Zuschauen, zuhören, lesen – Freizeitgestaltung und Mediennutzung von Kindern

KINDER MEDIEN MONITOR 2021

 

Der KINDER MEDIEN MONITOR 2021 erhebt das Freizeit- und Medienverhalten von Kindern im Alter von 4 bis 13 Jahren und beschreibt repräsentativ sowohl die Kompetenzen von Kindern als auch die Einstellungen der Eltern.
 

Kinder 6-13 Jahre: Medien sind Teil des Alltags – Corona als Booster

Kindliche Freizeit besteht einerseits aus Mediennutzung – aber auch aus vielen anderen Tätigkeiten. Drei Viertel aller Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren verbringen mindestens mehrmals pro Woche Zeit mit den Freunden und ebenso viele spielen regelmäßig draußen. Ergänzt wird dies um das klassische Spielen – bei den Mädchen mit Puppen oder Gesellschaftsspielen und bei den Jungs mit Spielsets oder Actionfiguren.

Erweitert werden diese Freizeitbeschäftigungen um Mediennutzung – zuschauen, zuhören und lesen sind hier die wichtigsten Tätigkeiten; ergänzt um digitale Spiele.

Wenn es um Bewegtbild geht, ist das lineare Fernsehen immer noch die wichtigste Quelle für Filme und Serien: 82 Prozent der Kinder sehen mindestens mehrmals pro Woche Serien, Filme und Videos genau dann, wenn sie im Fernsehen laufen. 59 Prozent nutzen YouTube, gefolgt von kostenpflichtigen Videoanbietern wie Netflix und Amazon. Gut ein Drittel der Kinder (35%) nutzt regelmäßig die Mediatheken der TV-Sender. Wichtigste Plattform für zeitversetztes Sehen ist YouTube (68% der Kinder nutzen dies), gefolgt von Netflix (53%) und TOGGO (43%).

 

KINDER MEDIEN MONITOR 2021
Quelle: KINDER MEDIEN MONITOR 2021 – die komplette Präsentation ist hier als PDF einsehbar

Neben dem Zuschauen widmet sich die Studie auch dem Zuhören. Fast alle 6- bis 13-Jährigen (93%) hören Musik; an zweiter Stelle folgen Hörspiele (74%), dann Hörbücher (64%) und Radio (63%). Ein gutes Drittel nutzt Podcasts (34%).

Da die Studie in erster Linie von Verlagen finanziert wird, widmet sie sich auch ausführlich dem Lesen. 95 Prozent der 6- bis 13-Jährigen lesen generell in Büchern und Zeitschriften – die Tageszeitung ist nur für 31 Prozent von Interesse. Gelesen wir traditionell auf Papier und nicht in elektronischer Form.

Ergänzt wird die Mediennutzung um digitale Spiele. Dabei sind Smartphone oder Tablet die wichtigsten Geräte – 82 Prozent zocken damit. 71 Prozent nutzen PC oder Laptop zum Spielen, gefolgt von tragbaren Konsolen (66%) und der Spielkonsole am TV-Gerät (60%).

Der klassische PC oder Laptop hat während der Coronapandemie einen anderen Stellenwert erhalten. Kinder haben sich durch das Homeschooling mehr (oder erstmals) damit beschäftigt und über den Umweg Schule wird er nun auch häufiger für die Freizeit genutzt.

Die Eltern blicken mit einer Mischung aus Stolz und Sorge auf diese Entwicklung. 60 Prozent beobachten, dass das Kind inzwischen eigenständig an einer Videokonferenz teilnehmen kann. Aber deutlich weniger (36%) attestieren ihrem Kind, Internetinhalte hinsichtlich Vertrauenswürdigkeit richtig einschätzen zu können. Und auch im Umgang mit dem Social Web sehen Eltern noch Defizite – auch wenn sie grundsätzlich der Meinung sind, dass die Kinder sich durch die Schulschließungen neue Kompetenzen bei der Nutzung digitaler Medien erworben haben (72% der Eltern sehen das so).

KINDER MEDIEN MONITOR 2021
Quelle: KINDER MEDIEN MONITOR 2021 – die komplette Präsentation ist hier als PDF einsehbar

Im Rahmen der Erziehung entwickeln Eltern eine Haltung zu bestimmten Medien und schauen differenziert auf die einzelnen Gattungen. Zeitschriften genießen das größte Vertrauen; mit ihnen kann das Kind etwas lernen, sich sinnvoll beschäftigen und erfährt kreative Anregungen. Streaming- und TV-Anbieter machen auf wichtige Themen aufmerksam und stehen – hinter den Zeitschriften – auch für Glaubwürdigkeit. YouTube hat aus Sicht der Eltern den Vorteil, dass sich Inhalte wiederholt nutzen lassen. Ansonsten schaut man auch durchaus kritisch auf die Plattform – nur wenige Eltern sehen es als sinnvolle Beschäftigung an. Die geringste Reputation haben soziale Netzwerke, weil sie Risiken bergen, die gerade jüngere Kinder nicht antizipieren.

Die Studie wird abgerundet durch einen Blick auf Interessensgebiete von Kindern. Nach Angaben der 6- bis 13-Jährigen sind Tiere das Thema, wofür sie sich am meisten interessieren; gefolgt von Familie/Freundschaft und Natur/Umwelt. 59 Prozent der 6- bis 13-Jährigen machen sich Sorgen wegen des Klimawandels – gut ein Drittel setzt sich aktiv für Klimaschutz ein. Dazu gehört konkret die Mülltrennung (76%), aber auch die Verwendung von Bioprodukten (47%).

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Quelle: KINDER MEDIEN MONITOR 2021 – die komplette Präsentation ist hier als PDF einsehbar

 

Kleinkinder: Mediennutzung noch eher eingeschränkt

Neben den Schulkindern wurden im Rahmen der Studie auch Eltern von Kleinkindern im Alter von 4 bis 5 Jahren befragt.

Die jüngeren Kinder besitzen in der Regel keine eigenen Geräte, so dass ihre Mediennutzung über den Gerätezugang durch die Eltern gesteuert wird. 89 Prozent der Kleinkinder dürfen den Fernseher nutzen, 40 Prozent ein Smartphone – gefolgt von Tablet (37%) und PC/Laptop (30%). Drei Viertel der Kleinkinder schauen mindestens mehrmals pro Woche lineares TV – Streamingdienste (33%) und YouTube (31%) spielen eine geringere Rolle. Bücher werden von Kleinkindern genauso häufig (76%) genutzt wie das Fernsehen. Außerdem ist das Hören von Musik und Hörspielen eine relevante Medienbeschäftigung. Noch wichtiger aber ist das Spielen im Freien – etwa neun von zehn Kinder im Alter 4-5 Jahre sind mehrmals pro Wochen draußen (91%).
 

Zur Studie

Insgesamt wurden in den Jahren 2020 und 2021 2.046 Doppelinterviews geführt (mit Kindern 6-13 Jahre und einem Elternteil). Zusätzlich wurden 526 Eltern von Kleinkindern 4-5 Jahre befragt. Die Befragung wurde persönlich und in mündlicher Form vorgenommen.

Herausgeber: Egmont Ehapa Media, Gruner + Jahr, Panini Verlag, EDEKA Media, SUPER RTL

Alle Informationen zum KiMMO gibt es auf der Webseite des KINDER MEDIEN MONITOR 2021:

kinder-medien-monitor.de

Dort finden sich alle Zahlen in einer Ergebnispräsentation und in einem Berichtsband (beides als PDF).

Über Birgit Guth

Birgit Guth ist seit 1995 Leiterin der Medienforschung bei SUPER RTL. In ihrer Verantwortung liegen die Konzeption und Durchführung zahlreicher Studien zum Kinderfreizeit-Verhalten sowie zur Fernseh- und Mediennutzung von Kindern. Außerdem verantwortet sie viele Fachtagungen zum Thema „Kinder und Medien“ und referiert bei Fortbildungen oder als Lehrbeauftragte. Von 2001 bis 2008 war sie zusätzlich als Jugendschutzbeauftragte bei SUPER RTL tätig und leitete das Qualitätsmanagement des Senders. Guth hat Kommunikationswissenschaften, Germanistik und Marketing in Essen studiert. Sie engagiert sich zudem in verschiedenen medienpädagogischen Projekten wie dem Erfurter Netcode, Ein Netz für Kinder, Media Smart und ist Mitglied im JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis. Außerdem ist sie Mitglied im Kuratorium der FSF. In ihrem Blog Kurzundguth schreibt sie über Daten und Kommentare zu Kindern, Medien, Fernsehen, Medienpädagogik und Jugendschutzthemen.

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