YouTube: No risk, just fun?

YouTube ist, das zeigte bereits der erste Teil unserer YouTube-Serie YouTube macht auf Politik: LeFloid trifft Merkel, auf dem Vormarsch und nimmt in den Medienwelten Heranwachsender einen omnipräsenten, multifunktionalen Stellenwert ein. Und zwar bereits in der Grundschule.
Junge Menschen verweilen stundenlang bei YouTube und partizipieren anders als früher – zu Zeiten, als YouTube ein reines „Zwei-Clips-schauen-wieder-rausklicken-Videoportal“ war.

© kolessl - Fotolia.com
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Es lohnt sich daher, Erwachsene, Pädagogen und Eltern, die noch die „alte“ Nutzung von YouTube kennen, auf mögliche (neue) Fallstricke und Gefahren hinzuweisen. Welche Risiken warten bei YouTube neben all dem Spaß? Nehmen wir uns drei ausgewählte Aspekte vor:

Produktplatzierung und Werbung

YouTuber zeigen ihren Fans die Welt hautnah, persönlich, authentisch und – zumindest augenscheinlich – unverstellt. Unverstellt?, muss man kritisch fragen, denn es kommt immer wieder vor, dass Beiträge erkauft und bewusst platziert sind – denn damit lässt sich richtig Geld verdienen. Werbung – direkt oder indirekt – nimmt bei YouTube heute einen riesigen Stellenwert ein und verändert das Portal immer mehr. Dem Vorwurf der Produktplatzierung in ihren Videos, also dem indirekten Vermarkten/Empfehlen von Produkten, mussten sich bereits einige YouTube-Stars stellen. Das Problem: Sie hatten diese Platzierungen nicht gekennzeichnet. Die Frage ist, ob junge Nutzerinnen und Nutzer zwischen Werbung und echten Empfehlungen, zwischen Produktplatzierung (Product Placement) und Vermarktung unterscheiden können. Können sie nämlich häufig (noch) nicht, besonders in der Grundschule ist die Werbekompetenz von Kindern noch unzureichend ausgeprägt. Ein Grund mehr, sich mal gemeinsam mit dem eigenen Kind ein paar Clips anzusehen und gemeinsam zu entschlüsseln, wo sich überall Werbung versteckt.

Selbstdarstellung im eigenen Kanal? Keine leichte Entscheidung

Ein YouTuber zu werden, davon träumen viele Heranwachsende: Das große Geld verdienen und berühmt werden. Ein eigener Kanal ist mit wenigen Klicks erstellt, das erste Video mit dem Smartphone schnell aufgenommen. Es ist also kein Wunder, dass ich bereits Grundschulkinder kennenlerne, die eigene Videos onlinestellen und sich im Netz auf diese Art der ganzen Welt präsentieren. Was mich überrascht: in den wenigsten Fällen wissen die Lehrer oder Eltern darüber Bescheid. Und das ist nicht ohne, denn Kinder und Jugendliche können nur bedingt die Tragweite einer solchen Onlinepräsenz abschätzen. Die Frage, ob die Videos auch in einigen  Jahren noch für alle verfügbar sein dürfen, stellen sie sich oft nicht. Diese Reflexion müsste gemeinsam mit Erwachsenen erfolgen. Daher mein Appell an alle Eltern: Wenn Eure Kinder YouTube nutzen, dann geht nicht davon aus, dass sie nur rezipieren, sondern dass sie vielleicht auch schon produzieren und ihr wisst nichts davon. Idealerweise entscheidet ihr gemeinsam (und zwar vorher), ob der richtige Zeitpunkt für dieses Vorhaben ist. Was möchte das Kind veröffentlichen und worauf muss es achten? Welche Privatsphäre (z.B. das eigene Zimmer oder das Haus der Familie) soll gewahrt werden – wie will es sich darstellen? Womit muss ich rechnen, wenn ich etwas mit anderen teile?

Hater, Shitstorms und schlechte Stimmung

Denn ebenso relevant für die Entscheidung, ob ich mich bei YouTube repräsentiere: Was erwartet mich dort? Im besten Fall warten Anerkennung, Likes und wertschätzende Rückmeldung. In der Realität geht es aber auch anders zu. Auch bei YouTube herrscht eine ausgeprägte Shitstorm-Kultur, vor der niemand wirklich geschützt werden kann. Besonders Mädchen bzw. weibliche YouTuberinnen sind von verbalen Angriffen häufig betroffen, wie eine aktuelle Bestandsaufnahme[1] der Medienwissenschaftlern Nicola Döring zeigt. Viele YouTuber setzen sich daher öffentlich gegen jede Form von Cybermobbing auf YouTube ein und setzen damit als Vorbilder ein wichtiges Zeichen. Auch in Schule und Familie müssen wir fortwährend thematisieren, wie wir (virtuell und offline) miteinander umgehen. Die Frage, wie wir – egal ob auf YouTube, bei Facebook oder auf Spiegel online, egal ob zu einem lustigen Video oder zur aktuellen Flüchtlingsdebatte in Deutschland – kritisch-konstruktiv unsere Meinung verkünden, ohne verletzend oder gar grenzüberschreitend zu sein, ist wichtiger denn je und eine Aufgabe, die alle angeht.

[1] Döring, N. (2015). Die YouTube-Kultur im Gender-Check. merz – medien + erziehung, zeitschrift für medienpädagogik, 59 (1), 17-24.

Über Eva Borries

Eva Borries ist Diplom-Medienpädagogin und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung (zepf) an der Universität Landau. Außerdem arbeitet sie deutschlandweit als Referentin für Medienkompetenz. Sie entwickelt individuelle medienpädagogische Fortbildungen, Vorträge und Workshops.

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