnet heute die Turnhalle“ gehen beispielsweise 30 Antworten ein – wie soll man da den Überblick behalten? Oder es kommen Nachrichten an, die den falschen Ton treffen und böse Stimmung verbreiten. Erst neulich ging es in der Klassengruppe hoch her, als sich  Eltern über die Klassenlehrerin ausließen – und zwar so richtig. Jonas‘ Mutter fühlt sich damit sehr unwohl, hat aber auch keine Idee, wie sie reagieren soll. Soll sie schreiben, dass sie ein solches Verhalten im Chat nicht duldet?
Zudem bedrückt sie, dass auch Jonas gestresst ist von der Nachrichtenflut, aber sie hat keine Idee, wie sie ihm ein gutes Vorbild in Hinblick auf eine „gesunde“ Mediennutzung sein könnte.

Und dann ist da noch der Vater von Theo. Er möchte aus Überzeugung kein WhatsApp nutzen, will mit der Datenkrake nichts zu tun haben, sagt er. Wenn die WhatsApp-Fußballgruppe den Treffpunkt und die Fahrdienste für das nächste Spiel einteilt, dann wird er regelmäßig „vergessen“. Neulich kam Theo zu spät zum Spiel, weil sein Vater nicht auf dem aktuellsten Stand war. Ach, du hast ja kein WhatsApp, heißt es dann. Theos Vater hat also streng genommen auch Stress – nämlich das Gefühl, nicht dabei zu sein, ausgeschlossen zu sein.
Alle haben also auf ihre Weise Stress durch WhatsApp und empfinden diesen Druck als unangenehm. Doch was tun?

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Was tun gegen WhatsApp-Stress? Konkrete Tipps

  • Erste Frage: Muss es WhatsApp sein oder geht auch ein anderer Messenger? Gerade als Familie kann man sich auch super mit Alternativen organisieren. Die Verbraucherschutzzentrale gibt einen Überblick.
  • In jedem Fall: Nutzungs- und Gruppenregeln erstellen – und zwar von Anfang an!
  • Welchen Umgang mit dem Messenger will ich für mich und wollen wir in der Familie?
    Was sind Tabuzonen (z.B. das Schlafzimmer) und wann sind Mediennutzungs-Zeiten?
    Hier hilft ein Mediennutzungsvertrag.
  • Smartphones sollten aus Kinder- und Familienzimmern verbannt werden. Besonders beim Essen, bei den Hausaufgaben und beim Schlafen ist die Nutzung des Smartphones mindestens unhöflich, oft sogar ungesund. Eine „Smartphone-Garage“ im Flur kann schon hilfreich sein.
  • Welchen Umgang miteinander wollen wir in der Gruppe pflegen? Lästern über Dritte (egal ob Mitschüler, andere Eltern oder Lehrer) geht zum Beispiel gar nicht! Vereinbart für die Klassengruppe gemeinsam Regeln! Wie reagieren wir bei Gruppenverstößen?
  • Welche Inhalte teilen wir in der Gruppe? Je nach Definition kann man sich auch einigen, dass nur gruppenrelevante Inhalte, Themen und Infos verschickt und geteilt werden.
  • Um die Informationsflut zu steuern, kann es hilfreich sein, einen Moderator bzw. Admin für die jeweilige Gruppe zu benennen.
    Dieser ist auch sinnvoll, um zu kontrollieren, wer der Gruppe beitritt und regelmäßig zu überprüfen, ob alle Mitglieder noch rechtmäßig dabei sind.
    Bei sensiblen Informationen wie „Wann treffen sich unsere Kinder“ sollte man über diese Form der Kontrolle nicht nur nachdenken, sie ist fast ein MUSS!
  • Benachrichtigungen und Lesebestätigung ausschalten – auch das minimiert die Nachrichtenflut und somit den Stress.
  • Erwachsene sollten sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein! So wie wir den Messenger nutzen, nutzen ihn möglicherweise auch unsere Kinder.
    Regeln sollten für alle gelten.
  • „Außenstehende“ und Nicht-Smartphone-Nutzer nicht vergessen. Diese sind dankbar und haben es verdient, dass man sie auch ohne Messenger-Zugehörigkeit auf den neuesten Stand bringt, wenn Infos ausgetauscht werden. Das gilt für Kinder ebenso wie für Erwachsene!

Sind Sie, Ihre Kinder oder sogar Ihre ganze Familie auch betroffen von „fomo“ – kennen Sie das Problem mit der „Sofortness“?

  1. Machen Sie den Elterntest!
  2. Weitere Tipps: Wie kann man mit WhatsApp-Stress umgehen?
  3. Wie sinnvoll sind Apps, die die Smartphone-Nutzung monitoren?
    Ein Check von das ding.

Über Eva Borries

Eva Borries ist Diplom-Medienpädagogin und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung (zepf) an der Universität Landau. Außerdem arbeitet sie deutschlandweit als Referentin für Medienkompetenz. Sie entwickelt individuelle medienpädagogische Fortbildungen, Vorträge und Workshops.

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