Klingonisch klingt für wirkliche Außerirdische komisch

Nach einem interstellaren Krieg sehen sich Menschen und Außerirdische mit den Problemen des Zusammenlebens konfrontiert.

Tele 5 startet am 2. Oktober 2014 um 20.15 Uhr mit der Ausstrahlung der neuen US-amerikanischen Science-Fiction-Fernsehserie Defiance in deutscher Free-TV-Premiere.
Ich habe mir drei Folgen angeschaut, was meinen Bezug zu dem Begriff „Multi-Kulti“ und „Menschen mit Migrationshintergrund“ nochmal verändert hat.

Man stelle sich vor: Berlin in naher Zukunft – ist ein schrecklicher Ort. Kriege werden jetzt nicht mehr zwischen Völkern und Ländern geführt, sondern zwischen Planeten und Sternen. Die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der Menschheit und verschiedenen Alienrassen ziehen sich über viele Jahre. Die Stadt liegt in Schutt und Asche. Nur einige Häuser sind unversehrt geblieben. Neben dem Fernsehturm ganz klar auch das Gebäude der FSF. Doch neues Leben blüht aus den Ruinen. Die irdischen und außerirdischen Überlebenden wollen die Stadt gemeinsam aufbauen und ihr zu neuem Glanz verhelfen. Auch Wowereit, vor vielen Jahren zurückgetreten, kandidiert erneut – nun fast 90-jährig – für das Amt des Bürgermeisters, um beim Wiederaufbau zu helfen.
Derweil im amerikanischen St. Louis ist man schon ein paar große Schritte weiter. Die alte Stadt ist nur noch durch das Wahrzeichen, den Gateway Torbogen, zu erkennen. Durch das Prinzip des Terraformings wurden Teile der oberen Erdkruste geschmolzen, weswegen einige Bereiche der Stadt immer noch intakt in einer Luftblase unterhalb der neuen Erdoberfläche liegen. St. Louis heißt jetzt Defiance und verfügt über eine gute Infrastruktur. Abhängig von der gesellschaftlichen Schicht reichen die Behausungen von einfachen Zeltlagern bis hin zu luxuriösen Ufo-Villen. Auch in der Zukunft gibt es ein großes Gefälle zwischen arm und reich. Gerade daraus ergeben sich einige Herausforderungen für die um Frieden bemühte junge Bürgermeisterin Amanda Rosewater.

Neben den monetären Unterschieden haben die neuen Einwohner auch verschiedene kulturelle Hintergründe mit anderen Sprachen, Werten und Regeln. In der Stadt leben beispielsweise die Casthitaner – für einen heutigen Europäer wohl eher ein reaktionäres Volk – in einem strengen Kastensystem. Folter ist eine übliche und geschätzte Methode zur spirituellen Reinigung und Bestrafung bei Missetaten. Optisch haben sie mit ihren schlohweißen Haaren, heller Haut und Augen albinotische Züge.
In der zweiten Episode wird Defiance von roboterähnlichen, reptilienartigen Wesen angegriffen, den Volge. Genauso wie die Spezies der BioMan sind sie leicht manipulierbare Riesen und werden oft von anderen Aliens als Handlanger für sogenannte Drecksarbeiten eingesetzt. Eine eher nomadisch lebende, außerirdische Ethnie sind die Irathier, einige von ihnen sind umherziehende Freigeister mit eigenen Gesetzen und Riten.

Es ist also keine leichte Aufgabe für die Bürgermeisterin, allen Kulturen gerecht zu werden und die intergalaktisch unbekannten Grundrechte zu wahren. Unterstützt wird sie vom neuen Gesetzeshüter Sheriff Joshua Nolan und seiner irathischen Adoptivtochter Irisa Nyira. Gemeinsam kämpfen sie gegen Waffenschmuggel, Drogenhandel und Hellbugs, eine Art menschenfressender Monsterkäfer.
Neben den alltäglichen Problemen und Intrigen sorgt vor allem das Machtstreben einiger Personen für Konflikte, welches eng in Verbindung mit dem Besitz der städtischen Mine steht. Momentan gehört sie Rafe McCawley. Dieser findet einen mysteriösen goldenen Gegenstand. Der Korpus ist auch auf Wandmalereien in der Mine abgebildet und scheint von großer Bedeutung. Jetzt stellt sich die Frage: Was ist des Rätsels Lösung und wird dies eventuell Auswirkungen auf Defiance haben?

Mit dieser Frage zurückgelassen, möchte ich jetzt schon gern wissen wie es weitergeht und werde wieder einschalten. Das erste Kriterium einer erfolgreichen Serie ist schon mal erfüllt. Inhaltlich sehr interessant finde ich die Darstellung der heterogenen Gesellschaft und ihre Konfliktlösungen. Auch in vielen Millionen Jahren, im Falle es gibt dann noch Leben auf der Erde, müssen demokratische Normen stetig diskutiert und neu verhandelt werden. Neben diesem dramaturgischen Aspekt gefiel mir die bildliche Gestaltung, der spannungs- und actionreichen Serie. Das Setting der utopischen Erde und ihre außerirdischen Einwohner sind sehr gelungen über Computeranimationen sowie Kostüm und Maske inszeniert.

Die FSF gab die senderseitig bearbeitete Serie Defiance für Zuschauer ab 12 Jahren verbunden mit einer Ausstrahlung im Hauptabendprogrammm ( 20.00 – 22.00 Uhr) frei. Im Prüfausschuss wurden mögliche Wirkungen der gezeigten Gewalt diskutiert. Die Prüferinnen und Prüfer kamen zu dem Ergebnis, dass die relevanten Szenen aufgrund ihrer Kürze und visuellen Darstellung nicht das hauptabendprogrammtaugliche Maß überschreiten, ab 12-Jährigen die nötige Genrekompetenz zugesprochen wird, diese Bilder klar zuzuordnen. Die Handlung ist erkennbar fiktiv und im Fantastischen angesiedelt. Zur ausführlichen ProgrammInfo auf der FSF-Website geht es hier.

Bitte beachten Sie: Bei den Altersfreigaben handelt es sich nicht um pädagogische Empfehlungen, sondern um die Angabe der Altersstufe, für die ein Programm nach Einschätzung der Prüferinnen und Prüfer keine entwicklungsbeeinträchtigenden Wirkungsrisiken mehr bedeutet.

Mehr Informationen zur Programmprüfung erhalten Sie auf unserer Website. Dort veröffentlichen wir jede Woche neue ProgrammInfos zum aktuellen Fernsehprogramm. Auch diese Auswahl stellt keine Empfehlung dar, sondern zeigt einen Querschnitt der Programme, die den Prüfausschüssen der FSF von den Mitgliedssendern vorgelegt werden.

Über Stefanie Kummer

Stefanie Kummer ist Absolventin der DEKRA Hochschule Berlin. Sie wurde nicht, wie zu vermuten, als Kfz-Mechatronikerin ausgebildet, sondern im Bereich der Film- und Fernsehproduktion. Nachdem sie „was mit Medien“ machen wollte, sollen jetzt auch noch Menschen, also Kinder dazukommen. Momentan arbeitet sie neben der Produktion an ihrem zweiten Standbein in der Medienpädagogik und kulturellen Bildung. Hierfür sammelte sie auch Erfahrungen und Qualifikationen als Praktikantin in der FSF.

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