JIM-Studie 2020 veröffentlicht

Seit mehr als 20 Jahren untersucht der Medienpädagogische Forschungsverband Südwest (mpfs) im Rahmen der JIM-Studie (Jugend, Information, Medien) die Mediennutzung zwölf- bis 19-Jähriger in Deutschland. Kürzlich wurden die Ergebnisse der JIM-Studie 2020 veröffentlicht, die einen Einblick in die Mediennutzung, den Medienbesitz und den Medienumgang Jugendlicher, auch in Anbetracht des „Corona-Krisenjahres“, gewährleisten. Wir haben uns die aktuelle Studie angeschaut und die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst.

Corona veränderte auch die Mediennutzung

Das Jahr 2020 brachte aufgrund der weltweiten Corona-Pandemie zahlreiche Herausforderungen mit sich. Lockdown, Homeoffice und Homeschooling stellten den Alltag vieler Menschen auf den Kopf und zogen auch im Hinblick auf die Mediennutzung bedeutende Konsequenzen nach sich. So zeigen die Ergebnisse der diesjährigen JIM-Studie, dass die Mediennutzungszeiten von Heranwachsenden zwischen zwölf und 19 Jahren deutlich gestiegen sind. Während die tägliche Internetnutzungsdauer im Jahr 2019 bei 205 Minuten lag, kletterte dieser Wert 2020 auf 258 Minuten pro Tag. Überraschend ist dieses Ergebnis wohl weniger – schließlich hatten Kontaktbeschränkungen und Schulschließungen zur Folge, dass sich ein noch größerer Teil der Aktivitäten und zwischenmenschlichen Kommunikation in den digitalen Bereich verschoben haben. Doch was wurde in dieser Zeit besonders häufig genutzt?

Deutlicher Anstieg bei Video-Streamingdiensten und Onlinespielen

Einen deutlichen Nutzungsanstieg gab es vor allem im Bereich der Video-Streamingangebote. Streaminganbieter wie Netflix werden damit auch als die „medialen Gewinner der Corona-Krise bezeichnet“. Doch auch das Fernsehen wurde von den befragten Jugendlichen in der Coronazeit häufiger genutzt, im Durchschnitt mehr als zwei Stunden pro Tag.

Auch Onlinespiele wurden im Jahr 2020 deutlich stärker in die eigene Mediennutzung integriert. Die geschätzte werktägliche Spieldauer ist bei Jugendlichen der Altersgruppe zwölf bis 19 Jahren entsprechend um 40 Minuten angestiegen. Auch diese Entwicklung, so schlussfolgern die Autorinnen und Autoren der Studie, ist nur eine logische Konsequenz der durch Corona eingeschränkten Freizeitaktivitäten.

Bild von ExplorerBob auf Pixabay: Jugendlicher sitzt vor 3 Bildschirmen – Symbolbild für Mediennutzungszeit Onlinespiele und Serienstreaming bei Heranwachsenden
Bild von ExplorerBob auf Pixabay

Doch die angestiegene Spieldauer birgt auch (neue) Risiken. So zeigt sich, dass unbeabsichtigte Käufe innerhalb von Onlinespielen zugenommen haben. Während im Jahr 2018 und 2019 acht Prozent der Jugendlichen angaben, versehentlich etwas in einem Spiel gekauft oder abonniert zu haben, liegt dieser Wert im Jahr 2020 schon bei 13 Prozent.

WhatsApp bleibt wichtigste App – YouTube gilt als beliebtestes Internetangebot

Wie schon im Vorjahr ist auch 2020 WhatsApp die wichtigste App unter den zwölf- bis 19-Jährigen. Das beliebteste Internetangebot ist weiterhin YouTube, gefolgt von Instagram. Stärkere Nutzungszahlen ließen sich jedoch auch bei Apps wie Snapchat, Pinterest und Twitter feststellen. Den größten Zuwachs erhielt jedoch die Trendplattform TikTok, welche vor allem bei Jüngeren besonders beliebt ist.

Das (digitale) Informationsbedürfnis ist 2020 gewachsen

Neben dem Bedürfnis nach digitaler Unterhaltung und Kommunikation ist für das Jahr 2020 auch ein höherer medialer Informationsbedarf bei Jugendlichen erkennbar. YouTube gilt hierbei wie auch im Vorjahr als eine sehr bedeutsame Informationsquelle, gleichzeitig werden Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsender für die eigene Informationssuche als wichtiger eingestuft. Im Altersgruppenvergleich wird sichtbar, dass insbesondere die zwölf- bis 15-Jährigen ein intensivierteres Such- und Informationsverhalten aufweisen. Fraglich bleibt hierbei, ob dies aus eigenem Antrieb oder aus dem verstärkten Homeschooling-Zustand resultiert.

Desinformation, Hass und Hetze: Wie präsent werden Negativinhalte wahrgenommen?

Bereits in den vergangenen Jahren wurde im Rahmen der JIM-Studie erfragt, wie häufig Jugendliche in Deutschland mit Negativinhalten wie beispielsweise Beleidigungen oder Falschnachrichten konfrontiert werden. Im Jahr 2020 ist der Anteil derjenigen, die negative Erfahrungen im Netz gemacht haben, auf 29 Prozent angestiegen. Vor allem Jüngere gaben dabei an, im Rahmen ihrer Mediennutzung auf Desinformationen und extremistische Inhalte gestoßen zu seien.

Digitales Lernen in Zeiten von Corona

Aus gegebenem Anlass legte die JIM-Studie 2020 den Fokus auch auf die Frage, wie sich der Lern- und Schullalltag der Jugendlichen während der Coronazeit gestaltete. Bereits im April 2020 wurden diesbezüglich einige Ergebnisse im Rahmen einer JIMplus Zusatzstudie veröffentlicht. Im Vergleich beider Erhebungen zeigt sich auch eine positive Entwicklung: während im April nur 22 Prozent der Jugendlichen angaben, eine Schul-Cloud oder Onlineplattform der Schule zu nutzen, waren es zum Zeitpunkt der jüngsten Befragung bereits 55 Prozent. 25 Prozent der befragten zwölf- bis 19-Jährigen nutzten im Homeschooling Videokonferenzsysteme, 15 Prozent griffen auf Chatanwendungen wie WhatsApp zum Austausch von Unterrichtsmaterialien zurück. Über die Hälfte der befragten Schülerinnen und Schüler gaben zudem an, ihre Unterrichtsmaterialien und Aufgaben per Mail zu erhalten.

Bild von Markus Trier auf Pixabay: Mädchen sitzt am Tisch vor PC mit vielen Unterrichtsmaterialien; Symbolbild Homeschooling | https://pixabay.com/de/photos/homeschooling-schule-technologie-5121262/
Bild von Markus Trier auf Pixabay

Lernmotivation im Homeschooling

Dennoch zeigt sich trotz der offensichtlich angestiegenen Bemühungen auf Seiten der Schulen, dass ein Großteil der Schülerschaft mit den neuen Lernbedingungen zu kämpfen hat. So gaben 60 Prozent der Befragten an, sich schlecht für das Lernen außerhalb des eigentlichen Schulalltags motivieren zu können. In diesem Fall können verschiedene digitale Lernspiele und -angebote hilfreich sein, die Schulinhalte auf spielerische Art und Weise multimedial erklären. Eine Sammlung an entsprechenden Lernangeboten für Kinder und Jugendliche findet sich in unserem Beitrag Meine eigenen vier Lernwände Teil 1. Auch Eltern sollten und können ihre Kinder im Lernen von zu Hause aus unterstützen. Hilfreiche Tipps und Anregungen gibt es hier (Meine eigenen vier Lernwände – Teil 2).

Anforderungen für die Medienpädagogik

Doch auch für die Medienpädagogik ergeben sich durch die neuen Ergebnisse Anforderungen und Handlungsempfehlungen. Gerade mit Blick auf aktuell kursierende Negativinhalte müssen Kinder und Jugendliche langfristig noch stärker für Themen wie Verschwörungsmythen und Fake News sensibilisiert und aufgeklärt werden, um einen souveränen Umgang mit eben diesen Themen erlernen zu können. In der Pflicht sind hierbei auch Lehrkräfte. Für diese Zielgruppe halten digitale Bildungsangebote wie die Medienbildungsplattform MEDIENRADAR oder auch das Projekt Weitklick der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) wichtige Informationen und flexibel einsetzbare (Unterrichts-) Materialien zu aktuellen Netzthemen bereit.

 

Quellen und Links

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest:

FSF:

Über Lena Wandner

Lena Wandner studierte Kommunikationswissenschaft und Romanistik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Kinder- und Jugendmedien an der Universität Erfurt. Ihr Interesse gilt insbesondere der Medienwirkungsforschung und dem Jugendmedienschutz, weswegen sie sich auch für ein Praktikum bei der FSF entschied, zeitweise als freie Blogautorin arbeitete und in 2020 als Social-Media- und Bogredakteurin für die FSF tätig war.

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