Ein schlauer Kopf hängt in den Wolken

Proof

Auf TNT Glitz lässt sich ab heute, 21.00 Uhr, die Suche nach der Antwort auf die wohl weltbewegendste aller Fragen (abgesehen von 42, der Antwort auf alles natürlich) durch eine Spitzenchirurgin verfolgen.

Was haben wir denn da? Mit einigen Flashbacks gefüttert werden wir in einen leckeren Salat aus Grey‘s Anatomy, Gilmore Girls und Für alle Fälle Amy geworfen. Sogar die wilde Haarpracht ist einer Christina, Lorelei, Amy und eben Carolyn gleich. Apropos Carolyn: Die großen Rehaugen kennen wir doch noch aus den 80ern als Jennifer Beals als Sexsymbol in Flashdance das Ballett neu erfand. Es macht richtig Spaß, die Dame wieder in einer Hauptrolle zu sehen. Da haben sich der Creator Rob Braign und die Produzenten TNT und Kyra Sedgwick einen robusten Mix aus Mystery, Arztserie und Familiendrama einfallen lassen.

Dr. Carolyn Tyler (Jennifer Beals) ist Chirurgin und eine der Besten in ihrem Job. Dies lässt sie gern auch andere spüren, die sich im OP noch nicht so sicher bewegen wie sie selbst. Darunter fällt zunächst auch Zedan Badawi (Edi Gathegi), der sich allerdings schnell als perfekter Assistent auch für folgende unseriöse Wissenschaften erweist. Für den Zuschauer zeigt sich Zed als trockene ehrliche Type mit Selbstironie. Er ist somit der perfekte Ausgleich zu den sich sehr ernstnehmenden und von sich überzeugten übrigen Figuren. Ebenfalls im Krankenhaus beschäftigt ist Dr. Len Barliss (David Sutcliffe), Carolyns Exmann. Die beiden hatten zwei Kinder, die selbstbewusste Sophie Barliss (Annie Thurmann) und Will (Jared Ager-Foster) – Sophie ist ihnen geblieben. Der Verlust ihres Sohnes Will bei einem Schiffsunglück jedoch belastet die Familie seit Längerem. Es gibt viele wunde Stellen, die sie empfindsam und reizbar machen, doch ebenso zueinander verbundener.

Dr. Tyler wird vom höchsten Kopf des Krankenhauses (Joe Morton) zu Ivan Turing (Matthew Modine) gebeten, einem Mogul in der technischen Entwicklung und Multi-Milliardär mit gutem Geschmack. Dieser berichtet ihr von seinem Krebsleiden. Doch anstatt sie so dazu zu bringen, ihn zu behandeln, ist dies seine Art, ihr ein Angebot zu machen: Er setzt sie in sein Testament – für alles, seinen gesamten Besitz – wenn sie einer Sache für ihn nachgeht: der Frage, ob es ein Leben nach dem Tod gibt. Was das Resultat ergibt, sei irrelevant, wichtig sei allein die Tatsache, dass es Beweise gebe. Der nur der Wissenschaft vertrauenden Carolyn kommt dies hirnrissig vor, doch ihre Erinnerungen und Halluzinationen an ihren verstobenen Will und ihre eigene Nahtoderfahrung lassen sie zögern. Zudem ist Sophie von der Idee vollkommen begeistert. Als Ivan Carolyn zu einem kleinen Mädchen namens Lilly (Ava Telek) verweist, die in ihrem Koma meinte, verstorbene Familienmitglieder gesehen zu haben, die sie gar nicht kennen konnte, ist Carolyns Motivation erwacht …

Neben den großen Fragen des Lebens nach Faith oder Proof wird natürlich auch in dieser Dramaserie die große Frage nach der Liebe aufgeworfen: also das typische whowillmakeit? Neben Carolyns Exmann, dem ironischen Zed und dem smarten Milliardär Ivan gibt es noch eine weitere funkensprühende Figur: Peter Van Owen (Callum Blue) ist schwer im spirituellen Business unterwegs und besitzt keine Spur von Berührungsangst. Als Medium fungierend hat er es schon in sämtliche Talkshows Amerikas geschafft. Es sieht nach einigen Flirtereien zwischen Carolyn und den Charakteren männlichen Geschlechts aus. So lässt sich nur wünschen, dass die verstaubten Familienwerte Amerikas im Zeitalter des Bewegtbildes in der Mottenkiste bleiben und wir von einer Familienzusammenführung verschont werden. Wobei, wenn man sich die erst genannten Serienbeispiele anschaut: Es gibt Hoffnung.

Proof scheint ein deutliches Ziel zu besitzen: sich als erste Serie zu trauen, ein klares Bild zu zeichnen von „dem, was danach kommt“, falls etwas danach kommt. Nachdem sich selbst Six Feet Under mit Würde um eine Aussage schlich und mit den Zuschauererwartungen spielte, wage ich jedoch zu bezweifeln, dass einfach mal gezeigt wird, was sich der Creator so denkt. Doch wer weiß …? Es bleibt also spannend, ob diese Serie mal etwas wagen wird oder nicht.

FSF: Freigegeben ab …
Die FSF prüfte die ersten drei Episoden der Dramaserie und bewertete sie unterschiedlich. Die Frage, ob es ein Leben nach dem Tod gibt und ob bzw. wie man dies beweisen kann, wird in der Serie vorwiegend auf der Dialogebene aufgegriffen. Auf der Bildebene sind dramatisch inszenierte Operationsszenen mit z.T. blutigen Details enthalten, die jüngere Kinder ängstigen können und für eine Tagesprogrammierung bearbeitet werden müssen. Kurze Bilder von Rettungsszenen (z.B. nach einem Tsunami) können dagegen, sofern sie dezent inszeniert sind, auch jüngeren Zuschauern zugemutet und im Tagesprogramm gezeigt werden. Episoden mit drastischeren Darstellungen von Gewalt (z.B. Kriegsszenen, brutale Feuergefechte, eindringliche Bilder von Unfällen oder Tod) überfordern jüngere Zuschauer massiv, so dass frühestens eine Freigabe ab 12 Jahren und eine Ausstrahlung im Hauptabendprogramm in Betracht kommt.

Zu dieser und weiteren ProgrammInfos auf der FSF-Website geht es hier.

Der Sender TNT Glitz darf alle Episoden der Serie auch schon vor 20.00 Uhr ausstrahlen, weil er als Pay-TV-Anbieter eine Jugendschutzsperre aktivieren kann, die von den Zuschauern mit der Eingabe einer Jugendschutz-PIN freigeschaltet werden muss. Somit gelten die üblichen Sendezeitbeschränkungen und Schnittauflagen nicht. Weitere Informationen zu Vorschriften und Anforderungen an digitale Vorsperren als Alternative zur Vergabe von Sendezeitbeschränkungen sind im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (§ 5 Abs. 3 Nr. 1; § 9 Abs. 2 JMStV) sowie in der Jugendschutzsatzung der Landesmedienanstalten (§ 2 bis § 5 JSS) zu finden.”

Hinweis zu den aktuellen FSF-ProgrammInfos:
Bitte beachten Sie, bei den Altersfreigaben handelt es sich nicht um pädagogische Empfehlungen, sondern um die Angabe der Altersstufe, für die ein Programm nach Einschätzung der Prüferinnen und Prüfer keine entwicklungsbeeinträchtigenden Wirkungsrisiken mehr bedeutet.

Mehr Informationen zur Programmprüfung erhalten Sie auf unserer Website. Dort veröffentlichen wir jede Woche neue ProgrammInfos zum aktuellen Fernsehprogramm. Auch diese Auswahl stellt keine Empfehlung dar, sondern zeigt einen Querschnitt der Programme, die den Prüfausschüssen der FSF von den Mitgliedssendern vorgelegt werden.

Über Henrike Rau

Henrike Rau studierte Architektur an der Universität Kassel. Danach begann sie ein Studium der Digitalen Medienkultur an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF und arbeitet aktuell an ihrem Master in Medienwissenschaften. Neben Uniprojekten wie Sehsüchte, der Kinderfilmuni oder Kooperationen mit dem Filmmuseum Potsdam haben Praktika beim UFALab und bei der FSF ihre Ausbildung mit Praxis belebt.

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