Block B – Frauenknast Next Generation

RTL zeigt Block B – Unter Arrest in deutscher Erstausstrahlung ab dem 12. März, 21.15 Uhr.

Länger schon ist es her, dass die fast schon institutionelle RTL-Serie Hinter Gittern – der Frauenknast über die Bildschirme flimmerte und Walter alias Katy Karrenbauer ihre Muskeln spielen ließ. Fiction RTL und Ufa Serial haben mit Block B – Unter Arrest eine neue Frauengefängnisserie entwickelt, die vor allem über die Dramaturgie und mit hoch besetzten Schauspielerinnen überzeugen soll. Vorab habe ich mir die ersten drei Folgen angeschaut.

Die JVA Tempelhof bekommt Neuzugang von Beatrice Kröger (Gisa Zach). Was ihre zierliche Erscheinung nicht vermuten lässt, diese sitzt wegen Vergiftung, schwerer Körperverletzung, fahrlässiger Gefährdung anderer und versuchtem Totschlag. Umgehend wird sie mit den Hierarchien und brachialen Machtkämpfen konfrontiert, da die Insassinnen in zwei Lager geteilt sind. Gewalt und Unterdrückung stehen auf der Tagesordnung. Beatrice muss sich für eine Gangzugehörigkeit entscheiden und wird mit der Unversehrtheit ihrer Familie erpresst.

Anführerin der einen Gruppe ist die Nasen gepiercte, mit einem Herz auf der Brust tätowierte und äußerst harte Chris Wuttke (Claudia Gaebel). Als Kind von ihrem Vater im Stich gelassen und von ihrer Mutter misshandelt, kontrolliert sie nun den knastinternen Drogenhandel. Unter ihr versammelt sind u.a. Janina Romano (Ulrike Röseberg) und Gabi Reimers. Nachdem Romano ihr Kind, volltrunken bei einem Autounfall, verloren hat, kümmert sie sich nun um das einzige Gefängniskind, da die leibliche, drogenabhängige Mutter nicht mehr in der Lage dazu ist. Insassenvertreterin Gabi Reimers wird von Nina Hoger, bekannt aus öffentlich-rechtlichen Serien wie SOKO Leipzig und Um Himmels Willen, gespielt.

Wuttkes größte Feindin und Konkurrentin um die Führungsrolle ist die in die Jahre gekommene Rita Plattner. Diese regiert noch klassisch, auf die vornehme Weise und macht sich nie die Hände schmutzig. Sie trägt die Haare toupiert und den türkisfarbenen Einheitspullover lässig über die Schultern gehängt, als würde sie demnächst noch eine Partie Golf spielen. Die Rolle der Rita Plattner füllt Katrin Sass, berühmt aus Goodbye Lenin, mit Leben.

Höhepunkt der Auseinandersetzungen ist ein Faustkampf zwischen den rivalisierenden Frauengangs im Gefängnisinnenhof. Jemand nutzt die Gunst der Stunde und bringt währenddessen die Gefängnisleiterin gleich in der ersten Folge um. Die Frage nach der Mörderin zieht sich durch weitere Episoden. Die zweifache Grimme-Preisträgerin Claudia Michelsen hat somit als Leiterin der JVA eine vergleichsweise kurze Rolle.

RTL wirbt damit, dass die drei bekannten Schauspielerinnen Hoger, Sass und Michelsen noch nie im Privatfernsehen vor der Kamera standen und für schauspielerischen Anspruch sorgen. Block B – Unter Arrest ist allerdings eine Adaption der australischen Serie Wentworth. Im Vergleich fällt auf, dass die Figuren und die Handlung fast eins zu eins der Vorlage entnommen sind. Das tut der Spannung zwar keinen Abbruch, dennoch wünschte ich mir von deutschen Produktionen mehr Innovations- und Risikofreude, eigene Serienideen zu entwickeln.

Ein interessanter, dramaturgischer Einschub sind die Flashbacks, die den rauen Knastalltag aufbrechen und die Hintergründe einiger Insassinnen erzählen. So erhält der Zuschauer beispielsweise Einblick in Krögers Leben vor dem Knast. Sie wird von ihrem Mann geschlagen, erniedrigt und vergewaltigt und sieht in der Vergiftung ihres Mannes mit Autoabgasen einen letzten Ausweg. Ihrer Tochter zuliebe bricht sie die Aktion jedoch ab und ihr Mann überlebt.

Einige Täterinnen sind auch Opfer. Gut oder böse lassen sich nicht einfach voneinander trennen. Parallel dazu werden die Schicksale und Beziehungen der JVA-Beamten erzählt. Auch gesellschaftskritische Momente bekommen ihren Raum. Durch Personaleinsparungen und Kürzungen von Geldern geraten die Beamten im Umgang mit den Insassinnen an ihre Grenzen. Gelungen ist auch die Filmmusik. Ganz nach amerikanischem Vorbild steht sie qualitativ für sich und unterstreicht die Handlung.

Resümierend ist die Serie ein gelungenes und spannendes Format. Durch die komplexen Erzählstränge und vielschichtigen Figuren möchte man unbedingt mehr erfahren und bleibt dran. Einige Kleinigkeiten fielen auf:

Die schauspielerischen Leistungen und die Authentizität der Dialoge sind durchwachsen. Hier zeigt sich auch, wie wichtig die Wahl der Lichtstimmung und der Bildauflösung ist. Die Farben sind hell und freundlich. Das Bild wirkt zu „sauber“ und künstlich. Auch Details in der Maske, Kostüm und Requisite wirken konstruiert und nehmen der Szenerie und den Figuren etwas an Glaubwürdigkeit. Dies fällt vor allem in der Gegenüberstellung mit dem kalten und düsteren Gefängnis von Wentworth auf.

Block B – Unter Arrest ist für Zuschauer ab 12 Jahren geeignet. Im Prüfausschuss wurden mögliche Wirkungen der gezeigten körperlichen und psychischen Gewaltdarstellungen diskutiert. Die Prüferinnen und Prüfer kamen zu dem Ergebnis, dass die Szenen für ab 12-Jährige verkraftbar sind, da sie nicht vertieft gezeigt werden und als Fiktion klar erkennbar sind.

Zur ausführlichen ProgrammInfo auf der FSF-Website geht es hier.

Bitte beachten Sie: Bei den Altersfreigaben handelt es sich nicht um pädagogische Empfehlungen, sondern um die Angabe der Altersstufe, für die ein Programm nach Einschätzung der Prüferinnen und Prüfer keine entwicklungsbeeinträchtigenden Wirkungsrisiken mehr bedeutet.

Mehr Informationen zur Programmprüfung erhalten Sie auf unserer Website. Dort veröffentlichen wir jede Woche neue ProgrammInfos zum aktuellen Fernsehprogramm. Auch diese Auswahl stellt keine Empfehlung dar, sondern zeigt einen Querschnitt der Programme, die den Prüfausschüssen der FSF von den Mitgliedssendern vorgelegt werden.

Über Stefanie Kummer

Stefanie Kummer ist Absolventin der DEKRA Hochschule Berlin. Sie wurde nicht, wie zu vermuten, als Kfz-Mechatronikerin ausgebildet, sondern im Bereich der Film- und Fernsehproduktion. Nachdem sie „was mit Medien“ machen wollte, sollen jetzt auch noch Menschen, also Kinder dazukommen. Momentan arbeitet sie neben der Produktion an ihrem zweiten Standbein in der Medienpädagogik und kulturellen Bildung. Hierfür sammelte sie auch Erfahrungen und Qualifikationen als Praktikantin in der FSF.

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1 Kommentar zu “Block B – Frauenknast Next Generation

  1. Diese Knast-Serie ist die sinnloseste und beschissenste Serie die ich in 55 Jahren gesehen habe! Setzten sie diesen Blödsinn schnell wieder ab und kümmern sich über bessere Themen, wie z.Bsp. in meinem Büch „Lügen tun sie alle!“
    Mit den besten Grüßen Anita Nauen aus Neuss