Antisemitismus im Netz

Wo beginnen die Grenzen der Meinungsfreiheit?

 

Üble Nachrede im Internet ist ein weit verbreitetes Problem, das sich oft auch gegen ganze Gruppen richtet. Seit einiger Zeit trifft es das Judentum: Antisemitismus ist im Internet mittlerweile omnipräsent und schwer einzudämmen. Der Holocaust ist für viele Leute scheinbar kein dunkles Kapitel in der Geschichte Deutschlands, sondern eine große Erfindung. Es kursieren erschreckend viele solcher Theorien, wogegen dringend vorgegangen werden sollte.

 

Die Freiheit des Internets bietet uns allen die Möglichkeit, Inhalte zu verbreiten. Was in Zeiten der Meinungsfreiheit ein wichtiger Grundsatz ist, bringt leider auch Nachteile mit sich. Dass Bilder, Videos und Artikel zensurfrei veröffentlicht werden können, ist – global betrachtet – keine Selbstverständlichkeit. Deutschland ist das Land mit dem vierthöchsten Grad an Internetfreiheit, wofür wir sehr dankbar sein können. Allerdings kann zu viel Freiheit bekanntlich auch negative Folgen haben.

 

Was ist Hassrede und wo taucht sie auf?

Problematisch wird diese Freiheit nämlich dann, wenn die Verhaltensweisen verrohen und Nutzerinnen und Nutzer dermaßen respektlos werden, dass andere Leute dadurch beleidigt oder gar bedroht werden. Im Netz können unter Pseudonym alle möglichen Halbwahrheiten und Aussagen verbreitet werden, die man sich „in echt“ vielleicht nicht zu äußern trauen würde. Äußerungen dieser Art fallen unter den Begriff  Hate Speech. Er beschreibt Angriffe auf Gruppen oder Einzelpersonen, die durch Attribute wie Religion, sexuelle Orientierung und Geschlecht, Nationalität und Hautfarbe herabgewürdigt werden. Hate Speech schürt Hass, grenzt Leute aus und missachtet jegliche Form von Menschenwürde und Respekt.

 

Antisemitische Inhalte

Eine Form der Hassrede, die in den letzten Jahren vermehrt vorkommt, fördert Antisemitismus. Der Antisemitismus-online-2.0-Report von jugendschutz.net (PDF) hat gezeigt, dass Antisemitismus mittlerweile zum festen Bestandteil im Netz geworden ist, sodass Hetze gegen das Judentum fast schon Normalität erlangt hat. Verantwortlich dafür sei die „unreflektierte und unkritische Onlinekommunikation, die Stereotype und Hass reproduziert“. Oftmals werde der jüdische Glaube auch dafür missbraucht, globale Missstände zu erklären und Verschwörungstheorien zu begründen. Die Behauptungen gehen so weit, dass Israel als Terrorstaat ausgerufen und der Holocaust geleugnet wird.

Photo by Jon Tyson on Unsplash

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Wo und wie wird Hate Speech verbreitet?

Schriftliche Abfälligkeiten finden sich vor allem in den Kommentarspalten, wo alle Nutzerinnen und Nutzer ihre Meinung zum jeweiligen Thema hinterlassen können. Dabei geht es bekanntermaßen nicht immer nur freundlich zu – Leute fühlen sich im Internet selbstbewusster und scheuen sich nicht, offen ihre Ansichten zu teilen. Dabei können politisch extreme Meinungsbilder verbreitet werden, für die wohl besonders junge Leute anfällig sind:

„Mit emotionalisierenden Ansprachen und Bildern, gezielten Umdeutungen und subtilen Manipulationen werden Jugendliche für antisemitische Verschwörungstheorien geködert. Insbesondere die vermeintlich einfachen Erklärungen für komplexe Phänomene stellen ein Attraktivitätsmoment dar.“

(hass-im-netz.info)

Antisemitische Hetze im Netz ist eben sehr präsent und wird scheinbar harmlos verpackt an junge Nutzerinnen und Nutzer herangetragen, die sich schnell dafür begeistern können, denn: auf der Suche nach Orientierung in einer komplexen Welt können Verschwörungstheorien als simple Erklärung für allerlei Missstände dienen.

 

Was kann zur Prävention getan werden?

Von Seiten der Plattformbetreibenden sollten Inhalte stärker kontrolliert werden, um rechtswidrige Inhalte früh erkennen und löschen zu können. Aber auch die Kommentarfelder sollten beobachtet werden – im besten Fall werden sie kontinuierlich moderiert, damit Fehlverhalten direkt korrigiert werden kann. Außerdem könnte über die „Siehe auch“-Rubrik sichergestellt werden, dass nach politisch ‚fragwürdigen‘ Inhalten welche vorgeschlagen werden, die von aufklärerischem Inhalt sind (schau-hin)

Möglicherweise könnten auch die Regelungen des NetzDGs (das für verschärfte Kontrolle und Löschung von rechtswidrigen Inhalten sorgen soll) schon bald die Anzahl von antisemitischen Beiträgen im Internet vermindern. Denn mit den gestern und im März von der Bundesregierung beschlossenen Änderungen am NetzDG sollen einigen der kritisierten Aspekte Rechnung getragen werden. Zum Beispiel, indem Nutzerinnen und Nutzern sozialer Netzwerke mehr Rechte zugesprochen werden, u.a. wenn sie „online massiv angegriffen werden“. So sollen auch schwere Vergehen wie Morddrohungen und Volksverhetzung von den Plattformbetreibenden an das BKA gemeldet werden. Die beschlossenen Änderungen müssen allerdings noch durch den Bundestag verabschiedet werden.

Die Prävention beginnt aber schon bei der Erziehung: Eltern sollten soziale Grundwerte vertreten und vermitteln sowie ihren Kindern somit in Offenheit und Toleranz als Vorbild dienen. Darüber hinaus können sie mithilfe von Jugendschutz- und Filterprogrammen einschränken, welche Art von Inhalten und Informationen an ihre Kinder herangetragen werden. Und wir alle können dazu beitragen, dass antisemitische Inhalte weniger verbreitet werden: Statt bei rassistischen und diskriminierenden Kommentaren nur den Kopf zu schütteln, sollten die Beiträge gemeldet werden. So kann der Hass im Netz vielleicht langsam vertrieben werden.

 

Quellen/weiterführende Artikel:

Alle Links wurden zuletzt abgerufen am 02. April 2020.

Über Lea Gangloff

Lea Gangloff hat Germanistik und Anglistik studiert und ist nun im Master für Literatur und Medien. Durch ein Praktikum bei der FSF orientiert sie sich weg von der Literatur und hin zu den Medien, um so die Weiten der Fernsehwelt kennenzulernen.

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