Alte und neue Medien im kindlichen Alltag – KIM Studie 2018

Seit 20 Jahren liefert die KIM-Studie des medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest repräsentative Daten zur Mediennutzung von Kindern im Alter 6-13 Jahre. Die Studienergebnisse aus Mai/Juni 2018 sind nun im Mai 2019 veröffentlicht worden und online abrufbar. Befragt wurden 1.231 Kinder und deren Eltern.

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Fernsehen als mediale Tätigkeit weiterhin auf Platz 1

Die Eltern geben an, dass ihr Kind im Schnitt pro Tag 82 Minuten fernsieht, 45 Minuten im Internet verbringt, 31 Minuten digitale Spiele spielt, 22 Minuten liest und 19 Minuten Spiele mit dem Smartphone spielt. Somit ist Fernsehen nach wie vor die wichtigste mediale Tätigkeit von Kindern, wenngleich das Zeitbudget dafür zurückgeht (2014 waren es noch 93 Minuten).

Das lineare Fernsehen wird ergänzt durch weitere Quellen für Bewegtbild. 96% der Kinder nutzen mindestens einmal pro Woche das Fernsehen, 39% nutzen YouTube, 11% Netflix, 6% Amazon Prime Video.

Die neuen Angebote stellen eine Herausforderung für die elterliche Begleitung der Mediennutzung dar. Kindern begegnen neue Genres und Inhalte, die im Kinderfernsehen, so wie Eltern es kennen, früher nicht stattgefunden haben. Insofern versuchen Eltern die Nutzung von Smartphone und Youtube möglichst hinauszuzögern, was aber nur bedingt funktioniert. Das Thema Handy gilt als Zeitfresser und sorgt in den Familien öfter für Streit (sagen 45% der Eltern).

Konkret nach der Geräteausstattung in den Haushalten gefragt, gibt es in fast allen Familien ein TV-Gerät, PC und Smartphone. 38% der Familien haben ein Tablet (hier ist ein deutlicher Anstieg von 28% in 2016 auf letztes Jahr zu verzeichnen); 22% nutzen einen der Streamingdienst für Serien und Spielfilme. Um das Smartphone zu reglementieren, dürfen die Kinder in der Regel erst mit dem Schulwechsel ein eigenes Gerät nutzen. 39% der 6- bis 13-Jährigen besitzen im Schnitt ein Smartphone; bei den 10- bis 11-Jährigen sind es 52%, bei den 12- bis 13-Jährigen 70%.

 

WhatsApp-Messenger von über 50% genutzt, trotz Altersbeschränkung

Da Kinder aber schon früh die Mobil-Geräte der Eltern oder Geschwister mitnutzen dürfen, kommt die KIM-Studie auf eine generelle Smartphone- bzw. Handy-Nutzung von 71%. Die wichtigsten Nutzungsmotivationen sind der telefonische Kontakt mit den Eltern und Textnachrichten. Auch wenn WhatsApp erst ab 16 Jahre freigegeben ist, so nutzen über 50% der befragten Kinder den Dienst. Jedes Kind ist Mitglied in 2,3 Gruppen – teilweise vernetzen sich ganze Schulklassen, wobei es hier auch in einem Fünftel der Fälle vorkommt, dass bestimmte Kinder ausgeschlossen werden aus der Gruppe.

Aber auch Videos und digitale Spiele sind relevante Funktionen für die Smartphone-Nutzung. Zusätzlich nutzen 25% der Kinder Facebook, 22% Snapchat und 18% sind bei Instagram – in der Regel sind das die älteren Kinder.

 

Welche Online-Funktionen sind für Kinder relevant?

An verschiedenen Stellen widmet sich die KIM-Studie auch dem Thema Internet-Nutzung – wobei man merkt, dass durch Apps und mobile Nutzung den Kindern in der Befragung eigentlich nicht klar ist, was das Internet überhaupt ist. 78% der Kinder sagen, dass sie mindestens selten einen Computer nutzen; 68% geben an, dass sie mindestens selten im Internet unterwegs sind. Geht PC-Nutzung heute, ohne online zu sein? Fakt ist, dass die mobile Internetnutzung deutlich zugenommen hat – der PC dient eigentlich eher als Arbeitswerkzeug. Viel interessanter sind Smartphone und Tablets aus Sicht der Kinder. Die wichtigsten Online-Tätigkeiten sind Bewegtbild schauen und digitale Spiele. Zwei Drittel der Kinder spielen regelmäßig. Am ehesten auf der Konsole; es folgen PC, Smartphone und Tablet. Die digitalen Spiele sind es, die in den letzten 20 Jahren deutlich das Set an Freizeitaktivitäten ergänzt haben. Insofern ist es nur folgerichtig, dass sich die KIM-Studie ausführlich dem Thema Jugendschutz und Spiele widmet. Hier wird deutlich, dass Eltern die Funktion von Altersbeschränkungen teilweise falsch interpretieren oder häufig darauf vertrauen, dass schon nichts Negatives passieren wird. Gerade, wenn Spiele auf dem Smartphone gespielt werden, entzieht sich der Inhalt sehr leicht der elterlichen Kontrolle.

Suchen und YouTube sind weitere wichtige Online-Funktionen. 65% der Kinder, die im Internet unterwegs sind, nutzen Suchmaschinen; 56% sind bei YouTube aktiv (was auch oft für die Suche genutzt wird). Wichtigstes YouTube-Genre sind kurze Clips, Musikvideos und Tiervideos. Bei älteren Kindern sind zusätzlich Beauty-Videos, Tutorials oder Let’s Plays relevant. Jeder zehnte kindliche Internetnutzer ist schon mit unangenehmen Inhalten konfrontiert worden.

In weiteren Kapiteln widmet sich die Studie den Themen Lesen, Hörmedien, Vorbildern, Themeninteressen und auch der technischen Medienkompetenz von Kindern.

Sie kommt zum Fazit, dass viele Konstanten in den kindlichen Freizeitaktivitäten existieren, es aber auch neue Themen aus den Bereichen Social Media oder Bewegtbild gibt, die attraktiv sind für Kinder und Eltern vor Herausforderungen stellen.

Sie haben Fragen zum Umgang mit dem Fernseh- bzw. Medienkonsum Ihres Kindes?

Das Medienpädagogen-Team der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen bieten Ihnen Unterstützung an. Ein ratgebender Blick von außen kann helfen, um Schwierigkeiten zu klären und Unsicherheiten zu überwinden. Teilen Sie uns Ihr Anliegen mit: medienpaedagogik@fsf.de  und wir setzen uns mit Ihnen in Verbindung.
Weitere Informationen zu unserem Beratungsangebot finden Sie hier.

Über Birgit Guth

Birgit Guth, geboren 1967, ist seit 1995 Leiterin der Medienforschung bei SUPER RTL. In ihrer Verantwortung liegen die Konzeption und Durchführung zahlreicher Studien zum Kinderfreizeit-Verhalten sowie zur Fernseh- und Mediennutzung von Kindern. Außerdem verantwortet sie viele Fachtagungen zum Thema „Kinder und Medien“ und referiert bei Fortbildungen oder als Lehrbeauftragte. Von 2001 bis 2008 war sie zusätzlich als Jugendschutzbeauftragte bei SUPER RTL tätig und leitete das Qualitätsmanagement des Senders. Guth hat Kommunikationswissenschaften, Germanistik und Marketing in Essen studiert. Sie engagiert sich zudem in verschiedenen medienpädagogischen Projekten, wie fragFINN, Media Smart und dem Erfurter Netcode. Außerdem ist sie Mitglied im Kuratorium der FSF. In ihrem Blog Kurzundguth schreibt sie über Daten und Kommentare zu Kindern, Medien, Fernsehen, Medienpädagogik und Jugendschutzthemen.

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