#News – Wenn der Newsfeed zur Nachrichtenquelle wird

Soziale Medien nehmen im Netzalltag von Jugendlichen eine wichtige Rolle ein. Dabei geht es jedoch nicht mehr nur um Unterhaltung oder Vernetzung mit anderen – nein, soziale Medien werden von Jüngeren verstärkt auch zur Information und als Nachrichtenquelle genutzt. Dies geht aus dem aktuellen Reuters Institute Digital Report hervor, der bereits seit mehreren Jahren die Nachrichtennutzung im internationalen Vergleich untersucht. 2020 wurde nun der neunte Bericht veröffentlicht. Hierfür wurden zeitgleiche Befragungen in 40 Ländern durchgeführt. Die Ergebnisse der deutschen Teilstudie wurden vom Leibniz-Institut für Medienforschung in Hamburg erarbeitet.

 

Soziale Medien als wichtige Nachrichtenressource für Jugendliche

Die Befragungen in Deutschland zeigen, dass nach wie vor ein hohes Nachrichteninteresse besteht, dem regelmäßig nachgegangen wird. So gaben 94 Prozent der Befragten an, Nachrichten mindestens mehrmals pro Woche zu konsumieren. Insbesondere in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen wird ein zunehmendes Interesse an Nachrichten erkenntlich.

Zwar wird deutlich, dass das klassische Fernsehen noch immer die reichweitenstärkste Nachrichtenquelle ist, dennoch werden auch soziale Medien immer häufiger zur Nachrichtenrezeption herangezogen. Gerade unter 25-Jährige nehmen soziale Medien als wichtige Nachrichtenressource wahr. Während im Vorjahr 22 Prozent angaben, dass soziale Medien ihre wichtigste Nachrichtenquelle seien, sind es 2020 bereits 30 Prozent. Gleichzeitig stellen soziale Medien gerade für diese Altersgruppe einen primären Zugang zu Informationen dar.

 

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay
Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Die wachsende Beliebtheit von Social-Media-Nachrichtenquellen ist wohl kaum überraschend. Auf YouTube, einem der liebsten Internetangebote von Heranwachsenden, tummeln sich unzählige Videos über Politik oder aktuelle gesellschaftliche Debatten. Rezos Videos zur „Zerstörung der CDU“ oder der deutschen Presse sind nur einige prominente Beispiele. Neben YouTube kommen Nutzerinnen und Nutzer auch auf WhatsApp und Facebook mit Nachrichten in Kontakt. Facebook wird dabei tendenziell am häufigsten zum regelmäßigen Nachrichtenkonsum genutzt. Gleichzeitig offenbart die Studie, dass insbesondere die Facebook-Nutzung mit der Verbreitung von Fake News und irreführenden Informationen verknüpft wird.

 

Ambivalentes Verhältnis zu Facebook und Co.

Insgesamt zeigen die Studienergebnisse, dass Nutzerinnen und Nutzer ein eher widersprüchliches Verhalten zu sozialen Netzwerken haben. Zwar werden diese häufiger zur Nachrichtennutzung herangezogen, gleichzeitig wird den Nachrichten auf Facebook und Co. ausgesprochen wenig Vertrauen entgegengebracht. Konkret hat jede/-r Zweite kein Vertrauen gegenüber Social-Media-Nachrichten. Fast 40 Prozent der Befragten befürchtet zudem, auf Fake News im Onlinebereich hereinzufallen, wobei Altersunterschiede deutlich werden. So sind vor allem jüngere Altersgruppen überzeugt, Fakten und Falschmeldungen kompetent unterscheiden zu können.

Gerade soziale Netzwerke bieten Nutzerinnen und Nutzern die Möglichkeit, sich an aktuellen Nachrichtendebatten zu beteiligen. Dennoch zeigen die Befragungen, dass sich nur ein geringer Anteil der Onlinenutzenden tatsächlich aktiv in die Nachrichtenberichterstattung einbringt. So werden Beiträge auf Social Media eher geliket und geteilt und kaum bis wenig kommentiert.

 

Nachrichtennutzung in Zeiten von Corona

Die Studie untersuchte ebenfalls die Nachrichtennutzung vor und während der Coronakrise 2020. Dabei wurde ersichtlich, dass die Nutzung von Radionachrichten und gedruckten Erzeugnissen etwas rückläufig ist. Hingegen wurden mehr Nachrichten im linearen Fernsehen oder auf Onlineseiten etablierter Medienhäuser rezipiert. Auch wurden soziale Medien insbesondere von jüngeren Nutzerinnen und Nutzern verstärkt genutzt, um sich über das Coronavirus zu informieren. In der Altersgruppe der unter 25-Jährigen wurde dabei vor allem auf YouTube und Instagram zurückgegriffen.

 

Quellen:

 

Über Lena Wandner

Lena Wandner studierte Kommunikationswissenschaft und Romanistik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, bevor sie ihren Master in Kinder- und Jugendmedien an der Universität Erfurt begann. Ihr Interesse gilt insbesondere der Medienwirkungsforschung und dem Jugendmedienschutz, weswegen sie sich auch für ein Praktikum bei der FSF entschied, zeitweise als freie Blogautorin arbeitete und seit März 2020 als studentische Hilfskraft für uns tätig ist.

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