Der „War on Drugs“ in Serie

Der „War on Drugs“ ist ein aktuelles Thema: Zwei Filme und eine Serie, die in diesem Herbst gestartet sind, beschäftigen sich mit dem Kampf der Amerikaner gegen die Drogen. Mit ihnen beginnt die Anerkennung des Scheiterns auch in der Fiktion.

Im Folgenden finden Sie einen Ausschnitt aus dem tv diskurs-Artikel (4/2015) Der „War on Drugs“ im amerikanischen Film von Sonja Hartl, in dem sie sich zur angesprochenen Thematik und deren Umsetzung im Serienformat äußert. Der gesamte Artikel kann hier als PDF abgerufen werden.

Per Klick vergrößerbar: Wagner Moura as Pablo Escobar in the Netflix Original Series "Narcos." in: Narcos - Season 1 - Production Stills 02; Photo credit: © Daniel Daza/Netflix
Narcos: Wagner Moura as Pablo Escobar © Daniel Daza/Netflix

Der „War on Drugs“ in Serie

Mit Sicario und Cartel Land sind ein fiktionaler sowie ein Dokumentarfilm nah an der Wirklichkeit, zugleich erweitern beide Filme narrative Muster und zeigen die Aussichtslosigkeit. Denn – wie es in Cartel Land heißt – der „War on Drugs“ ist eine „Never-Ending Story“. Nun würde sich das Serienformat für diese komplexe, nicht endende Geschichte hervorragend eignen: Es gäbe ausreichend Zeit, sie zu entfalten und zu erzählen. Doch die meisten nordamerikanischen Serien konzentrieren sich auf wenige Aspekte des „War on Drugs“, in dem Einzelne in den Mittelpunkt gestellt werden – seien es eine Dealerin (Weeds), ein „meth cook“, der zum Drogenboss wird (Breaking Bad), oder ein DEA-Undercoveragent (Drug Wars: The Camarena Story). Eine Ausnahme bildet die Serie Traffic, die sich aber an Soderberghs gleichnamigen Film und die britische Serie Traffik anlehnt. Als exemplarisch gilt indes weiterhin das Format The Wire, in dem Serienschöpfer David Simon den „War on Drugs“ am Beispiel Baltimores zeigt und das Scheitern sowie die Hilflosigkeit der öffentlichen Hand eindrucksvoll erzählt.

Per Klick vergrößerbar: (l-r) Wagner Moura as Pablo Escobar, Julian Bustamante and Paulina Gaitan star in the Netflix Original Series "Narcos." in: Narcos - Season 1 - Production Stills 08; Photo credit: © Daniel Daza/Netflix
(l-r) Wagner Moura, Julian Bustamante, Paulina Gaitan in „Narcos“ © Daniel Daza/Netflix

Mit der Netflix-Serie Narcos hätte nun ein neues Kapitel der Drogenserien geschrieben werden können: In zehn Folgen erzählt sie die Lebensgeschichte Pablo Escobars, dessen Aufstieg und Fall mit der Verbreitung des Kokains in den USA, einer Verschärfung der Drogenpolitik, mit einer Ausweitung der Ermittlungen gegen Drogen sowie der engen Verbindung aus Drogen- und Sicherheitspolitik verbunden sind. Tatsächlich zeigen sich Serienschöpfer Carlo Bernard, Chris Brancato und Doug Miro in den ersten beiden Folgen ambitioniert und lassen sie zu einem Parforceritt durch die US-amerikanische Drogenpolitik der 1970er-Jahre werden, stets begleitet von einem oftmals ironischen Off-Kommentar der – neben Pablo Escobar (Wagner Moura) – zweiten Hauptfigur, dem DEA-Agenten Steve Murphy (Boyd Holbrook). Auch in den folgenden Episoden werden immer dokumentarische Szenen montiert, die die Authentizität des Gezeigten verstärken sollen.

Jedoch bleibt durch den beständigen Off-Kommentar zu wenig Raum für eigene Gedanken, zumal sich die Serie nicht entscheiden kann, ob sie von dem rauschhaften Lebensgefühl der 1970er- und 1980er-Jahre oder den gewaltvollen Jahrzehnten erzählen will. Wichtige Stationen werden abgehandelt statt exploriert. Immerhin verweist Narcos sehr deutlich auf den Zusammenhang zwischen Drogen- und Sicherheitspolitik und die Rolle, die der Kommunismus jahrelang beim Vorgehen gegen die Drogenkartelle gespielt hat.
Narrativ und visuell verbleibt die Serie indes bei dem seit den 1970er-Jahren bekannten Schema einer Gruppe aufrechter Ermittler, die mit allen Mitteln gegen einen Drogenboss vorgehen wollen.

Es ist somit ausgerechnet das oftmals als innovativ hochgelobte Serienformat, das bei der Behandlung des „War on Drugs“ noch Nachholbedarf hat – Breaking Bad zum Trotz.

Der vollständige Artikel, mit Bezugnahme auf den Aspekt „War on Drugs“ im Film, kann hier heruntergeladen werden. Mehr zu den Serien Narcos oder Prófugos – Auf der Flucht im Blog, weitere Artikel aus der aktuellen tv diskurs finden Sie auf unserer Website.

Über Sonja Hartl

Sonja Hartl studierte Deutsche Sprache und Literatur, Medienwissenschaft und Sozial- und Wirtschaftsgeschichte in Marburg und schreibt seither als freie Journalistin über Film, Fernsehen und Literatur. Außerdem betreibt sie das Blog Zeilenkino und ist Chefredakteurin von Polar Noir.

Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *